mit dem Zug durch Europa

Schlagwort: Türkei

Auf Landweg von Mitteleuropa in den Kaukasus

Im November 2025 fuhr ich auf Landweg bis in den Kaukasus. Die Strecke führte über den Balkan, einmal komplett durch die Türkei und schließlich nach Georgien und anschließend nach Armenien. Auf dem Hinweg und Rückweg fuhr ich dabei auf leicht abgeänderten Routen. Insgesamt verbrachte ich auf dieser Reise 10 Nächte in Liege- oder Schlafwägen, unter anderem waren das der Optima Express, der Doğu Ekspresi in der Türkei sowie der Nachtzug von Tiblisi nach Jerewan. Über jeden einzelnen dieser Züge würde es sich lohnen einen eigenen Bericht zu schreiben, ich versuche trotzdem die ganze Reise in einem Blogbeitrag zu behandeln.

Los ging es mit dem ICE Sprinter von Berlin Hbf nach München Hbf. Dieser benötigte aufgrund von Bauarbeiten schon laut Fahrplan 1,5h länger als normalerweise, da der Zug auf dem Weg von Halle nach Erfurt falsch abbog kam dazu noch eine Stunde Verspätung dazu – das hat schon mal gut angefangen. Zum Glück habe ich mir eine Verbindung mit einem geplanten Aufenthalt von 1,5h in München gebucht, sodass ich in München den Zug nach Villach Hbf trotzdem erreichte. Nach dem Einchecken am Terminal fuhr ich am Abend mit dem letzten Optima Express des Jahres in östlicher Richtung von Villach nach Edirne in der Türkei weiter.

Ich hatte ein Liegewagenabteil zusammen mit zwei älteren Herren. Viel Zeit verbrachte ich aber vor allem mit Cari und Matthias vom YouTube Kanal Easy German, die zufälligerweise im gleichen Zug waren. Ich bin nun in einem ihrer Videos zu sehen. Viel Zeit, um diese miteinander zu verbringen, hatten wir. Die Fahrt dauerte, verglichen mit der Fahrt von vor 2 Jahren, bei der ich 9 Stunden Verspätung hatte, dieses mal noch länger. Als wir am 3. Tag in Edirne ankamen, war es bereits dunkel. Nachdem wir Bargeld besorgt hatten ging es zum Busbahnhof und mit dem nächsten Bus nach Istanbul. Dort verabschiedeten wir uns und ich ging ins Hostel, in dem ich um 1 Uhr in der Nacht ankam.

Am nächsten Tag besichtigte ich Istanbul, eine Stadt von der ich immer wieder aufs neue begeistert bin. Mit meiner Kamera ausgestattet, gelangen mir einige gute Schnappschüsse. Am zweiten Tag in Istanbul ging es morgens zum Bahnhof Söğütlüçeşme, von dort mit dem Hochgeschwindigkeitszug YHT nach Konya. Dort verbrachte ich zwei Tage bei Freunden und besuchte unter anderem Çatalhöyük, der ältesten bekannten Großsiedlung der Menschheitsgeschichte. Die Ruinen sind fast 10.000 Jahre alt. Außerdem besuchte ich eine Vorstellung mit traditionellen Derwischen, die sich in Trance tanzten.

Für drei Tage fuhr ich anschließend nach Izmir. Das lag zwar nicht auf meinem Weg, dorthin gibt es aber gute Nachtzugverbindungen womit sich der Umweg nicht weit angefühlt hat. Und gut schlagen konnte ich, für um die 41 € hatte ich ein eigenes Schlafwagenabteil mit super bequemen Bett, Waschbecken und sogar einen Kühlschrank mit Minibar im Abteil. Sogar einen Speisewagen, in dem man sich Abendessen zubereiten lassen kann, gab es. In Izmir besichtigte ich am ersten Tag die Stadt, am zweiten Tag fuhr ich nach Çamlık, etwa eineinhalb Stunden südlich von Izmir. Dort gibt es das größte Dampflokmuseum in der Türkei, es gleicht aber mehr einem Park wie einem richtigen Museum. Sehenswert war es trotzdem. Auch verbrachte ich viel Zeit im gemütlichen Hostel, in dem ich zwei Jahre zuvor bereits gewesen bin.

Der nächste Nachtzug brachte mich von Izmir nach Ankara. Wieder hatte ich für unter 45 € ein Schlafwagenabteil für mich alleine. In Ankara hatte ich einige Stunden Aufenthalt, schloss mein Gepäck am Bahnhof ein und machte mich auf in die Kalesi, der Altstadt sowie der Anıtkabir, dem Mausoleum von Atatürk. Die Burg oberhalb der Kalesi war echt schön und es gibt einige tolle Antik-Läden dort. Mit dem Personenkult um den Staatsgründer kann ich nichts anfangen, die Anıtkabir einmal zu erleben kann ich dennoch jedem empfehlen.

