mit dem Zug durch Europa

Schlagwort: Nachtzug

Auf Landweg von Mitteleuropa in den Kaukasus

Im November 2025 fuhr ich auf Landweg bis in den Kaukasus. Die Strecke führte über den Balkan, einmal komplett durch die Türkei und schließlich nach Georgien und anschließend nach Armenien. Auf dem Hinweg und Rückweg fuhr ich dabei auf leicht abgeänderten Routen. Insgesamt verbrachte ich auf dieser Reise 10 Nächte in Liege- oder Schlafwägen, unter anderem waren das der Optima Express, der Doğu Ekspresi in der Türkei sowie der Nachtzug von Tiblisi nach Jerewan. Über jeden einzelnen dieser Züge würde es sich lohnen einen eigenen Bericht zu schreiben, ich versuche trotzdem die ganze Reise in einem Blogbeitrag zu behandeln.

Los ging es mit dem ICE Sprinter von Berlin Hbf nach München Hbf. Dieser benötigte aufgrund von Bauarbeiten schon laut Fahrplan 1,5h länger als normalerweise, da der Zug auf dem Weg von Halle nach Erfurt falsch abbog kam dazu noch eine Stunde Verspätung dazu – das hat schon mal gut angefangen. Zum Glück habe ich mir eine Verbindung mit einem geplanten Aufenthalt von 1,5h in München gebucht, sodass ich in München den Zug nach Villach Hbf trotzdem erreichte. Nach dem Einchecken am Terminal fuhr ich am Abend mit dem letzten Optima Express des Jahres in östlicher Richtung von Villach nach Edirne in der Türkei weiter.

Ich hatte ein Liegewagenabteil zusammen mit zwei älteren Herren. Viel Zeit verbrachte ich aber vor allem mit Cari und Matthias vom YouTube Kanal Easy German, die zufälligerweise im gleichen Zug waren. Ich bin nun in einem ihrer Videos zu sehen. Viel Zeit, um diese miteinander zu verbringen, hatten wir. Die Fahrt dauerte, verglichen mit der Fahrt von vor 2 Jahren, bei der ich 9 Stunden Verspätung hatte, dieses mal noch länger. Als wir am 3. Tag in Edirne ankamen, war es bereits dunkel. Nachdem wir Bargeld besorgt hatten ging es zum Busbahnhof und mit dem nächsten Bus nach Istanbul. Dort verabschiedeten wir uns und ich ging ins Hostel, in dem ich um 1 Uhr in der Nacht ankam.

Am nächsten Tag besichtigte ich Istanbul, eine Stadt von der ich immer wieder aufs neue begeistert bin. Mit meiner Kamera ausgestattet, gelangen mir einige gute Schnappschüsse. Am zweiten Tag in Istanbul ging es morgens zum Bahnhof Söğütlüçeşme, von dort mit dem Hochgeschwindigkeitszug YHT nach Konya. Dort verbrachte ich zwei Tage bei Freunden und besuchte unter anderem Çatalhöyük, der ältesten bekannten Großsiedlung der Menschheitsgeschichte. Die Ruinen sind fast 10.000 Jahre alt. Außerdem besuchte ich eine Vorstellung mit traditionellen Derwischen, die sich in Trance tanzten.

Für drei Tage fuhr ich anschließend nach Izmir. Das lag zwar nicht auf meinem Weg, dorthin gibt es aber gute Nachtzugverbindungen womit sich der Umweg nicht weit angefühlt hat. Und gut schlagen konnte ich, für um die 41 € hatte ich ein eigenes Schlafwagenabteil mit super bequemen Bett, Waschbecken und sogar einen Kühlschrank mit Minibar im Abteil. Sogar einen Speisewagen, in dem man sich Abendessen zubereiten lassen kann, gab es. In Izmir besichtigte ich am ersten Tag die Stadt, am zweiten Tag fuhr ich nach Çamlık, etwa eineinhalb Stunden südlich von Izmir. Dort gibt es das größte Dampflokmuseum in der Türkei, es gleicht aber mehr einem Park wie einem richtigen Museum. Sehenswert war es trotzdem. Auch verbrachte ich viel Zeit im gemütlichen Hostel, in dem ich zwei Jahre zuvor bereits gewesen bin.

