mit dem Zug durch Europa

Schlagwort: Urlaub

Auf Landweg von Mitteleuropa in den Kaukasus

Im November 2025 fuhr ich auf Landweg bis in den Kaukasus. Die Strecke führte über den Balkan, einmal komplett durch die Türkei und schließlich nach Georgien und anschließend nach Armenien. Auf dem Hinweg und Rückweg fuhr ich dabei auf leicht abgeänderten Routen. Insgesamt verbrachte ich auf dieser Reise 10 Nächte in Liege- oder Schlafwägen, unter anderem waren das der Optima Express, der Doğu Ekspresi in der Türkei sowie der Nachtzug von Tiblisi nach Jerewan. Über jeden einzelnen dieser Züge würde es sich lohnen einen eigenen Bericht zu schreiben, ich versuche trotzdem die ganze Reise in einem Blogbeitrag zu behandeln.

Los ging es mit dem ICE Sprinter von Berlin Hbf nach München Hbf. Dieser benötigte aufgrund von Bauarbeiten schon laut Fahrplan 1,5h länger als normalerweise, da der Zug auf dem Weg von Halle nach Erfurt falsch abbog kam dazu noch eine Stunde Verspätung dazu – das hat schon mal gut angefangen. Zum Glück habe ich mir eine Verbindung mit einem geplanten Aufenthalt von 1,5h in München gebucht, sodass ich in München den Zug nach Villach Hbf trotzdem erreichte. Nach dem Einchecken am Terminal fuhr ich am Abend mit dem letzten Optima Express des Jahres in östlicher Richtung von Villach nach Edirne in der Türkei weiter.

Ich hatte ein Liegewagenabteil zusammen mit zwei älteren Herren. Viel Zeit verbrachte ich aber vor allem mit Cari und Matthias vom YouTube Kanal Easy German, die zufälligerweise im gleichen Zug waren. Ich bin nun in einem ihrer Videos zu sehen. Viel Zeit, um diese miteinander zu verbringen, hatten wir. Die Fahrt dauerte, verglichen mit der Fahrt von vor 2 Jahren, bei der ich 9 Stunden Verspätung hatte, dieses mal noch länger. Als wir am 3. Tag in Edirne ankamen, war es bereits dunkel. Nachdem wir Bargeld besorgt hatten ging es zum Busbahnhof und mit dem nächsten Bus nach Istanbul. Dort verabschiedeten wir uns und ich ging ins Hostel, in dem ich um 1 Uhr in der Nacht ankam.

Am nächsten Tag besichtigte ich Istanbul, eine Stadt von der ich immer wieder aufs neue begeistert bin. Mit meiner Kamera ausgestattet, gelangen mir einige gute Schnappschüsse. Am zweiten Tag in Istanbul ging es morgens zum Bahnhof Söğütlüçeşme, von dort mit dem Hochgeschwindigkeitszug YHT nach Konya. Dort verbrachte ich zwei Tage bei Freunden und besuchte unter anderem Çatalhöyük, der ältesten bekannten Großsiedlung der Menschheitsgeschichte. Die Ruinen sind fast 10.000 Jahre alt. Außerdem besuchte ich eine Vorstellung mit traditionellen Derwischen, die sich in Trance tanzten.

Für drei Tage fuhr ich anschließend nach Izmir. Das lag zwar nicht auf meinem Weg, dorthin gibt es aber gute Nachtzugverbindungen womit sich der Umweg nicht weit angefühlt hat. Und gut schlagen konnte ich, für um die 41 € hatte ich ein eigenes Schlafwagenabteil mit super bequemen Bett, Waschbecken und sogar einen Kühlschrank mit Minibar im Abteil. Sogar einen Speisewagen, in dem man sich Abendessen zubereiten lassen kann, gab es. In Izmir besichtigte ich am ersten Tag die Stadt, am zweiten Tag fuhr ich nach Çamlık, etwa eineinhalb Stunden südlich von Izmir. Dort gibt es das größte Dampflokmuseum in der Türkei, es gleicht aber mehr einem Park wie einem richtigen Museum. Sehenswert war es trotzdem. Auch verbrachte ich viel Zeit im gemütlichen Hostel, in dem ich zwei Jahre zuvor bereits gewesen bin.

Der nächste Nachtzug brachte mich von Izmir nach Ankara. Wieder hatte ich für unter 45 € ein Schlafwagenabteil für mich alleine. In Ankara hatte ich einige Stunden Aufenthalt, schloss mein Gepäck am Bahnhof ein und machte mich auf in die Kalesi, der Altstadt sowie der Anıtkabir, dem Mausoleum von Atatürk. Die Burg oberhalb der Kalesi war echt schön und es gibt einige tolle Antik-Läden dort. Mit dem Personenkult um den Staatsgründer kann ich nichts anfangen, die Anıtkabir einmal zu erleben kann ich dennoch jedem empfehlen.

Um halb 6 war es dann so weit: Auf Bahnsteig 1 am Bahnhof Ankara Gar rollte der Doğu Ekspresi ein, einer der legendärsten Züge überhaupt. Für die nächsten 26 Stunden war das mein Zuhause, im Liegewagen zusammen mit zwei Neuseeländern, welche die einzigen anderen Touristen im Zug waren. Die Liegen waren die bequemsten Liegen die ich jemals in einem Liegewagen erlebt habe. Es gab ein Bordrestaurant, welches bis tief in die Nacht und ab früh morgens Essen, Getränke und Snacks zu kleinen Preisen verkaufte, sowie bezaubernde Aussichten aus den Fenstern. Und das ganze zu einem Preis von ca. 25€. Wenn ich gerade nicht am Fotos machen, Reden, Essen oder Çay trinken war, las ich in meiner Reiselektüre. In Erzican und Erzurum konnte ich außerdem kurz auf den Bahnsteig aussteigen. Abends kam der Zug nach seinem langen Laufweg in Kars an.

Von Kars aus sind es keine 70 km bis zur Grenze nach Armenien. Doch die Grenze ist seit über 30 Jahren geschlossen, wer auf Landweg nach Armenien weiter will muss einen Umweg über Georgien nehmen. Nach Georgien gibt es seit einigen Jahren eine Eisenbahnlinie, auf dieser fahren aber noch immer keine Personenzüge. Von Kars aus gibt es aktuell auch leider keine direkte Busverbindung nach Georgien. Die einzige Busverbindung besteht aus einem Bus, welcher in Richtung Hopa am Schwarzen Meer fährt. Ganz in der Nähe liegt der Grenzübergang Sarp. Den direkteren Grenzübergang Turközü kann nur mit Trampen erreicht werden.

Doch zuerst hatte ich noch einen Tag Aufenthalt in Kars, an dem ich die alte Hauptstadt Armeniens mit dem Namen „Ani“ besichtigen wollte. Nachdem mich Passanten auf die Frage nach Bussen dorthin immer wieder in andere Richtungen schickten beschloss ich, dorthin zu trampen. Bis zu einer Tankstelle außerhalb der Stadt ging das super schnell, direkt das dritte Auto hatte angehalten. Doch dann wollte mich für längere Zeit keiner mehr mitnehmen, bis nach 45 Minuten ein Farmer mit einem Kalb im Fußraum des Beifahrerplatzes anhielt. Aufgrund der geringen Erfolgsquote stieg ich oberhalb des Kalbs ein und der Fahrer brachte mich bis nach Ani, einem gleichnamigen Bauerndorf direkt vor der Ausgrabungsstätte.

Die Ruinenstadt liegt direkt an der Grenze zu Armenien, auf der anderen Flussseite konnte man eine armenische Siedlung sehen. Es gibt einige interessanten Gebäude, an einigen Stellen fanden Bauarbeiten statt. Sehr verstörend fand ich die Tatsache, dass auf allen Infotafeln in Ani nicht ein einziges mal das Wort „Armenien“ zu finden war, und das bei der ehemaligen Hauptstadt eben dieses Volkes. Der Genozid an den Armeniern ist weiterhin ein Tabuthema in der Türkei, weswegen über Armenien einfach geschwiegen wird. Das habe ich auch auf der Rückfahrt erlebt, bei der mich zwei Türkinnen nach Kars mitnahmen. Wir unterhielten uns freundlich und intensiv, doch als ich berichtete, dass ich nach Armenien reisen werde, herrschte schlagartig Stille im Auto.

Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Bus um 10 Uhr von Kars nach Hopa am Schwarzen Meer. Die Fahrt dauerte ca. 6,5 Stunden und kostete mich 650 Lira, also ca. 13€. In Hopa wird man direkt gegenüber der Minibus-Haltestelle herausgelassen, dort musste ich 60 Lira für den Minibus bis zum Grenzübergang Sarp bezahlen, was etwa 40 Minuten gedauert hat. Der Minibus fuhr die letzten Kilometer an einer nicht endenden Schlange an LKWs vorbei, die alle auf den Grenzübertritt warteten. Ohne Auto hat man die Grenzkontrolle dagegen schnell hinter sich, in 30 Minuten war ich auf der anderen Seite. Es ist aber ein langer Fußmarsch mit vielen Treppen, da alle Rolltreppen defekt waren. Direkt vor dem Ausgang des Grenzübergangs wartete gerade eine Marschrutka (die russische Bezeichnung für Minibus) nach Batumi, Kostenpunkt 2 Lari oder ca. 60 Cent. Es gibt viele Wechselstuben direkt an der Grenze, die Wechselkurse sind jedoch sehr schlecht. Ich habe hier nur etwas Geld für den Bus gewechselt.

In Batumi blieb ich zwei Nächte. Direkt am ersten Abend freute ich mich sehr über die georgische Küche, nachdem die türkische Küche in Ostanatolien als Vegetarier sehr eingeschränkt war. Am nächsten Tag besichtigte ich die Stadt mit den vielen Casinos und ihrer großen Strandpromenade. Tatsächlich hatte es Ende November an diesem Tag noch über 20 Grad. Ein großer Kontrast zu den -5 Grad in Kars nur einen Tag zuvor. Baden im Schwarzen Meer bin ich trotzdem nicht mehr gewesen.

Wieder ein Tag später fuhr ich morgens mit dem Bus zum etwas außerhalb der Stadt liegenden Bahnhof. Dort fuhr um 8 Uhr der Zug nach Tbilisi ab, Kostenpunkt etwa 12 €. Die Fahrtzeit betrug regulär 5:17 Stunden, ich kam allerdings mit etwas Verspätung an. Wie ich kurz vorm Schreiben dieses Blogbeitrags in den Nachrichten gelesen habe, sollte die Verbindung durch die Neubaustrecke Chašuri-Zestaponi nun stabiler sein und auch die Fahrzeit konnte Anfang 2026 auf unter 5 Stunden verkürzt werden. Doch ich fuhr im November noch über die nur im Schneckentempo befahrbare alte Trasse durch das Gebirge.

In Tbilisi hatte ich einen halben Tag Pause, wieder schloss ich mein Gepäck ein und machte mich mit der Kamera auf den Weg in die Altstadt, aß ausgiebig zu Mittag und machte tolle Bilder von der Stadt, die mir sehr gut gefiel. Am Abend ging es dann in den letzten Zug meiner Anreise, der Nachtzug von Tbilisi nach Jerewan. Dabei handelt es sich um einen Zug russischen Fabrikats. Es gibt 3 Kategorien: 2er Kabine, 4er Kabine und Platzkart. Bei Platzkart handelt es sich um einen Großraumwagen voll mit Betten. Ich entschied mich für die 4er Kabine, die ich mir mit einer weiteren Person teilte. Das Ticket in dieser Kategorie kostete mich um die 43 €. Jeder Wagen hat Heißwasserspender für Instant-Nudeln oder Tee sowie eine richtig große Dusche, wie ich es davor noch nie in einem Zug gesehen habe. Die Schienen wahren sehr wackelig, ich konnte trotzdem ganz gut schlafen. Auf georgischer Seite musste ich aussteigen um meinen Stempel im Pass zu bekommen, auf der armenischen Seite kamen die Grenzbeamten mit mobilen Geräten in den Zug.