Um halb 6 war es dann so weit: Auf Bahnsteig 1 am Bahnhof Ankara Gar rollte der Doğu Ekspresi ein, einer der legendärsten Züge überhaupt. Für die nächsten 26 Stunden war das mein Zuhause, im Liegewagen zusammen mit zwei Neuseeländern, welche die einzigen anderen Touristen im Zug waren. Die Liegen waren die bequemsten Liegen die ich jemals in einem Liegewagen erlebt habe. Es gab ein Bordrestaurant, welches bis tief in die Nacht und ab früh morgens Essen, Getränke und Snacks zu kleinen Preisen verkaufte, sowie bezaubernde Aussichten aus den Fenstern. Und das ganze zu einem Preis von ca. 25€. Wenn ich gerade nicht am Fotos machen, Reden, Essen oder Çay trinken war, las ich in meiner Reiselektüre. In Erzican und Erzurum konnte ich außerdem kurz auf den Bahnsteig aussteigen. Abends kam der Zug nach seinem langen Laufweg in Kars an.

Von Kars aus sind es keine 70 km bis zur Grenze nach Armenien. Doch die Grenze ist seit über 30 Jahren geschlossen, wer auf Landweg nach Armenien weiter will muss einen Umweg über Georgien nehmen. Nach Georgien gibt es seit einigen Jahren eine Eisenbahnlinie, auf dieser fahren aber noch immer keine Personenzüge. Von Kars aus gibt es aktuell auch leider keine direkte Busverbindung nach Georgien. Die einzige Busverbindung besteht aus einem Bus, welcher in Richtung Hopa am Schwarzen Meer fährt. Ganz in der Nähe liegt der Grenzübergang Sarp. Den direkteren Grenzübergang Turközü kann nur mit Trampen erreicht werden.

Doch zuerst hatte ich noch einen Tag Aufenthalt in Kars, an dem ich die alte Hauptstadt Armeniens mit dem Namen „Ani“ besichtigen wollte. Nachdem mich Passanten auf die Frage nach Bussen dorthin immer wieder in andere Richtungen schickten beschloss ich, dorthin zu trampen. Bis zu einer Tankstelle außerhalb der Stadt ging das super schnell, direkt das dritte Auto hatte angehalten. Doch dann wollte mich für längere Zeit keiner mehr mitnehmen, bis nach 45 Minuten ein Farmer mit einem Kalb im Fußraum des Beifahrerplatzes anhielt. Aufgrund der geringen Erfolgsquote stieg ich oberhalb des Kalbs ein und der Fahrer brachte mich bis nach Ani, einem gleichnamigen Bauerndorf direkt vor der Ausgrabungsstätte.

Die Ruinenstadt liegt direkt an der Grenze zu Armenien, auf der anderen Flussseite konnte man eine armenische Siedlung sehen. Es gibt einige interessanten Gebäude, an einigen Stellen fanden Bauarbeiten statt. Sehr verstörend fand ich die Tatsache, dass auf allen Infotafeln in Ani nicht ein einziges mal das Wort „Armenien“ zu finden war, und das bei der ehemaligen Hauptstadt eben dieses Volkes. Der Genozid an den Armeniern ist weiterhin ein Tabuthema in der Türkei, weswegen über Armenien einfach geschwiegen wird. Das habe ich auch auf der Rückfahrt erlebt, bei der mich zwei Türkinnen nach Kars mitnahmen. Wir unterhielten uns freundlich und intensiv, doch als ich berichtete, dass ich nach Armenien reisen werde, herrschte schlagartig Stille im Auto.

Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Bus um 10 Uhr von Kars nach Hopa am Schwarzen Meer. Die Fahrt dauerte ca. 6,5 Stunden und kostete mich 650 Lira, also ca. 13€. In Hopa wird man direkt gegenüber der Minibus-Haltestelle herausgelassen, dort musste ich 60 Lira für den Minibus bis zum Grenzübergang Sarp bezahlen, was etwa 40 Minuten gedauert hat. Der Minibus fuhr die letzten Kilometer an einer nicht endenden Schlange an LKWs vorbei, die alle auf den Grenzübertritt warteten. Ohne Auto hat man die Grenzkontrolle dagegen schnell hinter sich, in 30 Minuten war ich auf der anderen Seite. Es ist aber ein langer Fußmarsch mit vielen Treppen, da alle Rolltreppen defekt waren. Direkt vor dem Ausgang des Grenzübergangs wartete gerade eine Marschrutka (die russische Bezeichnung für Minibus) nach Batumi, Kostenpunkt 2 Lari oder ca. 60 Cent. Es gibt viele Wechselstuben direkt an der Grenze, die Wechselkurse sind jedoch sehr schlecht. Ich habe hier nur etwas Geld für den Bus gewechselt.

In Batumi blieb ich zwei Nächte. Direkt am ersten Abend freute ich mich sehr über die georgische Küche, nachdem die türkische Küche in Ostanatolien als Vegetarier sehr eingeschränkt war. Am nächsten Tag besichtigte ich die Stadt mit den vielen Casinos und ihrer großen Strandpromenade. Tatsächlich hatte es Ende November an diesem Tag noch über 20 Grad. Ein großer Kontrast zu den -5 Grad in Kars nur einen Tag zuvor. Baden im Schwarzen Meer bin ich trotzdem nicht mehr gewesen.