Der nächste Nachtzug brachte mich von Izmir nach Ankara. Wieder hatte ich für unter 45 € ein Schlafwagenabteil für mich alleine. In Ankara hatte ich einige Stunden Aufenthalt, schloss mein Gepäck am Bahnhof ein und machte mich auf in die Kalesi, der Altstadt sowie der Anıtkabir, dem Mausoleum von Atatürk. Die Burg oberhalb der Kalesi war echt schön und es gibt einige tolle Antik-Läden dort. Mit dem Personenkult um den Staatsgründer kann ich nichts anfangen, die Anıtkabir einmal zu erleben kann ich dennoch jedem empfehlen.

Um halb 6 war es dann so weit: Auf Bahnsteig 1 am Bahnhof Ankara Gar rollte der Doğu Ekspresi ein, einer der legendärsten Züge überhaupt. Für die nächsten 26 Stunden war das mein Zuhause, im Liegewagen zusammen mit zwei Neuseeländern, welche die einzigen anderen Touristen im Zug waren. Die Liegen waren die bequemsten Liegen die ich jemals in einem Liegewagen erlebt habe. Es gab ein Bordrestaurant, welches bis tief in die Nacht und ab früh morgens Essen, Getränke und Snacks zu kleinen Preisen verkaufte, sowie bezaubernde Aussichten aus den Fenstern. Und das ganze zu einem Preis von ca. 25€. Wenn ich gerade nicht am Fotos machen, Reden, Essen oder Çay trinken war, las ich in meiner Reiselektüre. In Erzican und Erzurum konnte ich außerdem kurz auf den Bahnsteig aussteigen. Abends kam der Zug nach seinem langen Laufweg in Kars an.

Von Kars aus sind es keine 70 km bis zur Grenze nach Armenien. Doch die Grenze ist seit über 30 Jahren geschlossen, wer auf Landweg nach Armenien weiter will muss einen Umweg über Georgien nehmen. Nach Georgien gibt es seit einigen Jahren eine Eisenbahnlinie, auf dieser fahren aber noch immer keine Personenzüge. Von Kars aus gibt es aktuell auch leider keine direkte Busverbindung nach Georgien. Die einzige Busverbindung besteht aus einem Bus, welcher in Richtung Hopa am Schwarzen Meer fährt. Ganz in der Nähe liegt der Grenzübergang Sarp. Den direkteren Grenzübergang Turközü kann nur mit Trampen erreicht werden.

Doch zuerst hatte ich noch einen Tag Aufenthalt in Kars, an dem ich die alte Hauptstadt Armeniens mit dem Namen „Ani“ besichtigen wollte. Nachdem mich Passanten auf die Frage nach Bussen dorthin immer wieder in andere Richtungen schickten beschloss ich, dorthin zu trampen. Bis zu einer Tankstelle außerhalb der Stadt ging das super schnell, direkt das dritte Auto hatte angehalten. Doch dann wollte mich für längere Zeit keiner mehr mitnehmen, bis nach 45 Minuten ein Farmer mit einem Kalb im Fußraum des Beifahrerplatzes anhielt. Aufgrund der geringen Erfolgsquote stieg ich oberhalb des Kalbs ein und der Fahrer brachte mich bis nach Ani, einem gleichnamigen Bauerndorf direkt vor der Ausgrabungsstätte.

Die Ruinenstadt liegt direkt an der Grenze zu Armenien, auf der anderen Flussseite konnte man eine armenische Siedlung sehen. Es gibt einige interessanten Gebäude, an einigen Stellen fanden Bauarbeiten statt. Sehr verstörend fand ich die Tatsache, dass auf allen Infotafeln in Ani nicht ein einziges mal das Wort „Armenien“ zu finden war, und das bei der ehemaligen Hauptstadt eben dieses Volkes. Der Genozid an den Armeniern ist weiterhin ein Tabuthema in der Türkei, weswegen über Armenien einfach geschwiegen wird. Das habe ich auch auf der Rückfahrt erlebt, bei der mich zwei Türkinnen nach Kars mitnahmen. Wir unterhielten uns freundlich und intensiv, doch als ich berichtete, dass ich nach Armenien reisen werde, herrschte schlagartig Stille im Auto.

Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Bus um 10 Uhr von Kars nach Hopa am Schwarzen Meer. Die Fahrt dauerte ca. 6,5 Stunden und kostete mich 650 Lira, also ca. 13€. In Hopa wird man direkt gegenüber der Minibus-Haltestelle herausgelassen, dort musste ich 60 Lira für den Minibus bis zum Grenzübergang Sarp bezahlen, was etwa 40 Minuten gedauert hat. Der Minibus fuhr die letzten Kilometer an einer nicht endenden Schlange an LKWs vorbei, die alle auf den Grenzübertritt warteten. Ohne Auto hat man die Grenzkontrolle dagegen schnell hinter sich, in 30 Minuten war ich auf der anderen Seite. Es ist aber ein langer Fußmarsch mit vielen Treppen, da alle Rolltreppen defekt waren. Direkt vor dem Ausgang des Grenzübergangs wartete gerade eine Marschrutka (die russische Bezeichnung für Minibus) nach Batumi, Kostenpunkt 2 Lari oder ca. 60 Cent. Es gibt viele Wechselstuben direkt an der Grenze, die Wechselkurse sind jedoch sehr schlecht. Ich habe hier nur etwas Geld für den Bus gewechselt.

In Batumi blieb ich zwei Nächte. Direkt am ersten Abend freute ich mich sehr über die georgische Küche, nachdem die türkische Küche in Ostanatolien als Vegetarier sehr eingeschränkt war. Am nächsten Tag besichtigte ich die Stadt mit den vielen Casinos und ihrer großen Strandpromenade. Tatsächlich hatte es Ende November an diesem Tag noch über 20 Grad. Ein großer Kontrast zu den -5 Grad in Kars nur einen Tag zuvor. Baden im Schwarzen Meer bin ich trotzdem nicht mehr gewesen.

Wieder ein Tag später fuhr ich morgens mit dem Bus zum etwas außerhalb der Stadt liegenden Bahnhof. Dort fuhr um 8 Uhr der Zug nach Tbilisi ab, Kostenpunkt etwa 12 €. Die Fahrtzeit betrug regulär 5:17 Stunden, ich kam allerdings mit etwas Verspätung an. Wie ich kurz vorm Schreiben dieses Blogbeitrags in den Nachrichten gelesen habe, sollte die Verbindung durch die Neubaustrecke Chašuri-Zestaponi nun stabiler sein und auch die Fahrzeit konnte Anfang 2026 auf unter 5 Stunden verkürzt werden. Doch ich fuhr im November noch über die nur im Schneckentempo befahrbare alte Trasse durch das Gebirge.

In Tbilisi hatte ich einen halben Tag Pause, wieder schloss ich mein Gepäck ein und machte mich mit der Kamera auf den Weg in die Altstadt, aß ausgiebig zu Mittag und machte tolle Bilder von der Stadt, die mir sehr gut gefiel. Am Abend ging es dann in den letzten Zug meiner Anreise, der Nachtzug von Tbilisi nach Jerewan. Dabei handelt es sich um einen Zug russischen Fabrikats. Es gibt 3 Kategorien: 2er Kabine, 4er Kabine und Platzkart. Bei Platzkart handelt es sich um einen Großraumwagen voll mit Betten. Ich entschied mich für die 4er Kabine, die ich mir mit einer weiteren Person teilte. Das Ticket in dieser Kategorie kostete mich um die 43 €. Jeder Wagen hat Heißwasserspender für Instant-Nudeln oder Tee sowie eine richtig große Dusche, wie ich es davor noch nie in einem Zug gesehen habe. Die Schienen wahren sehr wackelig, ich konnte trotzdem ganz gut schlafen. Auf georgischer Seite musste ich aussteigen um meinen Stempel im Pass zu bekommen, auf der armenischen Seite kamen die Grenzbeamten mit mobilen Geräten in den Zug.

Am frühen Morgen kam ich in Jerewan am wunderschönen Bahnhof an, an dem die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. An einigen Stellen sind Hammer und Sichel in den Ornamenten zu finden. Für die Metro wird eine Karte benötigt, welche nur mit einer armenischen Nummer aufzuladen ist. Zum Glück hat mir eine Einheimische Ihre Nummer gegeben, ich wüsste nicht wie ich sonst mit der Metro hätte fahren können. Mit der Metro fuhr ich also in die Innenstadt, wo ich in einem Café frühstückte. Nach einiger Zeit fuhr ich weiter zum Hostel, wo ich die nächste Woche verbringen werde. Ich bin in Jerewan für ein Erasmus Projekt zum kulturellen Austausch. Da dies ein Blog über das Zugreisen ist, werde ich hierzu nicht allzu viel schreiben. Es war aber auf jeden Fall eine tolle Zeit mit den Menschen aus verschiedensten Ländern. Auf dem Programm standen ein Besuch im Parlament sowie eine Diskussionsrunde mit einer Politikerin, Sightseeing, Teambuilding und vieles mehr.