Am frühen Morgen kam ich in Jerewan am wunderschönen Bahnhof an, an dem die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. An einigen Stellen sind Hammer und Sichel in den Ornamenten zu finden. Für die Metro wird eine Karte benötigt, welche nur mit einer armenischen Nummer aufzuladen ist. Zum Glück hat mir eine Einheimische Ihre Nummer gegeben, ich wüsste nicht wie ich sonst mit der Metro hätte fahren können. Mit der Metro fuhr ich also in die Innenstadt, wo ich in einem Café frühstückte. Nach einiger Zeit fuhr ich weiter zum Hostel, wo ich die nächste Woche verbringen werde. Ich bin in Jerewan für ein Erasmus Projekt zum kulturellen Austausch. Da dies ein Blog über das Zugreisen ist, werde ich hierzu nicht allzu viel schreiben. Es war aber auf jeden Fall eine tolle Zeit mit den Menschen aus verschiedensten Ländern. Auf dem Programm standen ein Besuch im Parlament sowie eine Diskussionsrunde mit einer Politikerin, Sightseeing, Teambuilding und vieles mehr.

Für den Heimweg verwendete ich grob die gleichen Verbindungen, jedoch mit einigen Abweichungen, weswegen ich die Heimreise hier ebenfalls beschreiben möchte. Zuerst ging es mit dem Nachtzug zurück nach Tbilisi, diesmal in der günstigsten Kategorie Platzkart was mich 33 € kostete. Da ich der einzige Passagier in dieser Kategorie und damit im ganzen Wagon war (im ganzen Zug waren es vielleicht 20 Passagiere), bot mir der Schaffner ein eigenes Abteil an. Da sagte ich natürlich nicht nein. In Tbilisi hatte ich diesmal 2 Tage, den ersten machte ich einen Ausflug nach Gori und besuchte dort das Stalin-Museum. Das Museum ist völlig skurril, hier hat sich seit der Sowjetunion nichts geändert und Stalin, der aus Gori stammt, wird glorifiziert. Nur ein kleiner Raum unter der Treppe beschäftigt sich damit, dass „nicht nur alles gut war“. Am zweiten Tag zeigte mir eine Teilnehmerin des Projekts aus Jerewan, die in Tbilisi wohnt, die Stadt aus Sicht einer Einwohnerin. Die Stadt machte auf den zweiten Blick einen noch besseren Eindruck wie beim ersten kurzen Besuch. Leckeres Essen, nette Cafés, tolle Architektur sowie Natur und Berge – diese Stadt hat alles.

Von Tbilisi nach Batumi fuhr ich wieder mit dem Zug und übernachtete dort. Am nächsten Morgen ging es mit der Marschrutka zur Grenze, anschließend mit dem Minibus nach Hopa. Doch diesmal fuhr ich von dort nicht mehr nach Kars zurück, sondern für 700 Lira nach Erzurum. Die Fahrtdauer nach Erzurum ist kürzer wie nach Kars, der Zug nach Ankara hält hier außerdem 4 Stunden später. Somit konnte ich mir einiges an Fahrtzeit einsparen. Der Bus bot außerdem viel mehr Beinfreiheit und es gab Tee und Wasser vom Busbegleiter (aber davon wusste ich vor der Fahrt noch nichts). Einziges Manko war, dass der Busbahnhof in Erzurum leider sehr weit weg von der Stadt ist, ich konnte keine Busverbindung finden und habe am Ende für die 15 Minuten Taxifahrt zur Innenstadt nochmal 450 Lira zahlen müssen.

Nach etwas Sightseeing am Abend und Morgen ging es nach einer Nacht in Erzurum mit dem Doğu Ekspresi um 12:14 Uhr zurück nach Ankara, wieder im Liegewagen. Diesmal war das Abteil voll besetzt, mit meinen Abteilkollegen konnte ich aufgrund einer Sprachbarriere nur mit Händen kommunizieren. Dafür sprach der Koch im Restaurantwagen fließend Deutsch, da er in Hanau aufgewachsen ist. Nach Ankunft in Ankara am Morgen kaufte ich mir am Fahrkartenschalter ein Ticket für den nächsten Zug nach Istanbul, der bereits 25 Minuten nach Ankunft der Doğu Ekspresi abfuhr. In Istanbul machte ich dann nochmals für eine Nacht Pause.

Nach einem weiteren Tag Sightseeing in Istanbul, diesmal in einer großen Gruppe mit anderen Reisenden vom Hostel, ging es abends mit dem Sofia Ekspresi nach Sofia. Tickets für diesen Zug kosten 38 € und können am Bahnhof Sirkeci in der Altstadt von Istanbul gekauft werden. Der Zug fährt in Halkalı los, dem Bahnhof am westlichen Ende der Marmaray Bahn welche durch Istanbul verläuft. Dort gibt es nur Snackautomaten, außerhalb gibt es zum Glück einen nur kurz entfernten Imbisswagen mit dem Namen „Vagon“, in dem ich noch etwas warmes zum Essen gefunden habe. Ich teilte mir den Liegewagen wieder nur mit einer Person. Getränke, Essen oder sonstige Annehmlichkeiten gibt es in diesem Zug nicht, der Zug kam dafür 1,5 h vor der Zeit im Fahrplan in Sofia an. Eine willkommene Abwechslung. In Sofia war ich zuletzt vor über 10 Jahren und es war interessant, Orte von damals wieder zu entdecken.

Ich hatte lange überlegt, ob ich die schienengebundene Verbindung über Bukarest nach Budapest wählen soll, oder die wesentlich schnellere Verbindung über Belgrad, bei der ich aber ein Stück mit dem Bus fahren muss. Letztendlich entschied ich mich für die Verbindung über Serbien, und so fuhr ich am nächsten Morgen um 9 Uhr am Busbahnhof los. An der Grenze mussten wir 1,5 h warten, bis unser Bus endlich passieren durfte. Doch in nur 6 Stunden waren wir in Belgrad, für 38 €. Hier übernachtete ich wieder für eine Nacht und verbrachte die Zeit mit Sightseeing sowie fotografieren von Brutalismus-Gebäuden in Novi Beograd, was ein Brutalismus-Paradies ist.

Um 11 Uhr fuhr ich auf der nach langen Verzögerungen seit Oktober eröffneten Strecke von Beograd bis nach Subotica. Dort hatte ich eine Stunde Aufenthalt, den ich in einem Café verbrachte. Mit der die Grenze überschreitenden Regionalbahn ging es anschließend nach Szeged in Ungarn. Von dort aus mit einem IC weiter nach Budapest. In Summe kostet diese Fahrt gerade einmal 22€, und das beim Kaufen der Tickets am Tag der Reise. Durch die Eröffnung der Strecke von Novi Sad nach Subotica hat sich bereits unglaublich viel verbessert, hoffentlich wird auch die direkte Verbindung von Subotica nach Budapest ebenfalls bald eröffnet.

Um 18:09 Uhr kam ich in Budapest-Nyugati an. In Szeged besorgte ich mir bereits Tickets für den Nachtzug nach Berlin, die mit 56€ im Liegewagen ebenfalls super günstig waren. Dieser fuhr um 19:30 Uhr am selben Bahnhof ab. Es war der 14. Dezember, der Tag des Fahrplanwechsels. Und so kam es, dass ich Berlin nicht über einen Umweg über den Ausenring, sondern über die neue Dresdner Bahn erreichte. Und wie es sich für die Deutsche Bahn gehört natürlich mit einer Verspätung von über einer Stunde.

Nach 10 Übernachtungen im Zug und über 12.500 km die ich zurückgelegt habe kam ich wieder in Berlin an. Was eine Reise! Während für alle anderen Teilnehmer des Erasmus+ Projekts dieses Projekt ein alleinstehendes Event war, war es für mich nur ein Teil eines größeren Abenteuers. Und ich habe es sowas von genossen. Reisen außerhalb der Haupturlaubszeit ist einfach toll, ich fand in allen Hostels ein Bett ohne zuvor reservieren zu müssen und auch viele der Zugtickets habe ich direkt am Abfahrtstag erst gekauft, eine Flexibilität die man im Sommer bei vollen Zügen und Hostels nicht hat.

Ich hoffe ich konnte auch dich für eine Zugreise begeistern, sei es an einen Ort in der Nähe oder doch bis in den Kaukasus.

Wie alles begann – Einmal um die Adria vor 10 Jahren

Heute berichte ich von meiner ersten großen Interrail-Reise, als ich vor 10 Jahren einmal um die Adria gereist bin. Ich habe dazu einmal das Foto-Archiv durchwühlt und Notizen von damals gelesen, um diese Reise zu rekonstruieren. Rückblickend ist es sehr interessant zu sehen, was sich seitdem im Schienennetz in Europa getan hat – sowohl positives als auch negatives. Viele der Verbindungen auf dem Balkan, mit denen wir damals gefahren sind, gibt es heute nicht mehr. Durch die Alpen hat sich das Zugreisen hingegen beschleunigt und auch die in- und outbound journey im Interrail Pass macht das Reisen heute komfortabler als damals.

Fahrstrecke der Interrailreise 2015
Fahrstrecke der Interrailreise 2015

Los ging es mit dem RE nach Stuttgart, wo der Hauptbahnhof damals eine riesige Baustelle war – so wie auch noch heute. Damals fanden wir eine große Baugrube vor, heute sind einige Teile des neuen Bahnhofs bereits fertiggestellt. Da man mit dem Interrail Ticket ausschließlich im Ausland fahren durfte, waren wir am ersten Tag mit dem Baden-Württemberg Ticket unterwegs. Den IC nach Zürich, heute für den Regionalverkehr innerhalb Deutschlands freigegeben, durften wir mit unserem Ticket nicht fahren. Also ging es anschließend nach Ulm und von dort aus mit dem RE nach Schaffhausen und Zürich.

Nach einem Aufenthalt von 2 Stunden in Zürich fuhren wir mit dem EC nach Mailand. Dort besuchten wir am folgenden Tag die EXPO15, eine riesige Messe, auf der sich die Länder der Welt vorstellen. Architektonisch waren einige „Pavillione“ sehr spannend, den genauen Sinn hinter der Expo habe ich aber ehrlicherweise nicht wirklich verstanden und verstehe ihn bis heute nicht so richtig. Es war aber auf jeden Fall eine spannende Veranstaltung.

Da die Hostels in Mailand aufgrund der Expo alle ausgebucht waren oder sehr teuer waren, fuhren wir nach zwei Nächten weiter. Unser nächster Stopp war Ancona, von wo aus unsere Fähre nach Griechenland losfuhr. Aus irgendeinem Grund fuhr die Fähre an diesem Tag erst mehrere Stunden später ab, sodass wir einen halben Tag am Porta Pia darauf warteten, dass die Fähre bereitsteht. Mit dem Interrail Ticket sollte die Fähre eigentlich inkludiert sein, am Ende bezahlten wir mit den ganzen Zuschlägen (Hochsaisonszuschlag, Treibstoffzuschlag, Hafenzuschlag) dann doch 42€. Die 22h auf der Fähre verbrachten wir auf dem Deck, nachts schliefen wir auf unseren Isomatten. Das klingt vielleicht ätzend, doch ich habe die Fährfahrt in guter Erinnerung. Es war sehr entspannt, wir spielten Karten und lernten eine Familie kennen, die uns einlud, auf dem Rückweg in Innsbruck bei ihnen Halt zu machen.

In Patras (Griechenland) verbrachten wir eine Nacht in einem Hostel, welches ich bis heute als das dreckigste Hostel in meinem Leben bezeichne. Die Bettlaken waren mal weiß, inzwischen waren sie aber gelb. In der Dusche wusste man nicht, ob die Fugen aus Beton, Holz oder Schimmel bestehen und der Durchlauferhitzer in der Duschkammer hatte keine Verkleidung mehr, die offenen Stromkabel hingen direkt neben der Duschbrause. Wir schliefen in unseren Schlafsäcken und verließen das Hostel am nächsten Morgen.

Von Patras nach Athen wird die Eisenbahn ausgebaut. Deswegen mussten wir mit einem Bus fahren, der allerdings von Trainose betrieben wurde und im Interrail Ticket inkludiert war. In Akrata stiegen wir aus und liefen zum Zeltplatz Akrata Beach Camping, wo wir für einige Tage blieben. Mittags wurde es seehr heiß und die Zirpen, welche auf allen Bäumen hockten, machten einen unglaublichen Krach, erst nachts wurde es wieder still. Während der Mittagshitze verbrachten wir die Zeit am Kiesstrand des Campingplatzes.