Wieder ein Tag später fuhr ich morgens mit dem Bus zum etwas außerhalb der Stadt liegenden Bahnhof. Dort fuhr um 8 Uhr der Zug nach Tbilisi ab, Kostenpunkt etwa 12 €. Die Fahrtzeit betrug regulär 5:17 Stunden, ich kam allerdings mit etwas Verspätung an. Wie ich kurz vorm Schreiben dieses Blogbeitrags in den Nachrichten gelesen habe, sollte die Verbindung durch die Neubaustrecke Chašuri-Zestaponi nun stabiler sein und auch die Fahrzeit konnte Anfang 2026 auf unter 5 Stunden verkürzt werden. Doch ich fuhr im November noch über die nur im Schneckentempo befahrbare alte Trasse durch das Gebirge.

In Tbilisi hatte ich einen halben Tag Pause, wieder schloss ich mein Gepäck ein und machte mich mit der Kamera auf den Weg in die Altstadt, aß ausgiebig zu Mittag und machte tolle Bilder von der Stadt, die mir sehr gut gefiel. Am Abend ging es dann in den letzten Zug meiner Anreise, der Nachtzug von Tbilisi nach Jerewan. Dabei handelt es sich um einen Zug russischen Fabrikats. Es gibt 3 Kategorien: 2er Kabine, 4er Kabine und Platzkart. Bei Platzkart handelt es sich um einen Großraumwagen voll mit Betten. Ich entschied mich für die 4er Kabine, die ich mir mit einer weiteren Person teilte. Das Ticket in dieser Kategorie kostete mich um die 43 €. Jeder Wagen hat Heißwasserspender für Instant-Nudeln oder Tee sowie eine richtig große Dusche, wie ich es davor noch nie in einem Zug gesehen habe. Die Schienen wahren sehr wackelig, ich konnte trotzdem ganz gut schlafen. Auf georgischer Seite musste ich aussteigen um meinen Stempel im Pass zu bekommen, auf der armenischen Seite kamen die Grenzbeamten mit mobilen Geräten in den Zug.

Am frühen Morgen kam ich in Jerewan am wunderschönen Bahnhof an, an dem die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. An einigen Stellen sind Hammer und Sichel in den Ornamenten zu finden. Für die Metro wird eine Karte benötigt, welche nur mit einer armenischen Nummer aufzuladen ist. Zum Glück hat mir eine Einheimische Ihre Nummer gegeben, ich wüsste nicht wie ich sonst mit der Metro hätte fahren können. Mit der Metro fuhr ich also in die Innenstadt, wo ich in einem Café frühstückte. Nach einiger Zeit fuhr ich weiter zum Hostel, wo ich die nächste Woche verbringen werde. Ich bin in Jerewan für ein Erasmus Projekt zum kulturellen Austausch. Da dies ein Blog über das Zugreisen ist, werde ich hierzu nicht allzu viel schreiben. Es war aber auf jeden Fall eine tolle Zeit mit den Menschen aus verschiedensten Ländern. Auf dem Programm standen ein Besuch im Parlament sowie eine Diskussionsrunde mit einer Politikerin, Sightseeing, Teambuilding und vieles mehr.

Für den Heimweg verwendete ich grob die gleichen Verbindungen, jedoch mit einigen Abweichungen, weswegen ich die Heimreise hier ebenfalls beschreiben möchte. Zuerst ging es mit dem Nachtzug zurück nach Tbilisi, diesmal in der günstigsten Kategorie Platzkart was mich 33 € kostete. Da ich der einzige Passagier in dieser Kategorie und damit im ganzen Wagon war (im ganzen Zug waren es vielleicht 20 Passagiere), bot mir der Schaffner ein eigenes Abteil an. Da sagte ich natürlich nicht nein. In Tbilisi hatte ich diesmal 2 Tage, den ersten machte ich einen Ausflug nach Gori und besuchte dort das Stalin-Museum. Das Museum ist völlig skurril, hier hat sich seit der Sowjetunion nichts geändert und Stalin, der aus Gori stammt, wird glorifiziert. Nur ein kleiner Raum unter der Treppe beschäftigt sich damit, dass „nicht nur alles gut war“. Am zweiten Tag zeigte mir eine Teilnehmerin des Projekts aus Jerewan, die in Tbilisi wohnt, die Stadt aus Sicht einer Einwohnerin. Die Stadt machte auf den zweiten Blick einen noch besseren Eindruck wie beim ersten kurzen Besuch. Leckeres Essen, nette Cafés, tolle Architektur sowie Natur und Berge – diese Stadt hat alles.