Für den Heimweg verwendete ich grob die gleichen Verbindungen, jedoch mit einigen Abweichungen, weswegen ich die Heimreise hier ebenfalls beschreiben möchte. Zuerst ging es mit dem Nachtzug zurück nach Tbilisi, diesmal in der günstigsten Kategorie Platzkart was mich 33 € kostete. Da ich der einzige Passagier in dieser Kategorie und damit im ganzen Wagon war (im ganzen Zug waren es vielleicht 20 Passagiere), bot mir der Schaffner ein eigenes Abteil an. Da sagte ich natürlich nicht nein. In Tbilisi hatte ich diesmal 2 Tage, den ersten machte ich einen Ausflug nach Gori und besuchte dort das Stalin-Museum. Das Museum ist völlig skurril, hier hat sich seit der Sowjetunion nichts geändert und Stalin, der aus Gori stammt, wird glorifiziert. Nur ein kleiner Raum unter der Treppe beschäftigt sich damit, dass „nicht nur alles gut war“. Am zweiten Tag zeigte mir eine Teilnehmerin des Projekts aus Jerewan, die in Tbilisi wohnt, die Stadt aus Sicht einer Einwohnerin. Die Stadt machte auf den zweiten Blick einen noch besseren Eindruck wie beim ersten kurzen Besuch. Leckeres Essen, nette Cafés, tolle Architektur sowie Natur und Berge – diese Stadt hat alles.

Von Tbilisi nach Batumi fuhr ich wieder mit dem Zug und übernachtete dort. Am nächsten Morgen ging es mit der Marschrutka zur Grenze, anschließend mit dem Minibus nach Hopa. Doch diesmal fuhr ich von dort nicht mehr nach Kars zurück, sondern für 700 Lira nach Erzurum. Die Fahrtdauer nach Erzurum ist kürzer wie nach Kars, der Zug nach Ankara hält hier außerdem 4 Stunden später. Somit konnte ich mir einiges an Fahrtzeit einsparen. Der Bus bot außerdem viel mehr Beinfreiheit und es gab Tee und Wasser vom Busbegleiter (aber davon wusste ich vor der Fahrt noch nichts). Einziges Manko war, dass der Busbahnhof in Erzurum leider sehr weit weg von der Stadt ist, ich konnte keine Busverbindung finden und habe am Ende für die 15 Minuten Taxifahrt zur Innenstadt nochmal 450 Lira zahlen müssen.

Nach etwas Sightseeing am Abend und Morgen ging es nach einer Nacht in Erzurum mit dem Doğu Ekspresi um 12:14 Uhr zurück nach Ankara, wieder im Liegewagen. Diesmal war das Abteil voll besetzt, mit meinen Abteilkollegen konnte ich aufgrund einer Sprachbarriere nur mit Händen kommunizieren. Dafür sprach der Koch im Restaurantwagen fließend Deutsch, da er in Hanau aufgewachsen ist. Nach Ankunft in Ankara am Morgen kaufte ich mir am Fahrkartenschalter ein Ticket für den nächsten Zug nach Istanbul, der bereits 25 Minuten nach Ankunft der Doğu Ekspresi abfuhr. In Istanbul machte ich dann nochmals für eine Nacht Pause.

Nach einem weiteren Tag Sightseeing in Istanbul, diesmal in einer großen Gruppe mit anderen Reisenden vom Hostel, ging es abends mit dem Sofia Ekspresi nach Sofia. Tickets für diesen Zug kosten 38 € und können am Bahnhof Sirkeci in der Altstadt von Istanbul gekauft werden. Der Zug fährt in Halkalı los, dem Bahnhof am westlichen Ende der Marmaray Bahn welche durch Istanbul verläuft. Dort gibt es nur Snackautomaten, außerhalb gibt es zum Glück einen nur kurz entfernten Imbisswagen mit dem Namen „Vagon“, in dem ich noch etwas warmes zum Essen gefunden habe. Ich teilte mir den Liegewagen wieder nur mit einer Person. Getränke, Essen oder sonstige Annehmlichkeiten gibt es in diesem Zug nicht, der Zug kam dafür 1,5 h vor der Zeit im Fahrplan in Sofia an. Eine willkommene Abwechslung. In Sofia war ich zuletzt vor über 10 Jahren und es war interessant, Orte von damals wieder zu entdecken.