An einem Tag machten wir einen Tagesausflug nach Diakopto, um von dort aus mit der Schmalspurbahn nach Kalavryta zu fahren. In Diakopto sah der neue Bahnhof für die Strecke Patras – Athen eigentlich schon fertig aus, doch in der Realität fährt auch heute, 10 Jahre später, noch kein Zug bis Patras auf dieser Strecke. Das Sparprogramm, welches der Regierung von der EU aufgedrängt wurde, hat eine Fertigstellung immer wieder verhindert. Aktuell heißt es, dass die Strecke 2026 eröffnet wird, wir werden sehen.

Die schmale Bahnstrecke, welche das Vouraiko Tal entlangführt, war wunderschön. Oben angekommen machten wir eine kleine Wanderung und sahen uns in dem Ort um, welches leider eine dunkle Geschichte hat. Nazi-Deutschland hat während des zweiten Weltkrieges das ganze Dorf niedergebrannt und alle Männer hingerichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass das Terrorregime auch im Südosten Europas wütete. Wie gut, dass auch heute noch darauf mit Infotafeln aufmerksam gemacht wird.

Auf der Rückfahrt fuhren wir nur bis zum Mittelstation mit dem Zug und wollten den Rest zu Fuß wandern. Wir dachten, die Mittelstation wäre die erste Station vor Diakopto auf der Karte, doch es gibt Bahnhöfe, die nicht mehr angefahren werden. So war die Wanderstrecke nicht nur 5km lang, sondern 12km. Außerdem stellte sich heraus, dass es keinen Wanderweg gibt. Man konnte nur auf den Schienen weiter nach unten laufen, und das taten wir auch. Die Mittagssonne prallte uns auf den Kopf, unsere Wasservorräte neigten sich dem Ende zu. Als laut Fahrplan bald ein Zug wieder vorbeikommen sollte, machten wir im Fluss Pause um uns abzukühlen. Danach ging es weiter bergab, bis wir endlich in Diakopto ankamen. Im ersten Kiosk kauften wir mehrere Flaschen Wasser und jeder trank fast einen Liter davon.

Als nächste Station der Reise machten wir in Korinth Stopp. Bis Kiato mussten wir dafür den Bus nehmen, von dort aus fuhren, wie auch heute noch, Züge weiter nach Athen. Wir hatten alle frisch das Abi gemacht und mussten als Prüfungslektüre Homo Faber lesen, was unter anderem auf Akrokorinthos spielt. Dorthin wanderten wir und besuchten die Runie der Festung auf dem Berg. Im Bed&Breakfast hatten wir ein bombastisches Frühstück und Abendessen, da der Besitzer in einem Restaurant arbeitete und uns von allen Gerichten etwas am Abend mitgebracht hat.

Danach ging es weiter nach Athen, der Hauptstadt Griechenlands. Das Parlamentsgebäude war damals in den deutschen Nachrichten oft zu sehen, die Schuldenkrise Griechenlands war im vollen Gange. Noch berühmter ist natürlich die Akropolis, welche wir ebenfalls besichtigten. Viel Zeit verbrachten wir dort oben allerdings nicht, die Stadt ist im August unglaublich heiß. Wir hatten jeden Tag fast 40°, besonders schlimm war es bei der Akropolis, da es nicht einen einzigen Baum dort oben gibt und durch die Steine überall die Luft noch weiter aufgeheizt wird. Wir machten die obligatorischen Bilder und gingen schleunigst wieder den Berg hinunter.

Der nächste Stopp hieß Meteora-Klöster. Da der Zug, welchen wir von Athen aus nehmen wollten, bereits voll war (man musste Sitzplätze reservieren, was nur am Bahnschalter möglich war), fuhren wir mit einem späteren Zug nach Paleofarsalos. Das ist ein kleiner Bahnhof, der gleichzeitig aber ein Drehkreuz im Schienennetz Griechenlands darstellt. Von hier aus muss man in die Züge umsteigen, welche nach Kalambaka fahren. Wir übernachteten in der Wartehalle des Bahnhofs, die erste Nacht seit einer Woche mit Klimaanlage. Mit dem ersten Zug ging es nach Trikala, wo wir im Hostel am frühen Morgen unser Gepäck abgaben. Danach ging es mit dem nächsten Zug weiter nach Kalambaka, wo wir zum ersten Kloster liefen und um Punkt 8 Uhr die ersten Gäste des Tages waren.

Die Meteora-Klöster befinden sich alle auf steilen Klippen und geben eine beeindruckende Kulisse. Wir besuchten zwei davon, bevor es wieder zurück nach Trikala ging. Dort machten wir am nächsten Tag eine weitere Wanderung, bevor es mit dem Zug nach Thessaloniki ging.

In Thessaloniki fuhren wir für einen Tag an einen Strand und besorgten uns ein Zugticket nach Sofia für den nächsten Tag. Am frühen Morgen fuhr der Zug los, auf den letzten Kilometern vor der bulgarischen Grenze nur in Schrittgeschwindigkeit aufgrund der maroden Strecke. Zwei Jahre später wurde deswegen nur ein Busservice für diese Strecke angeboten, wir fuhren noch durchgehend auf den Schienen. Inzwischen gibt es auf dieser Verbindung gar keine Züge mehr.

Bei Einfahrt nach Sofia sahen wir bis zum Horrizont nur Müll, anschließend fuhr der Zug durch einen Art Slum, es sah furchtbar aus. Am Bahnhof wurden wir von einem Mann belästigt, der Geld von uns haben wollte und nicht locker ließ. Der erste Eindruck der Stadt war wirklich nicht gut – das änderte sich schlagartig, als wir eine unscheinbare Metalltür öffneten und im Innenhof des Hostels Mostels ankamen. Durch den „Bast Balkan Pass“, den wir in Trikala erhielten, bekamen wir einen 10% Discount und zahlten nur 8,10€ pro Nacht für ein tolles Hostel mit gratis Kaffee, gratis Frühstück, gratis Abendessen (!) und gratis WLAN. PCs zum surfen gab es auch, tatsächlich hatte keiner von uns eine Internetflat für das Ausland (Roming in der EU war sündhaft teuer) und wir waren immer offline unterwegs. Das Hostel veranstaltete auch unterschiedliche Aktivitäten.

An einem Tag machten wir einen Ausflug zu einem Wasserfall in den Bergen bei Sofia. Als der Bus, auf den wir warteten, eintraf, war dieser mit dem Satz „Für die Umwelt – fahr mit dem Bus“ beschriftet. Auch alle Sicherheitshinweise im Bus waren auf deutsch und weiteren westeuropäischen Sprachen, auf bulgarisch stand nichts. Hier landen also alle Busse, welche bei uns ausgemustert werden.

Die nächste Zugfahrt fand in Schlafwägen statt, auf denen an einigen Ecken noch das Logo der Deutschen Reichsbahn (aus der DDR) zu finden war. Es war der Nachtzug von Sofia nach Belgrad, welchen es inzwischen ebenfalls nicht mehr gibt. Angekommen sind wir im alten Bahnhof von Belgrad, der damals noch in Betrieb war. Heute befindet sich ein neuer Stadtteil auf dem Gleisvorfeld des damaligen Bahnhofs, auf dem bereits der Orient Express halt machte, und nur das Hauptgebäude hat überlebt. Obwohl die Reisedauer für die Strecke schon im Fahrplan lange angegeben war, hatten wir mehrere Stunden Verspätung, als wir in Belgrad ankamen. Auf der Reise mit dem Optima Express vor 2 Jahren war es nicht anders, die Strecken in Südserbien sind weiterhin in einem katastrophalen Zustand. Doch im Vergleich zu damals gibt es heute keine Zugverbindung mehr über diese Strecken.

In Belgrad verbrachten wir zwei Nächte in einem Hostel und besichtigten die Stadt. In diese Zeit fiel auch der Sieg der Nationalmannschaft in der Wasserball-WM, wo wir zufälligerweise auf eine große Feier mit den Spielern vor dem Parlamentsgebäude stießen. Ansonsten ist mir besonders das von der NATO zerstörte Armeegebäude mitten in der Stadt in Erinnerung geblieben. Mehrmals wurden wir von Einheimischen darauf hingewiesen, dass wir dies besichtigen sollen. Eine kritische Aufarbeitung der Jugoslawienkriege gab es in diesem Land bisher noch nicht.

Auch die nächste Zugverbindung, die wir damals nahmen, existiert heute nicht mehr, nämlich von Belgrad nach Zagreb. Wir stiegen allerdings in Slavonski Brod aus, eine Stadt im Osten Kroatiens. In Slavonski Brod gab es das anscheinend größte Freiluftgemälde der Welt, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass dieser Rekord heute noch gilt. Außerdem besuchten wir alte Militäranlagen aus der Zeit Österreich-Ungarns. Für einen Tag ging es auf die andere Seite der Save nach Bosnien-Herzegowina.

Unser nächster Stopp hieß Zagreb, wo viele Migranten sich am Bahnhof aufhielten und versuchten, weiter nach Norden oder Westen zu gelangen. 2015 war auch das Jahr der großen Fluchtbewegung von Syrien nach Europa, auf dem Balkan bekamen wir immer wieder etwas davon mit. In der wunderschönen Stadt blieben wir für zwei Nächte.

Danach ging es weiter nach Lubljana, eine Stadt, die mir besonders durch die vielen Fußgängerzonen und die tolle Innenstadt in Flussnähe im Kopf geblieben ist. Am Wochenende fand direkt am Fluss ein Markt statt, an dem man lokale kulinarische Highlights essen konnte.

Am Faaker See besuchten wir die Familie einer der Personen aus unserer Gruppe beim Familienurlaub. Unsere Zelte, welche wir seit Griechenland nicht mehr verwendeten, kamen hier wieder zum Einsatz. Dort stellte sich uns die Frage, wie unsere Route weiter in Richtung Deutschland verlaufen sollte. Ein Teil der Gruppe wollte nach Wien, ein Teil nach Venedig. Schlussendlich fragten wir uns: „Warum entweder oder, warum nicht beides?“ So kam es, dass wir erst nach Venedig und anschließend zurück nach Wien fuhren.

Venedig ist wunderschön, es ist kaum zu glauben, dass dieser Ort tatsächlich existiert. Deswegen kommen Millionen von Besuchern jedes Jahr – die Stadt leidet extrem unter Massentourismus. Durch alle Gassen muss man sich drücken, die Preise sind viel teurer als im Rest Italiens. Natürlich bringt der Spruch „Touris sind immer die anderen“ nichts. Ich habe für mich beschlossen, nicht mehr nach Venedig zurück zu kommen und nicht nochmal Teil des Problems zu sein. Aber ganz ehrlich: Für einen einmaligen Besuch lohnt es sich, es ist genauso schön wie man es sich vorstellt.

Nach Wien mussten wir die erste Strecke mit dem Bus fahren, Ersatzverkehr, da die Bahnstrecke für einige Tage gesperrt war. Ab Villach ging es über die Südbahn nach Wien. Dort stand für mich ein Wiener Schnitzel auf dem Programm. Ansonsten haben wir uns alle Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen, den Prater, Schloss Schönbrunn und wie sie alle heißen.

Nach zwei Nächsten in Wien ging es mit dem Railjet nach Tirol, nach Innsbruck. Die Familie, welche wir am dritten Tag unserer Reise auf der Fähre getroffen hatten, hat uns damals angeboten, im schönsten Garten der Stadt unser Zelt aufzuschlagen. Sie haben nicht übertrieben, auf dem Grundstück gab es einen natürlichen Wasserfall, einen Blick über die Stadt bis zur Schischanze, einen Pool – sie hatten nicht übertrieben. Wir verbrachten die Zeit mit Wandern zu Almhütten oder Kartenspielen im Garten.

Mit diesem tollen letzten Stopp beendeten wir unsere Tour, am 30. Tag des Interrail Tickets ging es zurück nach Deutschland.

Im Frühjahr von Deutschland bis nach Palermo

Im März 2025 ging es zum zweiten Mal für mich mit dem Zug nach Sizilien. Nachdem ich vor 3,5 Jahren im Osten der Insel war (siehe Beitrag hier), sollte es diesmal in den Westen der großen Mittelmeerinsel gehen.

Wohin die Reise genau gehen sollte, stand am ersten Tag tatsächlich noch gar nicht fest. Mit zwei Freunden und je einem 5-Tage-Interrail-Pass auf dem Handy fuhren wir am Ersten Tag über München mit dem Direktzug bis nach Bologna. Dort planten wir unsere weitere Route anhand der Wettervorhersage in verschiedenen Regionen des Landes.