Von Tbilisi nach Batumi fuhr ich wieder mit dem Zug und übernachtete dort. Am nächsten Morgen ging es mit der Marschrutka zur Grenze, anschließend mit dem Minibus nach Hopa. Doch diesmal fuhr ich von dort nicht mehr nach Kars zurück, sondern für 700 Lira nach Erzurum. Die Fahrtdauer nach Erzurum ist kürzer wie nach Kars, der Zug nach Ankara hält hier außerdem 4 Stunden später. Somit konnte ich mir einiges an Fahrtzeit einsparen. Der Bus bot außerdem viel mehr Beinfreiheit und es gab Tee und Wasser vom Busbegleiter (aber davon wusste ich vor der Fahrt noch nichts). Einziges Manko war, dass der Busbahnhof in Erzurum leider sehr weit weg von der Stadt ist, ich konnte keine Busverbindung finden und habe am Ende für die 15 Minuten Taxifahrt zur Innenstadt nochmal 450 Lira zahlen müssen.

Nach etwas Sightseeing am Abend und Morgen ging es nach einer Nacht in Erzurum mit dem Doğu Ekspresi um 12:14 Uhr zurück nach Ankara, wieder im Liegewagen. Diesmal war das Abteil voll besetzt, mit meinen Abteilkollegen konnte ich aufgrund einer Sprachbarriere nur mit Händen kommunizieren. Dafür sprach der Koch im Restaurantwagen fließend Deutsch, da er in Hanau aufgewachsen ist. Nach Ankunft in Ankara am Morgen kaufte ich mir am Fahrkartenschalter ein Ticket für den nächsten Zug nach Istanbul, der bereits 25 Minuten nach Ankunft der Doğu Ekspresi abfuhr. In Istanbul machte ich dann nochmals für eine Nacht Pause.

Nach einem weiteren Tag Sightseeing in Istanbul, diesmal in einer großen Gruppe mit anderen Reisenden vom Hostel, ging es abends mit dem Sofia Ekspresi nach Sofia. Tickets für diesen Zug kosten 38 € und können am Bahnhof Sirkeci in der Altstadt von Istanbul gekauft werden. Der Zug fährt in Halkalı los, dem Bahnhof am westlichen Ende der Marmaray Bahn welche durch Istanbul verläuft. Dort gibt es nur Snackautomaten, außerhalb gibt es zum Glück einen nur kurz entfernten Imbisswagen mit dem Namen „Vagon“, in dem ich noch etwas warmes zum Essen gefunden habe. Ich teilte mir den Liegewagen wieder nur mit einer Person. Getränke, Essen oder sonstige Annehmlichkeiten gibt es in diesem Zug nicht, der Zug kam dafür 1,5 h vor der Zeit im Fahrplan in Sofia an. Eine willkommene Abwechslung. In Sofia war ich zuletzt vor über 10 Jahren und es war interessant, Orte von damals wieder zu entdecken.

Ich hatte lange überlegt, ob ich die schienengebundene Verbindung über Bukarest nach Budapest wählen soll, oder die wesentlich schnellere Verbindung über Belgrad, bei der ich aber ein Stück mit dem Bus fahren muss. Letztendlich entschied ich mich für die Verbindung über Serbien, und so fuhr ich am nächsten Morgen um 9 Uhr am Busbahnhof los. An der Grenze mussten wir 1,5 h warten, bis unser Bus endlich passieren durfte. Doch in nur 6 Stunden waren wir in Belgrad, für 38 €. Hier übernachtete ich wieder für eine Nacht und verbrachte die Zeit mit Sightseeing sowie fotografieren von Brutalismus-Gebäuden in Novi Beograd, was ein Brutalismus-Paradies ist.

Um 11 Uhr fuhr ich auf der nach langen Verzögerungen seit Oktober eröffneten Strecke von Beograd bis nach Subotica. Dort hatte ich eine Stunde Aufenthalt, den ich in einem Café verbrachte. Mit der die Grenze überschreitenden Regionalbahn ging es anschließend nach Szeged in Ungarn. Von dort aus mit einem IC weiter nach Budapest. In Summe kostet diese Fahrt gerade einmal 22€, und das beim Kaufen der Tickets am Tag der Reise. Durch die Eröffnung der Strecke von Novi Sad nach Subotica hat sich bereits unglaublich viel verbessert, hoffentlich wird auch die direkte Verbindung von Subotica nach Budapest ebenfalls bald eröffnet.

Um 18:09 Uhr kam ich in Budapest-Nyugati an. In Szeged besorgte ich mir bereits Tickets für den Nachtzug nach Berlin, die mit 56€ im Liegewagen ebenfalls super günstig waren. Dieser fuhr um 19:30 Uhr am selben Bahnhof ab. Es war der 14. Dezember, der Tag des Fahrplanwechsels. Und so kam es, dass ich Berlin nicht über einen Umweg über den Ausenring, sondern über die neue Dresdner Bahn erreichte. Und wie es sich für die Deutsche Bahn gehört natürlich mit einer Verspätung von über einer Stunde.