Ich hatte lange überlegt, ob ich die schienengebundene Verbindung über Bukarest nach Budapest wählen soll, oder die wesentlich schnellere Verbindung über Belgrad, bei der ich aber ein Stück mit dem Bus fahren muss. Letztendlich entschied ich mich für die Verbindung über Serbien, und so fuhr ich am nächsten Morgen um 9 Uhr am Busbahnhof los. An der Grenze mussten wir 1,5 h warten, bis unser Bus endlich passieren durfte. Doch in nur 6 Stunden waren wir in Belgrad, für 38 €. Hier übernachtete ich wieder für eine Nacht und verbrachte die Zeit mit Sightseeing sowie fotografieren von Brutalismus-Gebäuden in Novi Beograd, was ein Brutalismus-Paradies ist.

Um 11 Uhr fuhr ich auf der nach langen Verzögerungen seit Oktober eröffneten Strecke von Beograd bis nach Subotica. Dort hatte ich eine Stunde Aufenthalt, den ich in einem Café verbrachte. Mit der die Grenze überschreitenden Regionalbahn ging es anschließend nach Szeged in Ungarn. Von dort aus mit einem IC weiter nach Budapest. In Summe kostet diese Fahrt gerade einmal 22€, und das beim Kaufen der Tickets am Tag der Reise. Durch die Eröffnung der Strecke von Novi Sad nach Subotica hat sich bereits unglaublich viel verbessert, hoffentlich wird auch die direkte Verbindung von Subotica nach Budapest ebenfalls bald eröffnet.

Um 18:09 Uhr kam ich in Budapest-Nyugati an. In Szeged besorgte ich mir bereits Tickets für den Nachtzug nach Berlin, die mit 56€ im Liegewagen ebenfalls super günstig waren. Dieser fuhr um 19:30 Uhr am selben Bahnhof ab. Es war der 14. Dezember, der Tag des Fahrplanwechsels. Und so kam es, dass ich Berlin nicht über einen Umweg über den Ausenring, sondern über die neue Dresdner Bahn erreichte. Und wie es sich für die Deutsche Bahn gehört natürlich mit einer Verspätung von über einer Stunde.

Nach 10 Übernachtungen im Zug und über 12.500 km die ich zurückgelegt habe kam ich wieder in Berlin an. Was eine Reise! Während für alle anderen Teilnehmer des Erasmus+ Projekts dieses Projekt ein alleinstehendes Event war, war es für mich nur ein Teil eines größeren Abenteuers. Und ich habe es sowas von genossen. Reisen außerhalb der Haupturlaubszeit ist einfach toll, ich fand in allen Hostels ein Bett ohne zuvor reservieren zu müssen und auch viele der Zugtickets habe ich direkt am Abfahrtstag erst gekauft, eine Flexibilität die man im Sommer bei vollen Zügen und Hostels nicht hat.

Ich hoffe ich konnte auch dich für eine Zugreise begeistern, sei es an einen Ort in der Nähe oder doch bis in den Kaukasus.

Wie alles begann – Einmal um die Adria vor 10 Jahren

Heute berichte ich von meiner ersten großen Interrail-Reise, als ich vor 10 Jahren einmal um die Adria gereist bin. Ich habe dazu einmal das Foto-Archiv durchwühlt und Notizen von damals gelesen, um diese Reise zu rekonstruieren. Rückblickend ist es sehr interessant zu sehen, was sich seitdem im Schienennetz in Europa getan hat – sowohl positives als auch negatives. Viele der Verbindungen auf dem Balkan, mit denen wir damals gefahren sind, gibt es heute nicht mehr. Durch die Alpen hat sich das Zugreisen hingegen beschleunigt und auch die in- und outbound journey im Interrail Pass macht das Reisen heute komfortabler als damals.