Bologna ist eine wunderschöne Stadt, die besonders durch die vielen Arkaden heraussticht. Diese gibt es in nahezu allen Straßen der Stadt und sogar außerhalb der Stadt für 2km den Berg hinauf zum Santuario della Madonna di San Luca. Die vielen Türme in der Stadt und eine nie fertiggestellte Kathedrale sind weitere Highlights der Stadt. Außerdem ist es eine sehr fußgängerfreundliche Stadt, welche durch ein Tempo-30 Limit die Zahl der Verkehrstoten auf 0 im letzten Jahr senken konnte. Auch ein neues Tram-Netzwerk wird aktuell in Bologna gebaut, nachdem das alte Netz in den 60er Jahren stillgelegt wurde. Kurzgesagt: Bologna ist eine Stadt, von der viele Städte in Deutschland lernen können und in der Verkehrswende gelebt wird.

Nach zwei Tagen in Bologna fuhren wir mit einem Frecciarossa am Morgen bis nach Salerno, dem südlichsten Punkt des italienischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Dort und im schnuckeligen Städtchen Vietri sul Mare, das in wenigen Minuten mit der Regionalbahn von dort zu erreichen ist, verbrachten wir den Tag. Am Abend gab es natürlich eine fantastische Pizza zum Essen. Um kurz vor 23 Uhr stiegen wir in den Nachtzug nach Palermo. Für einen Interrail-Tag ist nur die Abfahrtszeit eines Zuges relevant, für die Strecke von Bologna bis nach Palermo mussten wir somit nur einen Tag aktivieren.

Ich schlief gut und fest im Liegewagen, vom Verladen auf die Fähre und wieder herunter bekam ich diesmal nichts mit. Als ich am Morgen aufwachte, standen wir im Bahnhof von Capo d’Orlando. Leider ging es von hier auch nicht mehr weiter, da unser Zug aufgrund von Sturmböen nicht weiterfahren durfte. Nach einiger Zeit mussten wir in eine Regionalbahn umsteigen, die uns mit ca. 1,5 Stunden Verspätung nach Palermo brachte. Für die Unannehmlichkeiten bekamen wir von der Trenitalia eine Entschädigung von 25% auf unsere Reservierung, die über ein Onlineportal beantragt werden konnte. Sehr fair, wie ich finde.

Der Unterschied zwischen Bologna und Palermo könnte größer nicht sein. Auch wenn die Stadt ihr Mafia-Problem die letzten Jahre massiv zurückdrängen konnte, anscheinend ist es jetzt die sicherste Stadt Italiens, entsprechen einige Vorurteile weiterhin der Realität. So liegt abseits der Innenstadt sehr oft Müll in den Straßen, teils in horrenden Mengen. Als wir an der Küste entlang wanderten, türmte sich auch dort der Plastikmüll. Zum Fahrradfahren lädt die Stadt auch nicht gerade ein. Doch die Stadt hat auch ihre schönen Seiten. Da gibt es zum einen die gigantischen, teils hunderte von Jahren alten Gebäude in der Innenstadt. Und zum anderen viele kleine Gassen, und um jede Ecke neue Geschäfte und kleine Cafés, die entdeckt werden wollen. Alles in allem hat mich Palermo positiv überrascht, es ist definitiv sehenswert. Auch die Busfahrt zum Santuario di Santa Rosalia war ein Highlight, über viele Serpentinen geht es den Berg hinauf. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt, das Meer und die umliegenden Berge. Zum Santuario gibt es auch eine alte Straße, die inzwischen nur noch für Fußgänger und Fahrradfahrer freigegeben ist, auf der wir wieder den Berg herunterliefen.

Nach zwei Tagen in Palermo machten wir einen Tagesausflug nach Agrigento. Wir haben den Ort auswegwählt, da es dorthin eine gute Zugverbindung gibt und wir auf dem Rückweg im Inneren der Insel wandern gehen wollten. Über die Stadt haben wir uns sonst nicht weiter erkundigt. Doch bereits vor Ankunft war uns klar, dass dort heute irgendein Event stattfinden musste. Auf den letzten Stationen war der Zug brechend voll, und auch auf der Straße, die neben der Zugstrecke verlief, standen die Autos Schlange.

Agrigento ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Italiens, und wir hatten einen Tag erwischt, an dem es einen großen Umzug mit verschiedenen Trachtenvereinen aus verschiedenen Ländern durch die Stadt gab. Außerdem gab es viele Stände mit Essen oder kunsthandwerklichen Gegenständen – es war eine sehr willkommene Überraschung. Sogar ein Sonderzug auf der sich sonst nicht mehr im Betrieb befindlichen Strecke nach Porto Empedocle fuhr an diesem Tag, den wir aus Zeitgründen allerdings nicht nehmen konnten.

Auf dem Rückweg stiegen wir dann in Campofranco aus, dem Bahnhof, der uns bei der Hinfahrt zum Loswandern am meisten zugesagt hat. Zuerst besichtigten wir noch eine verlassene Fabrik direkt neben dem Bahnhof. Anschließend liefen wir von dort nach Sultera, einem Dorf, welches auf einem Berg thront und fast schon majestätisch wirkt – und die Aussicht von oben war auch wirklich spektakulär. Nach einiger Zeit ging es per Anhalter wieder zum Bahnhof und wir stiegen in der Abenddämmerung in den Zug zurück nach Palermo.

Nach einem weiteren Tag in Palermo fuhren wir wieder auf das Festland. Da ich einmal tagsüber erleben wollte, wie die Waggons auf die Fähren verladen werden, nahmen wir den IC um 07:05 Uhr am Morgen. Leider baute der Zug auf seiner Fahrt durch Sizilien eine Verspätung von einer Stunde auf, sodass Trenitalia entschied, die Waggons nicht mit der Fähre überzusetzen. Stattdessen mussten alle Passagiere in Messina aussteigen und eine Passagierfähre fuhr uns über die Meerenge nach Villa S. Giovanni. Dort fuhr der Zugteil aus Siracusa pünktlich ab, sodass wir auch pünktlich in Napoli Centrale ankamen. Mit einem Frecciarossa ging es von dort aus noch weiter bis nach Arezzo, wo wir nach fast 13 Stunden ankamen.

In der Toskana waren wir 3 Tage auf dem Franziskusweg wandern. Am ersten Tag mussten wir dazu noch mit einer Nebenbahn nach Pratoveccio Stia fahren. Bei der Trenitalia wurde an diesem Tag gestreikt. Da die Bahn von einem lokalen Bahnanbieter betrieben wird, betraf uns das zum Glück nicht. Von Stia aus ging es in 3 Tagesetappen bis zum Kloster La Verna. Die Laubbäume hatten noch keine Blätter, sodass die Landschaft sehr karg aussah. Die hügelige, teils auch felsige Landschaft war trotzdem spannend anzusehen und immer wieder tauchten wunderschöne, verschlafene Ortschaften in den Tälern auf. Wir waren nahezu die einzigen Wanderer, uns begegneten jeden Tag nur eine Handvoll Wanderer und auch die ersten beiden Unterkünfte waren fast leer.

Am letzten Tag unserer Wanderung ging es nach Bibbiena, von dort aus fuhren wir mit dem Zug wieder nach Arezzo, wo wir eine weitere Nacht übernachteten. Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Deutschland. Da wir mit dem langsameren, aber dafür auch gemütlicheren IC anstelle eines Frecciarossas nach Milano kamen und eine Umsteigeverbindung durch die Schweiz wählten, zahlten wir für den ganzen Tag nur 3€ an Reservierungsgebühren für unser Interrail Ticket. Im IC innerhalb der Schweiz, mit dem wir durch den Gotthard Basistunnel fuhren, gab es sogar Stühle im Speisewagen. Das hatte ich davor noch nie gesehen.

Mit dem Wetter hatten wir auf der Reise echt Glück. Am ersten Tag in Palermo hatten wir sagenundschreibende 28°, während in der Toskana Hochwasseralarm herrschte. Als wir einige Tage später in der Toskana waren, wanderten wir in einer dreitägigen Regenpause, direkt danach schwenkte das Wetter wieder auf Regen zurück. Hier hat sich das Interrailticket echt ausgezahlt, da wir spontan entscheiden konnten, wohin die Reise gehen soll. Auch von den Zügen durch Italien, nicht zuletzt die großartigen Nachtzüge, war ich wieder einmal begeistert. In Italien macht das Reisen einfach Spaß, zumindest wenn man nicht in der Hochsaison unterwegs ist.

Wo Zugreisen kaum möglich ist: Auf abgefahrenen Gleisen durch den Balkan

Vor einigen Jahren traf ich einen jungen Tschechen im Zug durch Serbien, der mir ein Video von sich in einem völlig ramponierten Zug in Albanien zeigte. Seit dieser Begegnung hatte ich den Traum, dieses Abenteuer einmal selbst zu erleben.

Streckenverlauf der Reise. Rot: Eisenbahn, Grün: Bus
Streckenverlauf der Reise. Rot: Eisenbahn, Grün: Bus

Mitte August 2024 war es dann so weit. Neben Albanien wollte ich auch noch nach Nordmazedonien und Kosovo und dabei versuchen, so wenig wie nötig mit dem Bus zu fahren. Über die DB ergatterte ich mir für die erste Strecke ein unglaublich günstiges Ticket für 34,99€ von Berlin Hbf bis nach Győr in Ungarn. Die Verbindung bestand aus einem Railjet der ČD über Prag bis nach Wien, anschließend mit einem Railjet der ÖBB weiter bis nach Győr. Die Aussicht aus dem Fenster in Tschechien ist immer wieder beeindruckend, dauerhaft gibt es Berge im Hintergrund zu bestaunen. Und auch das kulinarische Angebot in beiden Railjets war hervorragend.

Von Győr aus fuhr ich mit einer Regionalbahn nach Tapolca und von dort weiter bis nach Révfülöp am Balaton, dem Plattensee. Dabei kam direkt Balkanstimmung auf, alte DB-Züge, die über abgefahrene Strecken stolpern, Bahnhöfe ohne Bahnsteige, und in Tapolca musste ich wieder aus meinem Zug aussteigen, da dieser einen Motorschaden hatte. Eine Ersatzlok wurde irgendwoher aufgetrieben und mit etwas Verspätung kam ich am späten Abend an.

Am Balaton verbrachte ich zwei Nächte im wunderschönen Hullam Hostel. Dort gibt es eine riesige Veranda, in der sich das komplette soziale Leben im Hostel abspielt, was es sehr einfach macht, andere Reisende zu treffen. An der Bar kann man zudem zu günstigen Preisen Snacks und Getränke kaufen.

Nach Albanien war es noch ein weiter Weg, deswegen verließ ich nach zwei Nächten das Hostel. Ich hatte einen ambitionierten Plan: Am Abend den Nachtzug von Belgrad in Serbien nach Bar in Montenegro erwischen. Für dieses Unterfangen war ich auf einen Bus zwischen Subotica und Novi Sad angewiesen, um diesen Bus zu bekommen darf der Zug nach Subotica nur wenig Verspätung haben. Zudem kann man für den Nachtzug nur Tickets in Serbien oder in Montenegro kaufen, ich musste also hoffen, dass noch Plätze verfügbar sind.

Mit einem IC ging es von Révfülöp bis nach Budapest-Kelenföld. In der ersten Stunde hielt der Zug an jeder Milchkanne um den Balaton an, danach fuhr er mit der für Ungarn sehr schnellen Geschwindigkeit von 120 km/h und wenigen Halten bis in die Hauptstadt. Mit dem Regionalzug G43 konnte ich von Kelenföld zum verrosteten Bahnhof Kőbánya-Kispest fahren, wo ich in den Zug nach Szeged im Süden Ungarns einstieg. Von dort fahren seit November 2023 wieder Züge nach Subotica, die aktuell einzige Zugverbindung vom Rest Europas nach Serbien.

Der Zug war gut gefüllt und es war schön zu sehen, dass viele Passagiere an den kleinen Bahnhöfen auf der Strecke aussteigen. Hier wurde ein attraktiver, grenzüberschreitender Nahverkehr geschaffen. Die Grenzkontrolle dauerte eine ganze Weile, aber lag in der vom Fahrplan vorgesehenen Zeit und es war beängstigend zu sehen, was Ungarn für einen massiven Grenzzaun nach Serbien gebaut hat. Am Bahnhof Subotica waren die Bauarbeiten der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Novi Sad in den letzten Zügen und man sah viele chinesische Arbeiter, die an den Gleisen und Bahnsteigen arbeiteten, das Projekt wird vom chinesischen Staat durchgeführt.