Nach 10 Übernachtungen im Zug und über 12.500 km die ich zurückgelegt habe kam ich wieder in Berlin an. Was eine Reise! Während für alle anderen Teilnehmer des Erasmus+ Projekts dieses Projekt ein alleinstehendes Event war, war es für mich nur ein Teil eines größeren Abenteuers. Und ich habe es sowas von genossen. Reisen außerhalb der Haupturlaubszeit ist einfach toll, ich fand in allen Hostels ein Bett ohne zuvor reservieren zu müssen und auch viele der Zugtickets habe ich direkt am Abfahrtstag erst gekauft, eine Flexibilität die man im Sommer bei vollen Zügen und Hostels nicht hat.

Ich hoffe ich konnte auch dich für eine Zugreise begeistern, sei es an einen Ort in der Nähe oder doch bis in den Kaukasus.

Mit dem Optima Express in die Türkei

Im Sommer 2023 ging es, zusammen mit einigen Freunden, mit dem Zug über den Balkan bis in die Türkei. Ich bin bereits vor einigen Jahren bis in die Türkei mit dem Zug gefahren, damals mit dem ebenfalls nur im Sommer verkehrenden Zug von Bukarest nach Istanbul. Für die diesjährige Reise haben wir uns einen anderen Zug herausgesucht: Den Optima Express, eine Direktverbindung von Villach in Österreich über den kompletten Balkan bis nach Edirne in der Türkei.

Der Optima Express ist ein Autoreisezug, neben Passagieren können auch Autos von Villach nach Edirne transportiert werden. Das ermöglicht es, mit dem eigenen Auto in der Türkei zu reisen, den langen Anfahrtsweg aber komfortabler im Zug zu verbringen. Viele der Passagiere haben türkische Wurzeln und besuchen im Sommer ihre Verwandten in der Türkei.

Diese Bahnverbindung führt durch sechs Länder: Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien und die Türkei. Der Zug braucht dafür um die 40 Stunden, die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt somit bei gerade einmal 30 km/h. Das liegt zum einen an den vielen Grenzkontrollen – die letzten drei Länder sind nicht Teil des Schengen Abkommens – zum anderen an der schlechten Bahninfrastruktur in vielen Teilen der Strecke.

Zuerst einmal hieß es für mich, dass ich von Berlin nach Villach kommen musste. Diese Strecke ist an einem Tag gut zu schaffen, um 8:29 Uhr ging es mit dem ICE vom Berliner Hbf nach München Hbf. Dort hätte ich über eine Stunde Umstiegszeit gehabt, um den EC nach Villach Hbf zu bekommen. Wie so oft lief es aber nicht rund bei der DB und mein Zug hatte fast 2 Stunden Verspätung, als er in München eintraf. Wie durch ein Wunder hatte der EC auch Verspätung und wartete in München auf meinen ICE, sodass ich die Verbindung doch noch bekommen habe. So gestresst war ich schon lange nicht mehr, immerhin stand ich kurz davor einen Zug zu verpassen, welcher nur alle paar Tage fährt.

Die Freunde, mit denen ich die Tage in der Türkei verbringen würde, saßen bereits seit Stuttgart in diesem EC mit der Nummer 115. Ab München vereint, bestaunten wir den Ausblick auf die Alpen, welche immer näher kamen, bis man mitten drin war. Der Zug erlaubt unglaubliche Blicke in die grünen Täler, während sich die Bahnstrecke am Hang das Tal hinaufschlängelte. Mit nicht mehr ganz einer Stunde Verspätung kamen wir in Villach Hbf an und stellten fest, dass hier alle Supermärkte bereits um 19 Uhr schließen. Wir hatten noch keine Verpflegung für den folgenden Tag dabei, welchen wir komplett im Zug verbringen würden. Am Ende wurden wir in einem Containerladen fündig, in dem man lokale Köstlichkeiten selbst abscannen und bezahlen kann.

Der Optima Express fährt nicht in Villach Hbf los, sondern in Villach Terminal 2. Bis dorthin sind es 20 Minuten Fußweg, auf dem Weg liegt ein Pizzalieferdienst, der auch noch zur späten Stunde Pizza (und Bier) anbietet. Laut dem Ticket von Optima Tours, dem Betreiber des Optima Express´, soll man mindestens 3 Stunden vor Abfahrt des Zuges am Terminal erscheinen. Für Passagiere, die kein Auto dabei haben, sollte auch eine Stunde ausreichen; wir kamen etwa 2 Stunden vor Abfahrt an. Vor Ort werden die Personalien gecheckt und einem ein Abteil zugeteilt. Wer allein reist, teilt sich ein Abteil mit maximal drei weiteren Personen, wobei bei geringer Auslastung versucht wird, dass jeder ein eigenes Abteil bekommt. Wir waren eine Gruppe von fünf Personen und bekamen ein gemeinsames Abteil zu fünft.

Pünktlich um 21:32 Uhr fuhr der Zug ab. Laut Plan sollten wir in zwei Tagen um 6:03 Uhr in Edirne ankommen. Die Liegewaggons sind eine ältere Bauart und kommen vermutlich ursprünglich aus der DDR. An jedem Ende eines Wagens gibt es eine Toilette und ein Waschbecken, diese wurden während der Fahrt regelmäßig gereinigt und waren damit immer sauber. Sowohl der Sitzkomfort als auch der Schlafkomfort im Abteil waren gut, man konnte die Fenster im Abteil öffnen und es gab einen großen Tisch zum Einhängen für den Tagbetrieb. Das Abteil war richtig gemütlich und es spross nur so vor Nostalgie.