Fahrstrecke der Interrailreise 2015
Fahrstrecke der Interrailreise 2015

Los ging es mit dem RE nach Stuttgart, wo der Hauptbahnhof damals eine riesige Baustelle war – so wie auch noch heute. Damals fanden wir eine große Baugrube vor, heute sind einige Teile des neuen Bahnhofs bereits fertiggestellt. Da man mit dem Interrail Ticket ausschließlich im Ausland fahren durfte, waren wir am ersten Tag mit dem Baden-Württemberg Ticket unterwegs. Den IC nach Zürich, heute für den Regionalverkehr innerhalb Deutschlands freigegeben, durften wir mit unserem Ticket nicht fahren. Also ging es anschließend nach Ulm und von dort aus mit dem RE nach Schaffhausen und Zürich.

Nach einem Aufenthalt von 2 Stunden in Zürich fuhren wir mit dem EC nach Mailand. Dort besuchten wir am folgenden Tag die EXPO15, eine riesige Messe, auf der sich die Länder der Welt vorstellen. Architektonisch waren einige „Pavillione“ sehr spannend, den genauen Sinn hinter der Expo habe ich aber ehrlicherweise nicht wirklich verstanden und verstehe ihn bis heute nicht so richtig. Es war aber auf jeden Fall eine spannende Veranstaltung.

Da die Hostels in Mailand aufgrund der Expo alle ausgebucht waren oder sehr teuer waren, fuhren wir nach zwei Nächten weiter. Unser nächster Stopp war Ancona, von wo aus unsere Fähre nach Griechenland losfuhr. Aus irgendeinem Grund fuhr die Fähre an diesem Tag erst mehrere Stunden später ab, sodass wir einen halben Tag am Porta Pia darauf warteten, dass die Fähre bereitsteht. Mit dem Interrail Ticket sollte die Fähre eigentlich inkludiert sein, am Ende bezahlten wir mit den ganzen Zuschlägen (Hochsaisonszuschlag, Treibstoffzuschlag, Hafenzuschlag) dann doch 42€. Die 22h auf der Fähre verbrachten wir auf dem Deck, nachts schliefen wir auf unseren Isomatten. Das klingt vielleicht ätzend, doch ich habe die Fährfahrt in guter Erinnerung. Es war sehr entspannt, wir spielten Karten und lernten eine Familie kennen, die uns einlud, auf dem Rückweg in Innsbruck bei ihnen Halt zu machen.

In Patras (Griechenland) verbrachten wir eine Nacht in einem Hostel, welches ich bis heute als das dreckigste Hostel in meinem Leben bezeichne. Die Bettlaken waren mal weiß, inzwischen waren sie aber gelb. In der Dusche wusste man nicht, ob die Fugen aus Beton, Holz oder Schimmel bestehen und der Durchlauferhitzer in der Duschkammer hatte keine Verkleidung mehr, die offenen Stromkabel hingen direkt neben der Duschbrause. Wir schliefen in unseren Schlafsäcken und verließen das Hostel am nächsten Morgen.

Von Patras nach Athen wird die Eisenbahn ausgebaut. Deswegen mussten wir mit einem Bus fahren, der allerdings von Trainose betrieben wurde und im Interrail Ticket inkludiert war. In Akrata stiegen wir aus und liefen zum Zeltplatz Akrata Beach Camping, wo wir für einige Tage blieben. Mittags wurde es seehr heiß und die Zirpen, welche auf allen Bäumen hockten, machten einen unglaublichen Krach, erst nachts wurde es wieder still. Während der Mittagshitze verbrachten wir die Zeit am Kiesstrand des Campingplatzes.

An einem Tag machten wir einen Tagesausflug nach Diakopto, um von dort aus mit der Schmalspurbahn nach Kalavryta zu fahren. In Diakopto sah der neue Bahnhof für die Strecke Patras – Athen eigentlich schon fertig aus, doch in der Realität fährt auch heute, 10 Jahre später, noch kein Zug bis Patras auf dieser Strecke. Das Sparprogramm, welches der Regierung von der EU aufgedrängt wurde, hat eine Fertigstellung immer wieder verhindert. Aktuell heißt es, dass die Strecke 2026 eröffnet wird, wir werden sehen.

Die schmale Bahnstrecke, welche das Vouraiko Tal entlangführt, war wunderschön. Oben angekommen machten wir eine kleine Wanderung und sahen uns in dem Ort um, welches leider eine dunkle Geschichte hat. Nazi-Deutschland hat während des zweiten Weltkrieges das ganze Dorf niedergebrannt und alle Männer hingerichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass das Terrorregime auch im Südosten Europas wütete. Wie gut, dass auch heute noch darauf mit Infotafeln aufmerksam gemacht wird.