Bevor die Verbindung fertiggestellt ist, kommt man nur mit einer sehr langsamen Regionalbahn von Subotica über Sombor nach Novi Sad. Bei meinem straffen Zeitplan war das keine Option, deswegen lief ich 15 Minuten zum Busbahnhof und nahm den Bus nach Novi Sad (was tausendmal schneller ist als die Regionalbahn). Von dort aus fuhr ich auf dem ersten Abschnitt der neuen Hochgeschwindigkeitsbahn weiter nach Belgrad Central.

In Belgrad Central war ich das letzte Mal 2 Jahre zuvor. Nachdem sich jahrelang nichts getan hatte und vor 2 Jahren der Eingang zum Bahnhof aussah wie ein Eingang zu einer U-Bahn-Station, ist das Empfangsgebäude inzwischen fertiggestellt. Alles ist herausgeputzt, schicke Architektur und nette Geschäfte. Das zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick stellt man fest, dass für die Instandhaltung keinerlei Geld ausgegeben wird. Wie Toiletten nach einem Jahr so ranzig aussehen können, ist mir ein Rätsel, Toilettenpapier und Papierhandtücher sind natürlich auch nicht vorhanden. Vieles in diesem Bahnhof wirkt auch nicht durchdacht, mal sehen, wie sich dieser Bahnhof in den nächsten Jahren entwickelt.

Für den Lovćen, den Nachtzug nach Bar, gab es in dieser Nacht leider nur noch Sitzplätze. Für die nächsten beiden Tage waren gar keine Tickets mehr zu bekommen, deswegen entschied ich mich dafür, ein Ticket für die Holzklasse zu kaufen. Die Nacht war natürlich nicht angenehm, ich konnte kaum schlafen. Das Licht war die ganze Nacht über an, im Waggon wurde geraucht und die Einheimischen feierten lautstark den Beginn ihres Badeurlaubs. Doch irgendwie war es auch cool, dies einmal miterlebt zu haben.

Die Aussicht auf das Gebirge bei Sonnenaufgang war unglaublich, ich stand Ewigkeiten morgens am Fenster (natürlich eins zum Aufschieben). Angekommen in Bar machte ich dort einen Tag Pause und besichtigte mit Leuten, die ich im Hostel kennengelernt hatte, Bars Altstadt Stari Bar.

Am Tag darauf hatte ich das Ziel, nach Durrës in Albanien zu gelangen. Nachdem ich vor zwei Jahren den Bus über die Grenze genommen hatte, versuchte ich es dieses Jahr mit Trampen. Das funktionierte auch ganz gut, nach drei Mitfahrgelegenheiten kam ich in Shkodra an. Die ethnischen Konflikte in dieser Region kamen bei den Fahrten aber sehr klar zum Ausdruck, was ich dort hören musste, würde bei uns zur Volksverhetzung zählen. Von Shkodra nahm ich einen Bus nach Durrës und wartete dort einen Tag bei 37 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit auf den Zug der Züge, den Grund, warum ich diese Reise angetreten war.

Am Bahnhof Plazh in Durrës fährt am Freitag, Samstag und Sonntag ein Zug nach Elbasan, am Samstag und Sonntag kann man zudem umsteigen in eine Stichstrecke nach Lushnje. Dieser Streckenabschnitt wurde erst wenigen Wochen bevor ich dort war wieder in Betrieb genommen. Der „Bahnhof“ besteht aus maroden Gleisen und einem Baucontainer, in dem Tickets verkauft werden. Das Ticket hat ca. 1,20€ gekostet.

Die Diesellok tschechischer Bauart mit den alten DR/DB Wägen stand bereits zur Abfahrt bereit. Da die Wägen einst voller Graffiti waren, wurden diese mit roter Farbe überpinselt. Auf den Fensterscheiben sieht man hingegen weiterhin die Kunstwerke der Graffitikünstler, außer natürlich bei den Fenstern, die keine Fensterscheibe mehr haben. An einigen Stellen gab der Boden nach, die Inneneinrichtung war auf Funktionalität reduziert. Pünktlich um 14:00 Uhr fuhr der Zug los. Alles wackelte, während der Zug mit Schrittgeschwindigkeit durch die Vorstadt schlich. Fast durchgehend dröhnte die Lokpfeife, um Straßenhunde oder Menschen zu verjagen oder Autofahrer bei Bahnübergängen zu warnen. Schilf, Äste und Sträucher, die in die Fahrbahn hingen, schlugen in die offenen Fenster, man musste Acht geben, um nicht von einem Ast erwischt zu werden. Als der Zug in den Tunnel fuhr, legte eine Schaffnerin eine Taschenlampe in den Mittelgang, um wenigstens etwas Licht im Waggon zu haben, Strom gab es natürlich nicht.

Immer wieder hielt der Zug an und weitere Passagiere stiegen in den Zug. Als ich pünktlich in Grogozhinë ankam und umsteigen musste, war der Zug gut gefüllt. Am zweiten Bahnsteig stand mein Zug nach Lushnje bereit. Ich war der einzige Passagier der umstieg, insgesamt waren in diesem Zug nur 6 Passagiere. Der Zug war fast identisch mit dem vorherigen. Die Waggons waren in etwas besserem Zustand, dafür die Lokomotive in schlechterem. Nach 45 Minuten in diesem Zug kam ich in Lushnje an. Ein Traum von mir ging in Erfüllung und die Fahrt war genauso abenteuerlich, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein Kuriosum in Europa, das ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann.

Ich ging davon aus, dass es von Lushnje nach Berat bestimmt Busse gibt. Immerhin führt die einzige Straße nach Berat durch Lushnje oder an Lushne vorbei. Ich fragte mehrere Einheimische, alle sagten mir andere Positionen, wo der Bus denn abfahren sollte. Nachdem ich eine Stunde hin und her gelaufen bin, gab ich auf und streckte wieder meinen Daumen am Straßenrand hinaus, um nach Berat zu gelangen.

In Berat blieb ich für zwei Nächte. Es ist eine richtig schöne Stadt in den Bergen, ein komplett anderes Stadtbild als in Durrës. Auch die Temperaturen waren hier wieder angenehm, ohne die unerträgliche Luftfeuchtigkeit. Weiter hinten im Tal gibt es beeindruckende Canyons, leider war die Tour für den nächsten Tag, die ich dorthin gefunden habe, bereits ausgebucht, weswegen ich den Tag mit Wandern um Berat verbrachte.

Um 4:30 am Morgen fährt ein Bus direkt von Berat nach Korça. Das hielt ich für die beste Möglichkeit, um in den Süden von Nordmazedonien zu gelangen. Vom Bus aus sah man über lange Abschnitte die alte Eisenbahnstrecke von Elbasan nach Pogradec, über die schon lange kein Zug mehr gefahren ist. Sehr schade, auf den vielen Brücken gäbe es bestimmt eine bombastische Aussicht. Aber auch vom Bus aus war diese beeindruckend. Von oben in den Bergen hatte man das erste Mal Sicht auf den Ohrid See, bevor man lange an diesem entlangfuhr.

In Korça stellte ich fest, dass es zwar viele Busverbindungen nach Griechenland gibt, aber keine nach Mazedonien. Das Trampen war ich inzwischen ja schon gewohnt. Diesmal war es aber echt schwierig, zur Grenze Gorica – Stenje fuhr nur vielleicht alle 5 Minuten ein Auto. Es dauerte eine ganze Weile, bis mich doch ein Transporter mitnahm. Dieser fuhr direkt bis nach Bitola, die Stadt, in die ich wollte. Was für ein großer Glückstreffer. Ich verbrachte den Nachmittag in Bitola mit Sightseeing und in Cafés. Abends um 18:23 Uhr fuhr mein Zug von Bitola nach Skopje. Es handelt sich um den ersten Zug der chinesischen Firma CRRC in Europa und dieser macht einen ganz guten Eindruck, vergleichbar mir S-Bahnen oder Regionalbahnen in Deutschland. Das Problem sind die Schienen, die in vielen Abschnitte nur Geschwindigkeiten von 30 km/h zulassen. Mit über einer halben Stunde Verspätung kam ich so nach 4 Stunden in Skopje an, für eine Strecke von 180 km.

Der Bahnhof von Skopje ist unglaublich hässlich. Wie auch viele anderen Gebäude in der Stadt, wurde dieser nach dem Erdbeben 1963 im brutalistischen Stil gebaut. Zudem verkommt er seit Jahren, Rolltreppen funktionieren nicht mehr, die Deckenverkleidung fehlt an vielen Stellen und es ist unglaublich schmutzig. Das Licht im Bahnhof ist außerdem sehr gedimmt, das bietet gleichzeitig aber auch eine ganz eigene Atmosphäre. Auch die vielen weiteren brutalistischen Bauten in der Stadt sind sehenswert.

Neben dem Brutalismus gibt es aber auch das neue Skopje, das Project 2014. Die Regierung hat viel Geld ausgegeben, um ein neues Stadtzentrum mit historisch aussehenden Gebäuden und vor allem ganz, ganz vielen Statuen zu erstellen. Auch wenn es viel Kritik an diesem Projekt gab, das Stadtzentrum ist heute eine große Fußgängerzone, in der viele Leute flanieren. Vor dem Projekt schoben sich hier Blechlawinen durch die Straßen. Ich war von Skopje sehr überrascht und kann es als Städtetrip sehr empfehlen, gerade da es so einzigartig ist.

Von Skopje nach Pristina wurde am 9. März 2020 der Bahnbetrieb nach vielen Jahren wieder aufgenommen, nur um 4 Tage später wegen Covid-19 wieder eingestellt zu werden. Seitdem wurde der Personenverkehr auf dieser Strecke nicht wieder aufgenommen. Somit war ich gezwungen einen Bus zu nehmen, der zugegebenermaßen sehr komfortabel und schnell war. Die Autobahninfrastruktur zwischen den beiden Städten ist beeindruckend, hier wurde die letzten Jahre sehr viel Geld investiert. Sehr schade ist hingegen der Blick auf die alten Schienen neben der Autobahn, die nicht mehr verwendet werden.

Über Pristina habe ich leider nicht viel Gutes zu berichten, ich habe die Stadt als furchtbar autozentriert wahrgenommen. Überall stehen und fahren Autos, überall gibt es Autolärm. Es gibt nur eine einzige Fußgängerzone, diese ist am Abend natürlich völlig überlaufen. Als Positives muss man sagen, dass man sehr gut sehr günstig und urig essen kann. Die Nationalbibliothek ist außerdem architektonisch interessant und kurios ist die Bill Clinton Statue.

Am zweiten Morgen in Pristina ging es weiter, diesmal wieder mit dem Zug. Im Kosovo gibt es aktuell nur eine einzige Eisenbahnverbindung, von Pristina nach Peja. Der Bahnhof von Pristina, der Hauptstadt des Kosovos, ist kleiner als die meisten Provinzbahnhöfe in Deutschland. Die Zuggarnitur bestand wie auch schon in Albanien aus einer einst tschechischen Diesellokomotive mit zwei ex-DB Wagons. Hier hatte die Lok aber eine schicke rote Lackierung und die sehr beeindruckenden Graffitis auf den Wagons wurde nicht überpinselt. Die Scheiben waren hier auch in allen Fenstern vorhanden, wenn auch oft mit Sprüngen und übermalt. Sogar elektrisches Licht im Tunnel gab es. Mit deutschen Standards vergleichbar ist der Zug trotzdem lange nicht gewesen.

Nach zwei Stunden kam ich in Peja an und verbrachte dort einige Zeit in einem Café und mit Besichtigung der Innenstadt mit dem bombastischen Bergpanorama. Dann brachte mich ein Bus über die Grenze nach Montenegro, wo ich in Berane ausstieg. Der Busfahrer war super, während 5 Leute auf der Straße mir ein Taxi andrehen wollten, sagte er mir wo ich warten muss um einen Bus Richtung Bijelo Polje zu bekommen. Der nächste Busfahrer war auch super, er fuhr nicht direkt bis Bijelo Polje sondern bot mir an mitzufahren bis die Abzweigung dorthin kommt. Ich fuhr dann sogar noch ein bisschen weiter, bis ich in der Nähe des Bahnhofs Ravna Rijeka ausstieg. Das ist ein Bahnhof mitten im Wald, zu dem nur ein Trampelpfad führt. Ich war etwas skeptisch, ob ein Zug hier wirklich anhält, das war zum Glück der Fall und der Zug brachte mich bis zur Grenzstadt Bijelo Polje.