Neben den Abteilwägen gibt es auch noch einen Speisewagen im Verbund, der Mittelpunkt des Lebens an Bord. Dieser ist getrennt in ein Barteil und ein Sitzteil. Im Barteil ist rauchen erlaubt, ich vermute, das ist der einzige Zug in Europa, in dem das noch der Fall ist. Da die Fenster alle geöffnet waren, störte das uns Nichtraucher nicht, sondern sorgte lediglich für ein noch stärkeres Nostalgiegefühl. Man fühlte sich zurückversetzt in eine Zeit vor Hochgeschwindigkeitszügen, mit Restaurantwaggons, in denen noch auf dem Herd gekocht wurde, und eben eine Zeit, in der man im Zug geraucht hat. Eine Zeit, die keiner von uns erlebt hat, im Optima Express aber noch erlebbar ist.

Am nächsten Morgen breiteten wir unser Frühstück auf dem großen Abteiltisch aus. Gegen 10:30 Uhr erreichten wir die Grenze nach Serbien. Die Grenzkontrollen laufen alle sehr ähnlich ab: ein:e Grenzbeamte:r oder ein Schaffner (es gab keine Schaffnerinnen an Bord) läuft durch den Zug und sammelt alle Pässe ein. Danach verschwinden diese für etwa eine Stunde, bis man den Pass zurückerhält und der Zug über die Grenze gefahren wird. Jetzt kommen die Grenzbeamt:innen des nächsten Landes und sammeln nochmals alle Pässe ein, gehen mit diesem aus dem Zug, es dauert wieder etwa eine Stunde und anschließend bekommt man seinen Pass wieder. Einmal war das Prozedere auch so gut abgestimmt, dass man den Pass zwischendurch nicht erhalten hat, sondern dieser direkt an die Beamt:innen des nächsten Landes weitergegeben wurden. Während man warten muss, wird zusätzlich noch die Lok getauscht. Die Waggons werden in jedem Land von Lokomotiven der jeweiligen staatlichen Eisenbahngesellschaft gezogen.

Aus Recherchen und meinen eigenen Erfahrungen wusste ich, dass das Zugsystem in Serbien völlig heruntergewirtschaftet ist. Die Züge tuckern durch die Landschaft und oftmals sind Busverbindungen doppelt so schnell wie Zugverbindungen, wenn es diese überhaupt gibt. Das soll sich die nächsten Jahre ändern, doch von der neuen Bahninfrastruktur ist aktuell erst die Verbindung von Belgrad nach Novi Sad fertiggestellt. Auf den letzten Kilometern vor Belgrad fuhren wir kurz genau auf dieser Strecke, ein letztes Mal hohe Geschwindigkeiten, bevor wir den restlichen Tag im Schneckentempo weiterfuhren, wenn wir denn überhaupt fuhren. Sehr oft standen wir ohne dass es einen offensichtlichen Grund gab. Als wir bereits seit zwei Stunden kurz hinter Belgrad standen, informierte ich mich bei einem der Schaffner. Mir wurde mitgeteilt, dass unsere Lokomotive eine Panne hat. Nach einiger Zeit kam von hinten eine neue Lokomotive, welche uns bis zur nächsten Ausweichstelle, einem verlassenen Bahnhof im Nirgendwo, schob. Anschließend fuhr die Lokomotive an uns vorbei, wurde vorne angekuppelt und die Fahrt ging weiter. Doch uns war dies egal, wir genossen die entschleunigte Art des Reisens, spielten Karten im Speisewagen, lasen Bücher oder unterhielten uns mit anderen Fahrgästen. Tatsächlich war es uns in diesem Moment völlig egal, wann wir in der Türkei ankommen würden. Man lebte in diesem Zug, dass man dabei auch noch von A nach B kommt, wurde zur Nebensache.

Spät am Abend, es war bereits nach 22 Uhr, erreichten wir Niš. Für die Strecke von Belgrad bis hierher brauchten wir unglaubliche 8 Stunden, mit dem Auto sind es gerade einmal 2,5 Stunden. Das „Highlight“ der serbischen Bahninfrastruktur sollte aber erst noch kommen, die Strecke von Niš nach Dimitrovgrad an der bulgarischen Grenze. In einigen Blogs wird diese Strecke als eine der schönsten in Europa beschrieben, schade dass es bereits Nacht war. Gleichzeitig ist diese Strecke auch eine der sich im schlechtesten Zustand befindenden Strecken, die Landschaft bleibt vor dem Fenster stehen, wenn man gegen die Fahrtrichtung durch den Waggon läuft. Gegen halb 3 in der Nacht wurden wir von einer Grenzbeamtin aus dem Schlaf geweckt, im Halbschlaf reichte ich ihr den Reisepass.

