Der Sommerurlaub 2026 führte mich nach 7 Jahren wieder einmal nach England, zum Wandern auf dem South West Coast Path in Cornwall. Wie üblich ging es hin und zurück mit dem Zug – auch ein Nachtzug habe ich für die Strecke genutzt.

Mit dem European Sleeper ging es am frühen Abend in Berlin Gesundbrunnen los, mit dem Ziel Paris Est. Aufgrund von Bauarbeiten in Deutschland und in Frankreich wurde die Abfahrt nach vorne verlegt und die Ankunftszeit nach hinten gesetzt, auch der Startbahnhof und der Zielbahnhof waren beim Buchen der Verbindung noch andere Bahnhöfe in den beiden Städten. Genügend Mails von ES haben über die Umstände vor der Reise informiert, eine Laufzeit von 20 Stunden war für die Verbindung Berlin – Paris trotzdem viel zu lange und nur etwas für echte Nachtzugbegeisterte.

Bis Brüssel verbrachte ich die Zeit im Liegewagen-Abteil mit zwei Belgier, mit denen ich abends Karten gespielt habe. Ab Brüssel hatte ich das Abteil dann für mich alleine und konnte 5 Stunden lange aus dem offenen Fenster schauen. Die Wagons waren sehr komfortabel, es gab eine Klimaanlage und trotzdem Fenster zum öffnen – also das beste aus beiden Welten.

Aufgrund der späteren Ankunftszeit in Paris verbrachte ich dort nur Zeit am Bahnhof bis meine Reisebegleitung aus Stuttgart ankam, was 30 Minuten nach mir der Fall war, dann gingen wir zügig zum Bahnhof Paris-Nord und vollzogen den Check-in im Eurostar. Konnte ich vor 7 Jahren noch mit dem Personalausweis reisen, benötigt man inzwischen aufgrund des Brexit einen Reisepass und eine elektronische Einreiseerlaubnis. Die Grenzkontrolle ist inzwischen auch sehr automatisiert und erfolgt mit biometrischen Kameras anstelle von Grenzpersonal. Den ganzen Prozess fande ich sehr kurios, ging aber sehr schnell.

Die Fahrt nach London verlief ereignislos, nur 2,5 Stunden später kamen wir an. Der Eurostar ist schnell, aber hat keinen Charme und das Bordbistro (in der 2. Klasse) hat den Namen nicht verdient. Nach Ankunft in London ging es mit der Underground zum Bahnhof London Paddington, dem Bahnhof der Great Western Railway. Dort versuchten wir am Schalter noch eine Reservierung für den Night Riviera, einem Nachtzug von Penzance nach London, für die Rückreise zu bekommen. Wir waren mit Interrail Ticket unterwegs und leider ist es nicht möglich, an die Reservierung zu gelangen außer man besorgt sie sich in einem Kundenzentrum der GWR. Der Nachtzug war leider schon ausgebucht, also nahmen wir den nächsten Zug Richtung Cornwall mit dem Wissen, auf dem Rückweg tagsüber zurück nach London fahren zu müssen.

Hinter Exeter, es war gerade Abendstimmung, gab es ein herrlichen Blick auf die Küste des Ärmelkanals sowie anschließend auf den River Teign. Um 21:12 Uhr kamen wir pünktlich in Plymouth an, wo wir für eine Nacht in einem Hotel blieben. An nächsten Morgen ging es mit dem ersten Zug nach Newquay weiter, einer Stichstrecke vom Landesinneren zur Küste.