Von hier aus fuhr ich mit dem Nachtzug Lovćen wieder zurück nach Belgrad. Diesmal hatte ich ein Liegeplatz im 6er-Abteil, das Ticket dafür habe ich mir nach Ankunft in Bar gekauft. Eine sehr angenehme Nacht, kein Vergleich zu den Strapazen auf dem Hinweg. Mit wie üblich etwas Verspätung kam der Zug in Belgrad an, wo ich den nächsten SOKO-Zug nach Novi Sad nahm. Da es zeitlich passte, entschied ich mich den langsamen Zug von Novi Sad nach Subotica über Sabor zu nehmen. Es hat Ewigkeiten gedauert, mit 40 Minuten Verspätung und somit 4 Stunden und 40 Minuten Fahrzeit für die 163 km lange Strecke kam ich in Subotica an. Ich habe gerade noch den Zug über die Grenze nach Ungarn bekommen.

Auf der anderen Seite der Grenze in Szeged wollte ich mir ein Ticket für den Nachtzug von Budapest nach Berlin kaufen, doch es gab wieder einmal nur noch Sitzplätze. Das wollte ich mir nicht noch einmal antun, somit entschied ich mich eine Nacht in Budapest zu verbringen. Für den Direktzug am Tag von Budapest nach Berlin gab es noch wenige Tickets in der 1. Klasse. Während die DB dafür über 250€ verlangte, wollte die MAV nur 119,50€. Da sagte ich zu und saß das erste Mal in meinem Leben in der 1. Klasse, in einem Zug der 12 Stunden durch Mitteleuropa fährt und ein hervorragendes Bordbistro hatte. Sehr erschöpft und voll von neuen Impressionen kam ich abends in Berlin an.

3 Monate durch Europa – Teil 2: Italien, Balkan und Spanien

Im Jahr 2022 war ich für 3 Monate mit dem Zug in Europa unterwegs. Über die erste Hälfte dieser Reise, in der es einmal um die Ostsee ging, habe ich bereits einen Blogbeitrag geschrieben. In diesem Beitrag geht es um den weiteren Verlauf der Reise.

Eine Woche wanderte ich mit zwei Freunden auf dem Schluchtensteig im Süden des Schwarzwaldes. Die Anreise mit Zug und Bus nach Stühlingen funktionierte gut, ausgestattet mit Zelt, Schlafsack und Campingkocher liefen wir jeden Tag um die 20 Kilometer und schliefen nachts auf einem Campingplatz oder im Wald. Besonders die Wutach Schlucht ziemlich am Anfang der Strecke war sehr beeindruckend, auch der Schluchsee gehörte zu den Highlights.

Nach der Wanderwoche verbrachte ich wenige Tage bei meinen Eltern in Süddeutschland. Ich konnte hier einmal für Südeuropa umpacken und auf einen kleinen Rucksack umsteigen. Nach einigen Tagen ging es weiter, zum Wandern auf den Säntis in der Schweiz. Wir waren eine Freundesgruppe, die zusammen den Gipfel erklommen haben. Während der Rest der Gruppe am Abend zurück nach Deutschland fuhr, ging es für mich mit dem Zug weiter nach Chur.

Am darauffolgenden Tag ging es mit dem Bernina Express von Chur nach Tirano, auf der höchstgelegenen Eisenbahnstrecke über die Alpen. Die Strecke bietet Blicke auf Gletscher und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Fahrt im Panoramawagen mit riesigen Fensterscheiben und einer Dose Lindt-Schokolade als Präsent kostet mit dem Interrail Ticket lediglich einen Aufpreis von 28 CHF, die Fahrt im regulären Wagen ist sogar ohne Aufpreis antretbar. Ich entschied mich für den Panoramawagen. Für Fotografien ist der reguläre Wagen besser geeignet, da hier die Fenster geöffnet werden können, das ist im Panoramawagen nur im Zwischenwagenbereich möglich. Comfort und Ausblick ist logischerweise im Panoramawagen besser.

Abends ging es noch mit einem Ersatzbus nach Colico und von dort mit dem Zug weiter nach Milano. Dort legte ich nur eine Nacht ein, am nächsten Tag ging es mit dem Frecciarossa weiter nach Florenz. Der Zug braucht für die Strecke weniger als 2,5 Stunden, eigentlich besteht die Strecke fast nur aus Tunneln oder Brücken. In Florenz traf ich mich mit einer Freundin, welche dort gerade Urlaub machte. Ich war 9 Jahre zuvor schon einmal in Florenz und es war spannend, die Orte von damals wieder zu entdecken. Übernachtet habe ich in einem Hostel in Pisa, am nächsten Morgen ging es über die Cinque Terre weiter nach Levanto, wo ich den Tag wieder mit der Freundin verbrachte.

Den darauffolgenden Tag wollte ich eigentlich in Pisa verbringen, die Staffelpreise des Hostels sorgten aber dafür, dass ich über 80€ für die nächste Nacht für ein Bett in einem 8-Bett Schlafsaal hätte zahlen müssen. Leider ist Italien im Hochsommer kein Reiseland für Spontanreisende. Das nächstbeste Hostel mit bezahlbaren Preisen lag in Rom, also fuhr ich mit einem Regionalzug entlang der Küste nach Roma Termini. Immerhin hatte ich zwei Stunden vor Abfahrt des Zuges etwas Zeit, mir Pisa anzusehen. In Rom wollte ich diesmal auf jeden Fall das Koloseum besichtigen, das letzte Mal kam ich fünf Minuten zu spät an und es war bereits geschlossen. Das tat ich auch, außerdem freundete ich mich mit einer Gruppe von Australiern an, mit denen ich stundenlang im gemütlichen Garten des Hostels verbrachte.

Der nächste Ort war Salerno, der südlichste Punkt des Hochgeschwindigkeitsnetzes der italienischen Bahn. Hinter Neapel gibt es eine spektakuläre Sicht auf den Vesuv, der neben der Strecke emporragt. Das Hostel in Salerno war wieder übertrieben teuer und auch sehr dubios, man konnte nur in bar oder per Paypal for Friends bezahlen und am Eingangstor war nirgends zu erkennen, dass sich dahinter ein Hostel befindet. Ich habe mich unter den Gästen umgehört, abgesehen von mir schien das die wenigsten zu stören. Verglichen mit den Preisen, welche man in Positano für eine Nacht bezahlt, war das Hostel wiederum auch günstig. Nach Positano fuhr ich für einen Tag mit der Fähre. Das Dorf ist unglaublich schön, es ist der Inbegriff eines italienischen Küstendorfs und ich würde es als „Cinque Terre in noch schöner“ bezeichnen. Es war aber auch sehr überlaufen und unglaublich warm, nahezu 40 Grad. Ich machte eine Wanderung den Berg hinauf und kam völlig verschwitzt oben an. Auch der kleine öffentliche Sandstrand, für den man keinen Eintritt bezahlen musste, war italientypisch sehr schmutzig, während ein Großteil des Strandes in Privatbesitz ist. Salerno selbst hat Ähnlichkeiten mit Neapel, nur dass die Straßen hier etwas breiter sind und die Häuser etwas größer. Es gibt viele kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants.

Ich hatte zwar eine tolle Zeit in Italien, aber das Land war mir im Hochsommer zu teuer und ich war von den Touristenmassen genervt. Deswegen wurde es Zeit zum Weiterreisen. Nach zwei Tagen in Salerno und Umgebung ging es weiter nach Bari, noch weiter im Süden an der Adriaküste. Ich habe mir ein Ticket für eine Fähre nach Bar in Montenegro gebucht.

Genauso korrupt und dubios wie das Hostel in Salerno, erlebte ich leider auch den Fährhafen in Bari. Es gab einen Shuttelbus zum Tickethäuschen, welches nur mit diesem Bus oder mit dem Auto zu erreichen war. Der Bus war viel zu klein und es versammelte sich eine große Menschentraube, die darauf wartete, dass der Bus wieder ankommt. Zusätzlich gab es einen stämmigen Mann, der dafür sorgte, dass nur Leute, die ihm davor einen Euro gegeben hatten, in den Bus einsteigen konnten. Natürlich standen Taxifahrer neben dem Geschehen, die für die fünf Minuten Fahrzeit einen viel zu teuren Preis verlangte. Beschwerde beim Sicherheitspersonal war erfolglos, alle waren in diese Machenschaften eingeweiht. Zusammen mit anderen Interrail Reisenden, welche ich in dem Getümmel kennengelernt hatte, schafften wir es, durch geschicktes Stehen beim Öffnen der Türe den stämmigen Mann zur Seite zu drücken und zur Fähre zurück zu gelangen. Die Fährfahrt war leider auch nicht viel besser, die Sitze waren super unbequem und ich konnte in der Nacht kaum schlafen. Der Aufpreis für eine Kabine hätte sich an dieser Stelle gelohnt.

Angekommen in Montenegro, waren die Strapazen schnell vergessen. Im Polizeirevier am Hafen bekam ich einen Stempel in meinen Reisepass, etwas, was in Europa immer schwieriger wird (was auch gut ist, ich liebe das Schengen Abkommen). Das Hostel für 12€ die Nacht war super, die Besitzerin ließ sich viel Zeit, mir alle Sehenswürdigkeiten auf einer Karte zu zeigen und die anderen Reisenden in diesem Hostel waren allesamt sympathisch und wir unternahmen jeden Tag etwas gemeinsam. Einen Tag wanderten wir zu einem Wasserfall, unter dem man baden konnte und wo es direkt daneben eine gemütliche Bar für 2€ die Flasche Bier gab, wohlgemerkt mitten in der Natur. Einen Tag ging es in die wunderschöne Altstadt von Bar, welche etwas abgelegen weiter oben am Berg liegt. Und mit dem Zug fuhren wir einen Tag nach Virpazar, wo wir per Anhalter zu einem abgelegenen Badesee gelangten und abends wieder mit dem Zug zurückfuhren.

Züge in Montenegro sind etwas Einmaliges, das Wagenmaterial ist bereits viele Jahrzehnte alt und voller Graffiti, von außen geben sie kein gutes Bild ab. Innen drin gibt es aber bequeme Sessel, von der Gemütlichkeit her kann da kein aktueller Zug mithalten.

Nach drei Nächten in Bar fuhr ich mit einem Bus über die Grenze nach Shkodra in Albanien. Ich liebe dieses Land, welches bis 1990 vom Rest der Welt völlig abgeschieden war und erst in den letzten Jahren sich geöffnet hat. Was mich so fasziniert ist, dass alles funktionabel ist. Damit meine ich, dass ein Auto hier nicht schick aussehen soll oder kein Kratzer haben soll, sondern ein Auto soll fahren. Und das gleiche gilt für alle andere Bereiche genauso. Die Menschen machen einen sehr zufriedenen Eindruck, ich unterhielt mich lange mit einem Gemüsehändler, der viele Jahre in Deutschland gearbeitet hatte, nun aber wieder zurück in sein Heimatland gekommen ist. Er erzählte mir, dass er zwar hier weniger Geld hat, aber glücklicher ist. Als ich ein Eis kaufte und nicht passend bezahlen konnte, gab die Verkäuferin mir das Eis einfach günstiger, bevor sie sich den Aufwand machen musste, mir Wechselgeld zu geben. So etwas wäre in Deutschland undenkbar.