Wir hatten eine Verspätung von „Bulgarien“, denn anstelle von Edirne in der Türkei waren wir um 6:03 Uhr seit kurzem erst in Bulgarien. Durch Bulgarien ging die Fahrt relativ flott und immerhin hatten wir wegen der Verspätung genügend Zeit auszuschlafen, nachdem wir in der Nacht zu Unzeiten geweckt worden waren. Am ersten Bahnhof in der Türkei mussten wir aussteigen und uns den Stempel im Reisepass an der Polizeistation abholen. Danach ging es weiter nach Edirne, welches wir mit genau 9 Stunden und 10 Minuten Verspätung um 15:13 Uhr erreichten, über 40 Stunden nachdem wir in Villach losgefahren waren. Was für ein Erlebnis, ein Gefühl von transsibirischer Eisenbahn inmitten Europas.

Vom Bahnhof in Edirne aus gibt es nur eine Zugverbindung weiter, morgens um 8:20 Uhr nach Istanbul. Ich gehe davon aus, dass es unmöglich ist, diesen Zug mit dem Optima Express zu erwischen. Da wir bereits ein Hostel für die Nacht in Istanbul reserviert hatten, fuhren wir mit einem Nahverkehrsbus zum Busterminal und mit dem Bus weiter nach Istanbul. Als wir dort ankamen, war es bereits dunkel.

In Istanbul verbrachten wir einige Tage, besichtigten den Basar, die Hagia Sofia, unzählige Moscheen und kosteten das Nachtleben, welches sich hier wie in einer westlichen Stadt anfühlt. Auch den Bahnhof Sirkeci, der einst der Endpunkt des Orient Express war, besichtigten wir. Hier gibt es ein sehr kleines Museum mit Exponaten aus dieser Zeit. Aktuell wird der Bahnhof renoviert, bald sollen hier wieder Züge fahren.

In der Türkei ist das bevorzugte Verkehrsmittel zwischen Städten der Fernbus. Das wird offensichtlich, sobald man ein Busterminal betritt und die vielen Busse der verschiedenen Anbieter sieht, die regelmäßig in alle Richtungen des Landes abfahren. Es gibt jedoch auch den YHT, einen modernen Hochgeschwindigkeitszug, welcher zwischen Istanbul, Ankara, Konya und seit diesem Jahr auch Sivas verkehrt. Der Zug ist weitestgehend baugleich mit einem ICE3. Genau mit diesem Zug fuhren wir nach einigen Tagen weiter nach Ankara. Abfahrt war am Bahnhof Söğütlüçeşme auf der asiatischen Seite der Stadt, nicht weit entfernt vom ehemaligen Bahnhof Haydarpaşa, an dem einst Züge nach Bagdad und Teheran abfuhren. Auch an diesem Bahnhof gibt es aktuell keine Zugverbindungen mehr, das imposante Gebäude wird ebenfalls saniert.

Angekommen in Ankara, ging es auf direktem Weg wieder zum Busterminal, nach Kappadokien fuhren wir mit dem Bus. Die Landschaft in Kappadokien ist durch die verrückten Gesteinsformationen sehr markant. Durch eine besonders weiche Gesteinsschicht wurden hier über Jahrhunderte hinweg Wohnhöhlen in die Berge gehauen, es gibt ganze Untergrundstädte, von denen wir auch eine besucht haben. Ein besonderes, leider auch sehr kostspieliges Erlebnis ist die Ballonfahrt am frühen Morgen. Jeden Morgen starten über 100 Heißluftballons, um Touristen aus aller Welt ein einmaliges Spektakel zu bieten. Auch zum Wandern bietet sich dieses Gebiet sehr gut an. Um von Ort zu Ort zu kommen, gibt es viele Minibusse. Göreme ist mitten im Zentrum von Kappadokien, zentraler Knotenpunkt für alle Aktivitäten im Umland ist Nevşehir.

Nach einigen Tagen in Kappadokien ging es mit dem Bus weiter nach Konya und anschließend nach Antalya. Dort verbrachten wir nur eine Nacht, am nächsten Morgen ging es mit einem Minibus nach Adrasan, 85 km südlich von Antalya. Auf der Fahrt dorthin hatten wir eine Reifenpanne, nach kurzer Zeit wurde ein Ersatzreifen organisiert und unsere Fahrt ging weiter. In Adrasan machten wir unter anderem eine vierstündige Bootstour für unglaubliche 15 Euro, Abendessen inklusive. Wir kamen mit dem Boot an zwei Strände, welche nur mit dem Boot zu erreichen sind. Außerdem fanden wir einen großartigen abgelegenen Strand und wanderten ein Stück des lykischen Wegs in den nächsten Ort Çıralı.

Weiter ging es nach Pamukkale, einem Ort bei Denizli, welcher für die weißen Kalkterrassen bekannt ist. Neben den Kalkterrassen bietet das Gelände außerdem sehr große antike Ausgrabungsstätten, darunter ein Theater, bei dem der erste Stock des Bühnenbildes wieder aufgebaut wurde. Ab Denizli konnten wir auch wieder mit dem Zug fahren, da von hier aus regelmäßig Züge in Richtung Izmir fahren.