In Newquay fing unser Wanderurlaub an, einmal der Küste entlang bis nach Penzance. Das waren 8 Wandertage mit Übernachtung im Zelt auf Campingplätzen. Wie auch schon vor 7 Jahren war es eine wunderschöne Wanderung. Die Wege sind sehr gut präpariert und man hat fast dauerhaft einen Blick auf die Küste und das Meer. In den ersten Tagen wechselten sich rießige Sandstrände mit Dünen und weiße Klippen ab, hinter St. Ives (ein sehr schönes Städtchen) wurde es rauer. Die Steine wurden dunkler und es gab nur noch vereinzelt kleinere Strände zwischen den Klippen. Außerdem gab es hinter St. Ives keine Ortschaft mehr die sich direkt an der Küste befand. Dadurch gibt es auch nur sehr vereinzelt Zeltplätze, womit die erste Etappe hinter St. Ives auch mit Abstand die anstrengendste war. Neben der atemberaubenden Natur lassen viele Ruinen von alten Zink-Minen auf die industrielle Geschichte Cornwalls in dieser Region schließen. Um Land’s End, dem westlichsten Zipfel der Insel, war für wenige Kilometer wieder mehr los, da hier viele mit Auto oder Bus anreisen. Das Gelände ist sehr kommerzialisiert. Um ein Bild vom berühmten Wegweiser zu machen muss man Geld zahlen und wenn die Kinder nicht wandern gehen wollen, gibt es auch Filmvorführungen. Alles sehr absurd. Doch kaum ist man einige Kilometer weiter, hat man wieder die Ruhe und bloß die Natur um sich. Am letzten Tag sahen wir dann auch noch Delfine im Wasser vor uns toben, ein würdiger Abschluss unserer Wanderung.

In Penzance blieben wir noch eine Nacht auf dem Campingplatz, dann ging es mit dem Zug zurück nach London. Da wir den Night Riviera leider nicht nehmen konnten, fanden wir ein alternatives Highlight, und zwar die Bodmin Railway welche wir auf dem Hinweg am Bahnhof Bodmin Parkway gesehen hatten. Das ist eine Bahnstrecke welche von historischen Dampflokomotiven befahren wird. Von Bodmin Parkway ging es nach Boscarne Junction, in beide Richtungen mit einem Stopp in Bodmin General. Dort hatte ich die Gelegenheit, mir vom Fahrdienstleiter in der „Signal Box“ die mechanische Technik erklären zu lassen, was mich als jemand aus der Branche sehr interessierte. Von den Flügelsignalen der GWR war ich sehr verwundert, diese bewegen sich nach unten um Fahrt zu zeigen und nicht nach oben wie bei uns in Deutschland.

Nach 4 Stunden Unterbrechung unserer Fahrt ging es anschließend weiter nach London, wo wir nach Ankunft im Hostel während der Sonnenfinsternis einen Blick auf das London Eye und das Gleisvorfeld von London Waterloo hatten. Hier blieben wir nochmals 2 Nächte und besuchten in dieser Zeit viele schöne Flecken der Stadt, welche unter der Hitze ächzte. Auch die Themse hatte extrem wenig Wasser, sowass man an einigen Stellen entlang des Flusses auf dem Flussbett laufen konnte. Am letzten Abend waren wir dann noch auf einem Konzert, bevor es mit dem Zug zurück nach Deutschland ging.

Mit einem frühen Eurostar ging es nach Brüssel, wo ich eine Stunde Umstiegszeit hatte. Anschließend ging es mit einem ICE nach Köln. Erst hier bemerkte ich, wie unfassbar heiß es während den 2 Wochen in England in Deutschland war. Bei 38 Grad unter einem Glasdach auf einen Zug zu warten macht kein Spaß – irgendwann kam er aber und ich fuhr damit bis zum Abend nach Berlin.

Wenn man einen Tag Reisezeit mitbringt, kann man gut nach Cornwall in den Urlaub mit dem Zug fahren. Die Wanderung war wunderschön und natürlich ist die Motivation jetzt da, auch noch die verbleibenden Abschnitte des South West Coast Paths zu laufen. England bietet sich auch als Land für das Interrail Ticket sehr gut an. Abgesehen von den sehr teuren Reservierungskosten für den Eurostart und die Nachtzüge, welche man nur vor Ort reservieren kann, sind fast alle Züge ohne Reservierung fahrbar und es gibt ein sehr dichtes Schienennetz. Der European Sleeper von Berlin nach Paris ist ein gemütlicher Zug, doch ich hoffe die Fahrzeit verbessert sich noch, sodass es eine ernstzunehmende Alternative für einen größeren Teil der Bevölkerung wird. Von Berlin nach Brüssel ist der European Sleeper wiederum ein wunderbarer Zug für die erste Etappe nach England.