Mein Hostelbesitzer lieh mir sein bestes Fahrrad aus, es gab nur noch einen funktionierenden Gang und eine halbwegs funktionierende Bremse, das Hinterrad hatte einen Achter und stieß bei jeder Umdrehung an den Rahmen, der Sattel knickte bei falscher Gewichtsverlagerung nach vorne. Mit diesem Rad fuhr ich durch den chaotischen Straßenverkehr dieser Stadt. Wem das abenteuerlich vorkommt, ich sah einen Vater auf einem Fahrrad, dessen Tochter auf dem Gepäckträger stand und sich an seinen Schultern festhielt. Nach zwei Tagen in Shkodra, in denen ich unter anderem auch die Burg besichtigte, ging es wieder zurück nach Montenegro. Für die Busse konnte man keine Tickets vorab kaufen, ich kam 30 Minuten vor Abfahrt an, aber der Bus war schon voll. Also trampte ich über die Grenze, was wunderbar funktionierte. An einem weiteren Abend im Hostel in Bar ging ich mit anderen Reisenden nochmal zu einem Strand wandern und hatte einen sehr schönen letzten Abend am Meer.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Zug nach Belgrad, über eine der schönsten Bahnstrecken Europas. Eigentlich sollte der Zug einen Barwagen führen, als ich am Bahnhof eintraf sah ich, dass dies nicht der Fall war. Im Bahnhof konnte ich mir schnell noch ein belegtes Brötchen kaufen. Im Zug traf ich zu meiner Überraschung zwei der Reisenden, die ich in Bari am Fährhafen getroffen hatte, wieder. Wir verbrachten die Zugfahrt zusammen, zum Beispiel mit Karten spielen. Über Stunden hinweg schlängelt sich der Zug langsam durch das Gebirge. Am Grenzbahnhof nach Serbien kam ein Mann mit einer Tasche hinein, der „Piwa, Woda, Sok, Piwa, Woda, Sok“ ruf. In meinem Kopf ratterte es, bis ich mit meinen minimalen Russischkenntnissen verstand, was der Mann verkaufte: Wir kauften ihm drei Bier ab. Später stieg ein Mann ein, der seinen Gaskocher im Gang aufstellte und Kaffee kochte, den er ebenfalls unter den Fahrgästen verkaufte. Auch ohne Barwagen wurde man so teilweise mit Getränken versorgt.

In Belgrad blieb ich nur eine Nacht, es war bereits spät abends, als ich im Hostel ankam. Früh am nächsten Morgen stand ich auf, um mit dem Zug nach Budapest zu fahren, etwas was im Jahr 2022 nahezu unmöglich war. Serbiens Bahninfrastruktur ist völlig überaltert, die Regierung hat nun angefangen, die Schienen zu ersetzen. Während der Zeit sind viele Eisenbahnkorridore komplett gesperrt. Zuerst ging es mit dem neuen Schnellzug von Belgrad nach Novi Sad, dem einzigen fertigen Teilstück der neuen Infrastruktur. In Novi Sad ging es vom Rangierbahnhof aus über vier Stunden hinweg nach Subotica, im Zug waren eigentlich nur Interrail Reisende, die mindestens genauso verrückt waren wie ich. Hier lernte ich auch die bisher einzige Person kennen, die in Albanien bereits mit dem Zug gefahren ist. Dann ging es 10 Minuten lang mit einem Shuttlezug über die Grenze nach Ungarn, dann mit einem Ersatzbus nach Szeged und von dort konnte man einen Zug nach Budapest nehmen. Das Ganze dauerte ungefähr 10 Stunden, aber es funktionierte. In Budapest kaufte ich mit am Bahnhof noch ein Ticket für den Nachtzug nach Berlin, der 30 Minuten später losfahren sollte.

In Berlin war ich vor allem, um eine Wohnung in meinem neuen Wohnort zu finden. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Zusage für das Studium an der htw Berlin, aber der Wohnungsmarkt ist in dieser Stadt leider sehr angespannt. Mit etwas Glück schaffte ich es, eine Wohnung in diesen Tagen in Berlin zu finden. Der zweite Grund für die lange Fahrt nach Berlin war ein Konzert, für das ich mir vor 1,5 Jahren ein Ticket gekauft hatte. Das Konzert musste wegen Unwetter leider abgesagt werden, zufälligerweise war meine Schwester am gleichen Abend auch in Berlin für ein anderes Konzert, welches ebenfalls ausfiel. Gemeinsam verbrachten wir den Abend in Bars, um über den Frust hinweg zu kommen.

Nach den Tagen in Berlin ging es für einige Tage nochmals zu meinen Eltern, wo ich einige organisatorische Dinge erledigen musste und mich mit alten Freunden traf. Mein Interrail Ticket war noch eine Woche gültig, und so beschloss ich, nochmals loszufahren. Mit dem 9€ Ticket fuhr ich nach Strasbourg, von dort aus mit dem TGV nach Paris. Hier verbrachte ich einige Tage bei einer Reisebekanntschaft, welche ich in Bar in Montenegro kennengelernt hatte. Danach ging es mit einem weiteren TGV bis nach Hendaye, an der Grenze zu Spanien. Dort verbrachte ich die letzten Tage der Reise mit der Freundin, mit der ich auch die ersten Tage der Reise in Schweden verbrachte. Ich versuchte das erste Mal in meinem Leben zu surfen (wenig erfolgreich) und wir waren ein Tag in San Sebastian auf der spanischen Seite. Dorthin fährt eine Schmalspurbahn direkt vom Vorplatz des Bahnhofs in Hendaye. Leider ist dies der einzige grenzüberschreitende Verkehr in dieser Gegend, obwohl die Infrastruktur eigentlich da wäre und in Irún, nur wenige Kilometer entfernt, Züge nach Madrid abfahren.

Zurück ging es wieder über Paris und Strasbourg, diesmal alles an einem einzigen Tag. Alles in allem waren die Tage an der Atlantikküste ein sehr schöner Abschluss dieses Lebensabschnitts.

3 Monate durch Europa – Teil 1: Skandinavien und Baltikum

Im Sommer 2022 hatte ich mir ein Vierteljahr frei genommen, bevor ich mein Masterstudium angefangen habe. Die Zeit verwendete ich, um mir einen Traum zu erfüllen: Ich kaufte ein Interrailticket für 3 Monate und reiste ein Vierteljahr lang durch Europa. Nach 2 Jahren Pandemie sah ich den Zeitpunkt dafür gekommen.

Interrail Reise Sommer 2022
Interrail Reise Sommer 2022

Mit einem Interrailticket darf man praktisch alle Züge im europäischen Ausland benutzen, für das eigene Land gilt das bloß für 2 Tage, welche normalerweise für die Ausreise und Einreise gedacht sind. Als es Mitte Juni los ging, fuhr ich deswegen am ersten Tag komplett durch Deutschland, von Baden-Württemberg aus bis nach Dänemark. Mit dem ICE ging es bis nach Hamburg, von dort aus mit dem „Gumminase“ genannten Zug nach Kopenhagen.

In Kopenhagen erwartete mich wie erwartet eine superfahrradfreundliche Stadt, das wird in den Medien ja oft genug erwähnt. Das musste ich natürlich ausprobieren und lieh mir ein Fahrrad aus. Es dauert eine Weile, bis man sich an die Verkehrssituation gewöhnt hat, gerade beim Abbiegen. Wenn man es aber einmal begriffen hat, fühlt man sich wie ein König auf dem Fahrrad, auf breiten Fahrbahnen kommt man rasend schnell von A nach B. So etwas habe ich davor noch nicht erlebt. Von diesen Zuständen ist man in Berlin, wo ich aktuell wohne und viel mit dem Rad unterwegs bin, leider noch sehr weit entfernt.

Kopenhagen ist auch architektonisch eine wunderschöne Stadt; warum die kleine Meerjungfrau zu den Hauptattraktionen zählt, kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Ich hatte das Gefühl, dass es jedem vor der kleinen Statue so geht, dann trotzdem ein Bild gemacht wird und man schnell weiterzieht. Der Streetfoodmarket auf der anderen Seite des Kanals ist es z.B. tausendmal mehr wert, besichtigt zu werden. Da es die ersten Tage des alleine Reisens für mich waren, verabredete ich mich mit anderen Alleinreisenden über Couchsurfing Hangouts, eine super Möglichkeit andere Reisende kennenzulernen.

Nach 3 Tagen in Kopenhagen ging es weiter nach Schweden, über die Öresund Brücke bis nach Göteborg. Den Tag darauf machte ich einen Tagesausflug nach Karlstad, am nördlichen Ende des Vänern, des größten Sees Schwedens. Den ganzen Tag verbrachte ich in einem Park neben der Stadt. Es war ein warmer Tag, ich badete im See und besichtigte ein Naturschutzgebiet am Rande des Parks.

Es war der 24. Juni, der Freitag nach dem Sommeranfang. In Schweden wird an diesem Tag das Mittsommerfest gefeiert. Pünktlich zu diesem Tag bekam ich Besuch: Meine Schwester war mit ihrem Freund auf dem Rückweg von Norwegen, zusätzlich reiste eine Freundin aus Deutschland an, um die nächsten zwei Wochen mit mir mitzureisen. Wir verbrachten den Abend im Slottsskogen Park, wo die große Feier der Stadt stattfand. Der Park war brechend voll. Der offizielle Teil der Feier war ganz nett, richtig toll wurde es aber erst, als am späten Abend (wirklich dunkel wurde es nie) ein Rave im Park stattfand.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von meiner Schwester mitsamt Anhang und fuhren zu zweit nach Mellerud. Von dort trampten wir bis nach Håverud, einem Dorf, welches für seine Schiffsbrücke bekannt ist. Diese Brücke ist mit Wasser gefüllt und überquert einen Wasserfall, bevor es in mehreren Schleusen hinunter zum nächsten See geht. Direkt über der Brücke verlaufen auch Bahngleise, welche inzwischen nur noch von dem historischen Zug von DVVJ befahren werden. Kurz: Der Anblick ist einmalig.

Eigentlich wollten wir in Håverud Kanus ausleihen, wir fanden jedoch keinen Verleiher, der Ausrüstung für Mehrtagestouren anbot. So trampten wir noch weiter bis nach Bengtsfors, wo wir an einem Campingplatz fündig wurden. Vier Tage lang fuhren wir über die Seen Låxsjön, Svärdlång und Lelång. Es war traumhaft schön und ruhig, den ganzen Tag lang begegneten wir maximal 10 anderen Kanus, ansonsten hatten wir nur Natur um uns herum. Wir schliefen im Zelt oder in Schutzhütten, die an ausgewiesenen Campingspots zu finden sind. Hier gibt es auch immer Holz für ein Lagerfeuer. Das Ganze wird über eine Gebühr finanziert, welche man bezahlen muss, wenn man im Dalsland mit dem Kanu unterwegs ist.

Was in dieser Region auf jeden Fall nicht vergessen werden darf, ist Mückenspray. Sobald man in Ufernähe kommt, wimmelt es nur so von Stechmücken. Es empfiehlt sich weite, langärmlige Klamotten anzuziehen und jeden Zentimeter, der nicht von Stoff bedeckt ist, einzuschmieren. Und wenn man auch nur eine kleine Stelle vergessen hat, zum Beispiel hinter den Ohren, die Mücken werden sie finden.

Wieder zurück am Campingplatz füllten wir unsere Energiereserven an einem Pausentag wieder auf. Ein Tag später ging es nach Stockholm, dazu fuhren wir zuerst mit dem historischen Zug der DVVJ von Bengtsfors zurück nach Mellerud. Im Zug waren außer uns nur schwedische Touristen, welche alle in Håverud ausstiegen. So waren wir die einzigen Passagiere des Zugs, als wir über die Schiffsbrücke fuhren und weiter nach Mellerud. Von dort ging es zurück nach Göteborg und dann mit dem SJ3000, dem schwedischen Hochgeschwindigkeitszug, nach Stockholm. Spannend ist vielleicht noch, dass es in Schweden ein größeres Lichtraumprofil gibt als in Deutschland. Züge sind deswegen meist breiter, weswegen es drinnen breitere Sitze oder fünf Plätze in einer Reihe gibt. Dann gibt es auf der einen Seite zwei Sitze, auf der anderen Seite drei Sitze. Wenn man einen Platz mit Tisch erwischt, kann man sich zu sechs wunderbar unterhalten. Ideal für Leute, die mehr als drei Freunde haben.

In Stockholm verbrachten wir 2 Tage zum Besichtigen der Stadt und einiger U-Bahnhöfe, welche teilweise sehr kunstvoll gestaltet sind und deswegen zu den Touristenattraktionen zählen. Danach ging es weiter in den hohen Norden bis nach Narvik in Norwegen. Die Strecke ist 1.454 km lang, der Zug braucht dafür über 18 Stunden. Wir teilten unser 6er-Liegeabteil mit einem Pärchen aus Kopenhagen und einem 35-jährigen mit seinem Vater, beide Gruppen fuhren in den Wanderurlaub. Wir unterhielten uns lange mit ihnen über Gott und die Welt, spielten Karten und waren ein bisschen traurig, als die letzten unserer Abteilgenossen in Abisko ausstiegen. Doch der atemberaubende Ausblick über den Narvikfjord kurz vor dem Ziel machte das wieder wett.