Wir fuhren aber nicht direkt bis Izmir, sondern machten einen Stopp in Selçuk. Das ist der Ort direkt neben der historischen Stadt Ephesus, einst eine der größten Städte der Welt. Bekannt ist dieser Ort auch, da er in der Bibel erwähnt wird. Der Apostel Paulus lebte hier, bevor man ihn aus der Stadt jagte. Später schrieb er einen Brief an die christliche Gemeinde der Stadt, welcher im Neuen Testament enthalten ist. Riesige bunte Mosaike und Wandbemalungen aus der Zeit der Römer kann man hier bestaunen, zudem ein riesiges Theater. Das bekannteste Gebäude ist aber zweifelsfrei die Celsus-Bibliothek. Neben Ephesus liegt zudem noch der Tempel der Artemis, eines der sieben antiken Weltwunder. Hiervon darf man sich allerdings nicht allzu viel versprechen, heute sieht man davon lediglich eine einzige Säule emporragen.

In Selçuk gibt es neben den Bahnen der TCDD, der türkischen Bahngesellschaft, auch Bahnen von IZBAN, dem Nahverkehr von Izmir. Diese fahren wesentlich öfter, man benötigt allerdings eine Nahverkehrskarte, welche beim einmaligen Verwenden des Nahverkehrs etwas teurer ist als ein Bahnticket der TCDD. Mit der IZBAN fuhren wir nach Tepeköy und stiegen dort um in die Bahn nach Izmir.

In Izmir verbrachten wir eine weitere Nacht, bevor es mit dem Eylül Ekspresi nach Bandırma am Marmarameer weiter ging. Der Zug braucht für diese Strecke sechs Stunden, ein Ticket kostet 5 Euro. Wir hatten etwa eine Stunde Verspätung bis wir ankamen, die Fähre von Bandırma nach Istanbul haben wir trotzdem bekommen. Diese Fähre fühlte sich eher wie ein Flugzeug an, Safety Instructions vor „Abflug“ inklusive. In Windeseile schossen wir über das Meer. Ein Deck gab es leider nicht, dafür erreichten wir nicht einmal drei Stunden später Istanbul. Hier verbrachten wir nochmals zwei Nächste, bevor wir uns auf den Heimweg machten.

Von Istanbul aus ging es aufgrund des Mangels an attraktiven Zugverbindungen wieder mit dem Bus nach Edirne. Die Grenzkontrollen waren auf dem Rückweg nicht mehr so aufregend, man wusste ja was einen erwarten wird. Auch die Verspätung nahmen wir wieder gelassen, man kommt ja immer irgendwie ans Ziel. Als wir die Strecke vor Niš passierten, war es gerade Mittag am zweiten Tag. So konnten wir uns diesmal ein Bild von der schönen Strecke machen. Dass wir unseren Anschlusszug in Villach erreichen würden, davon gingen wir nicht aus. Doch wir hatten Glück, mit „nur“ 4 Stunden Verspätung kamen wir in Villach an und erreichten unseren Zug nach Deutschland. Sollte ein Anschluss in Villach aufgrund der Verspätung nicht erreicht werden, kann man sich dies übrigens am Terminal bestätigen lassen. Man hat dann freie Zugwahl für die Fahrt bis an den Zielbahnhof.

Laut Aussage eines Schaffners ist die Verspätung Richtung Westen immer geringer als in die andere Richtung, anscheinend soll der Zug sogar schon pünktlich in Villach angekommen sein. Richtung Osten hat der Zug hingegen wohl meistens mehrere Stunden Verspätung, hier sind auch im Fahrplan einige Stunden weniger veranschlagt.

Ich bin schon viele Nachtzüge in meinem Leben gefahren, aber die Fahrt im Optima Express hat einen ganz besonderen Stellenwert für mich. Das alte Wagenmaterial, der Speisewagen, die vielen Grenzkontrollen und das stundenlange (ja fast sogar tagelange) Klackern der Schienen, während man den Kopf aus dem Fenster strecken kann, sorgt für ein einmaliges Erlebnis. Sollte ich nochmals in die Türkei fahren, werde ich wieder diese Verbindung wählen. Und wer weiß, vielleicht kommt der Zug eines Tages tatsächlich pünktlich in Edirne an, wenn der Ausbau der Schienen in Serbien wie geplant fortschreitet.

Infos:

  • Der Optima Express fährt jedes Jahr von April bis November, Fahrplan und Tickets sind zu finden unter https://www.optimatours.de/
  • Zugverbindungen in der Türkei finden und buchen: https://ebilet.tcddtasimacilik.gov.tr oder https://bilet.tcdd.gov.tr/
  • Für Busverbindungen in der Türkei am besten vor Ort am Busterminal nachfragen, dort wird einem weitergeholfen und man zahlt weniger als wenn man die Tickets online bucht. Kurzfristige Verbindungen sind fast immer zu bekommen.

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