Unser Ziel war Tromsø, die größte Stadt nördlich des Polarkreises. Um dort hinzukommen, gibt es Busverbindungen, diese sind aber so wie alles in Norwegen sehr teuer. Wir versuchten es wieder mit Trampen, was diesmal aber nicht funktionieren wollte. Nach 90 Minuten, wir wollten fast schon aufgeben, hielt doch noch ein Auto an. Daraufhin klappte alles wieder wie geschmiert, vier Mitfahrgelegenheiten später kamen wir in Tromsø an.

In Tromsø bestiegen wir direkt am ersten Abend den Storsteinen, den Hausberg der Stadt. Da es dauerhaft hell war, hatten wir bereits einen verschobenen Tagesrhythmus und es war schon fast Mitternacht, als wir oben auf dem Berg ankamen. So bot sich uns ein wunderschöner Ausblick über die Stadt, die Fjorde, die schneebedeckten Berge und die tiefstehende Sonne. Innerhalb der Tage wurden übrigens alle Temperaturrekorde gebrochen: Wir hatten nachts noch über 20 Grad, tagsüber waren es sogar 30 Grad. Un das in Tromsø, einer Stadt in der subpolaren Zone. Auf dem Rückweg in unser AirBnB nahmen wir einen Nachtbus, der nachts um 3 Uhr Nachtschwärmer nach Hause brachte – und heute Nacht auch Wanderer mit einem verschobenem Tagesrhythmus.

Die nächsten Tage wurde ich krank, deswegen habe ich nicht mehr viel von Tromsø gesehen, sondern kurierte mich aus. Nur einmal besuchte ich die Altstadt, es war gerade ein Kreuzfahrtschiff im Hafen. Die ganze Stadt war geflutet von Pauschaltouristen, das vermieste die Stadtbesichtigung leider.

Nachdem ich wieder fit genug dafür war, trampten wir wieder Richtung Süden. Eigentlich wollten wir wieder bis Narvik und dort noch einmal wandern gehen, das Trampen lief aber diesmal so gut, dass wir kurzfristig entschieden, noch auf die Lofoten zu fahren. Als es später wurde und deswegen weniger Fahrzeuge unterwegs waren – wir waren schon seit einigen Stunden auf den Lofoten – stellten wir das Zelt abseits der Straße auf. Am nächsten Morgen strecken wir wieder den Daumen raus und wurden zügig mitgenommen. Auf der Insel Vestvågøya gibt es ein Hostel, welches für norwegische Verhältnisse preiswert ist. Dort stellten wir unser Gepäck unter und wanderten durch die traumhaft schöne, wenn auch verregnete Landschaft. Für die Nacht gab es im Hostel kein freies Bett mehr, deswegen übernachteten wir nochmals im Zelt, direkt am See mit Blick auf dunkelgrüne Wiesen, Berge und das Meer.

Es war mein 27. Geburtstag, an diesem Tag wollten wir den imposanten Berg, der vor unserem Zelt in die Höhe stieg, besteigen. Alles war sehr nass und rutschig und als wir in die Wolken kamen, mussten wir leider umdrehen. Im Hostel gönnten wir uns dann das erste Mal ein nicht selbst zubereitetes Abendessen in Norwegen und ein Bier für „nur“ 9€.

Im Schlafraum hatte es einen Rollladen, endlich konnte man wieder ohne Schlafmaske schlafen. Ein Tag später ging es nun wirklich nach Narvik. Wir versuchten unser Glück wieder mit Trampen und hatten als Backup eine Busverbindung. Die erste Hälfte der Strecke haben wir mit Trampen hinbekommen, für die zweite Hälfte mussten wir auf den Bus umsteigen. Nach Einkaufen in Narvik ging es mit dem Zug wieder Richtung Stockholm, wobei ich nur bis Abisko fuhr, während meine Reisebegleitung komplett bis Stockholm und von dort weiter nach Deutschland fuhr.

In Abisko gibt es einen riesigen Nationalpark, der Bahnhof ist gleichzeitig der Startpunkt des Kungsleden, einem Fernwanderweg durch die großen dünnbesiedelten Gebiete in Nordschweden. Ich fand hier ein großartiges Hostel mit vielen kommunikativen Leuten, was die Umstellung auf das alleine Reisen sehr einfach machte. Neben Wandern im Nationalpark und Zuschauen einer wissenschaftliche Vogelbestimmung war das Hostel selbst auch schon ein Highlight. Auch im eiskalten Torneträsk schwamm ich ganz kurz, direkt danach ging es in die Sauna, welche jeden Abend den Mittelpunkt des Hostels darstellte.

Mein nächster Punkt der Reise sollte Rovaniemi, der offizielle Sitz des Weihnachtsmannes, im Norden von Finnland sein. Um dort hinzukommen, musste ich eine Nacht in Luleå einlegen. Von Luleå aus fahren seit einigen Jahren wieder Züge nach Haparanda direkt an der finnischen Grenze. Grenzüberschreitenden Verkehr gibt es hier aber leider nicht, wer nach Finnland weiter möchte, muss über die Grenze in den finnischen Teil der Stadt laufen und einen Bus nach Kemi nehmen. Das tat ich auch und wartete dann in Kemi auf den Ersatzverkehr nach Rovaniemi, da gerade an der Strecke gebaut wurde.

In Rovaniemi lieh ich mir an einem Tag ein Fahrrad aus und besuchte das Weihnachtsmanndorf. Es war völlig abstrus, es hatte 20 Grad und Leute liefen mit T-Shirts umher, während überall Weihnachtsmusik lief und Elfen herumstapften. An mehreren Stellen konnte man mit dem „echten“ Weihnachtsmann reden und anschließend überteuerte Bilder von diesem historischen Moment erwerben. Meine Erwartung von Kitsch und Absurdität wurde sogar noch übertroffen – und ich fand es toll. Mehr Anspruch hatte das Arktikum, ein Museum über die Arktis und das Leben der Samen, den Ureinwohnern der Arktis. Ich verbrachte dort ganze fünf Stunden.

Nach zwei Tagen ging es weiter nach Helsinki. Dafür nahm ich den Nachtzug, welcher auch „Santa-Clause Express“ genannt wird. Ich gönnte mir eine eigene Kabine mit eigenem Badezimmer und Dusche, um einen meiner bescheuertsten Bucketlist-Einträge zu erfüllen: Einmal im Leben im Zug duschen! Einen so modernen und komfortablen Nachtzug habe ich bisher noch nicht gesehen. Alle Abteile hatten ein Doppelbett, die Wagons hatten zwei Stockwerke. Für jede Kabine gab es Zimmerkarten, um das Abteil zu verschließen, wenn man im Restaurantwagen etwas zu Abend isst.

In Helsinki besichtigte ich für zwei Tage die Stadt. Architektonisch hat diese Stadt unglaublich viel zu bieten, sowohl historisches als auch moderne Architektur. Es fängt direkt mit dem imposanten Hauptbahnhof an, direkt daneben befindet sich die moderne Bibliothek Oodi, auch nicht weit entfernt die Temppeliaukion Kirkko. Mit der Fähre kann man auf die kleine Insel Suomenlinna fahren, welche früher eine Festung war und heute viele Ruinen sowie Museen beinhaltet.

Nach zwei Tagen ging es mit der Fähre über den Finnischen Meerbusen nach Tallinn, der Hauptstadt Estlands. Fährverbindungen gibt es haufenweise und sind nicht teuer. Tallinn ist durch seine Altstadt mit Mittelalter-Flair auf eine ganz andere Weise wunderschön. Vor vielen Jahren hatte ich einen estnischen Straßenmusiker über Couchsurfing in meinem Studentenzimmer in Stuttgart übernachten lassen, jetzt konnte ich im Gegenzug bei ihm kostenlos auf der Couch schlafen.

Von Tallinn gibt es nur eine Verbindung am Tag, wenn man mit dem Zug nach Riga fahren möchte. Dazu nimmt man einen frühen Zug bis nach Valga an der Grenze zu Lettland und wartet dort mehrere Stunden auf den Zug nach Riga. Aufgrund des schlecht abgestimmten Fahrplans braucht man fast 10 Stunden, bis man in Riga ankommt, mit dem Auto sind es 4 Stunden. Im Zug traf ich zwei Stuttgarter, die ebenfalls mit dem Interrailticket durch das Baltikum reisten. Zusammen verbrachten wir die Zeit in Valga in einem Café, spielten Karten und tauschten Reisegeschichten aus.

In Riga blieb ich für drei Nächte im Cinnamon Sally Backpackers Hostel, einem der besten Hostelerfahrungen, die ich jemals gemacht habe. Es gab ein richtig gemütliches Wohnzimmer, in dem immer angenehme Leute hockten, es gab ein tolles Frühstückbuffet und das Personal hat einen ausgiebig über Aktionen im Umfeld der Stadt informiert. So wurde mir ein Tagesausflug mit dem Zug nach Jūrmala empfohlen, einem Dorf am Meer 30 Minuten von Riga entfernt. Hier gab es einen wunderschönen Sandstrand. Wie überall in Lettland kommen alte Dieseltriebzüge aus der Zeit der UDSSR zum Einsatz.

Nach Litauen musste ich auf den Bus umsteigen, seit der Pandemie fährt der einzige Zug zwischen den beiden Ländern nicht mehr. Deswegen fuhr ich mit dem Flixbus nach Vilnius, verbrachte dort einen halben Tag und fuhr dann weiter nach Kaunas, wo ich ein Hostel für die Nacht hatte. Beides sind sehr schöne Städte, die vielen Fußgängerzonen haben mich positiv überrascht.

Einige Tage davor erfuhr ich per Zufall, dass seit zwei Wochen wieder am Wochenende Züge zwischen Litauen und Polen fahren. Deswegen musste ich für diese Strecke keinen Bus buchen, sondern fuhr von Kaunas nach Białystok über die sogenannte Suwalki-Lücke, einem kleinen Korridor zwischen Kaliningrad und Belarus, welcher Polen und Litauen verbindet. Von Białystok ging es mit dem nächsten Zug direkt weiter nach Warschau, wo ich mir am darauffolgenden Tag die Stadt bei einer Free Walking Tour ansah.

Drei Tage später wollte ich im Schwarzwald sein; um die Inbound-Journey meines Interrail Tickets noch aufzubewahren, musste ich um Deutschland außen herum fahren. Mit dem Nachtzug ging es von Warschau nach Wien, wo ich mit über 2 Stunden Verspätung ankam. Dort ging es direkt weiter, mit dem Railjet durch die Alpen bis nach Zürich. Auf dieser Strecke hatte ich nochmals 1 Stunde Verspätung. Pünktlich ging es dann von Zürich weiter nach Konstanz, wo ich 24 Stunden nach Abfahrt in Warschau ankam.

Da der Beitrag bereits sehr lang ich, breche ich an dieser Stelle ab und teile den Reisebericht in zwei Teile auf. Im nächsten Teil geht es einmal über die Adria, anschließend nach Berlin und auch noch nach Spanien. Seid gespannt.

Auf den in diesem Artikel beschriebenen Strecken hat sich wenig verändert, bis auf die Zugstrecken im Baltikum. Hier gab es in den letzten 1,5 Jahren einige Verbesserungen. Zwischen Estland und Lettland sind die Züge inzwischen besser abgestimmt, das Warten in Valga entfällt. Zwischen Lettland und Litauen soll in einigen Wochen eine neue Zugverbindung in Betrieb gehen. Und zwischen Litauen und Polen gibt es nun täglich Züge, welche von Vilnius über Kaunas nach Białystok, Warschau und Krakow fahren. Dabei muss am Grenzbahnhof einmal umgestiegen werden, bei Verspätungen warten die Züge aufeinander. Grund für das Umsteigen ist die unterschiedliche Spurweite, aufgrund der UDSSR-Vergangenheit sind die Schienen in den baltischen Ländern in russischer Breitspur gebaut.

Aktuell wird im Baltikum außerdem am Bahnprojekt „Rail Baltica“ gebaut. Eines Tages sollen dank dieses Projekts Schnellzüge auf Normalspurgleisen von Warschau bis nach Tallinn fahren. Eine Fertigstellung vor 2030 wird aber immer unwahrscheinlicher.

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