Auf der Rückfahrt fuhren wir nur bis zum Mittelstation mit dem Zug und wollten den Rest zu Fuß wandern. Wir dachten, die Mittelstation wäre die erste Station vor Diakopto auf der Karte, doch es gibt Bahnhöfe, die nicht mehr angefahren werden. So war die Wanderstrecke nicht nur 5km lang, sondern 12km. Außerdem stellte sich heraus, dass es keinen Wanderweg gibt. Man konnte nur auf den Schienen weiter nach unten laufen, und das taten wir auch. Die Mittagssonne prallte uns auf den Kopf, unsere Wasservorräte neigten sich dem Ende zu. Als laut Fahrplan bald ein Zug wieder vorbeikommen sollte, machten wir im Fluss Pause um uns abzukühlen. Danach ging es weiter bergab, bis wir endlich in Diakopto ankamen. Im ersten Kiosk kauften wir mehrere Flaschen Wasser und jeder trank fast einen Liter davon.

Als nächste Station der Reise machten wir in Korinth Stopp. Bis Kiato mussten wir dafür den Bus nehmen, von dort aus fuhren, wie auch heute noch, Züge weiter nach Athen. Wir hatten alle frisch das Abi gemacht und mussten als Prüfungslektüre Homo Faber lesen, was unter anderem auf Akrokorinthos spielt. Dorthin wanderten wir und besuchten die Runie der Festung auf dem Berg. Im Bed&Breakfast hatten wir ein bombastisches Frühstück und Abendessen, da der Besitzer in einem Restaurant arbeitete und uns von allen Gerichten etwas am Abend mitgebracht hat.

Danach ging es weiter nach Athen, der Hauptstadt Griechenlands. Das Parlamentsgebäude war damals in den deutschen Nachrichten oft zu sehen, die Schuldenkrise Griechenlands war im vollen Gange. Noch berühmter ist natürlich die Akropolis, welche wir ebenfalls besichtigten. Viel Zeit verbrachten wir dort oben allerdings nicht, die Stadt ist im August unglaublich heiß. Wir hatten jeden Tag fast 40°, besonders schlimm war es bei der Akropolis, da es nicht einen einzigen Baum dort oben gibt und durch die Steine überall die Luft noch weiter aufgeheizt wird. Wir machten die obligatorischen Bilder und gingen schleunigst wieder den Berg hinunter.

Der nächste Stopp hieß Meteora-Klöster. Da der Zug, welchen wir von Athen aus nehmen wollten, bereits voll war (man musste Sitzplätze reservieren, was nur am Bahnschalter möglich war), fuhren wir mit einem späteren Zug nach Paleofarsalos. Das ist ein kleiner Bahnhof, der gleichzeitig aber ein Drehkreuz im Schienennetz Griechenlands darstellt. Von hier aus muss man in die Züge umsteigen, welche nach Kalambaka fahren. Wir übernachteten in der Wartehalle des Bahnhofs, die erste Nacht seit einer Woche mit Klimaanlage. Mit dem ersten Zug ging es nach Trikala, wo wir im Hostel am frühen Morgen unser Gepäck abgaben. Danach ging es mit dem nächsten Zug weiter nach Kalambaka, wo wir zum ersten Kloster liefen und um Punkt 8 Uhr die ersten Gäste des Tages waren.

Die Meteora-Klöster befinden sich alle auf steilen Klippen und geben eine beeindruckende Kulisse. Wir besuchten zwei davon, bevor es wieder zurück nach Trikala ging. Dort machten wir am nächsten Tag eine weitere Wanderung, bevor es mit dem Zug nach Thessaloniki ging.

In Thessaloniki fuhren wir für einen Tag an einen Strand und besorgten uns ein Zugticket nach Sofia für den nächsten Tag. Am frühen Morgen fuhr der Zug los, auf den letzten Kilometern vor der bulgarischen Grenze nur in Schrittgeschwindigkeit aufgrund der maroden Strecke. Zwei Jahre später wurde deswegen nur ein Busservice für diese Strecke angeboten, wir fuhren noch durchgehend auf den Schienen. Inzwischen gibt es auf dieser Verbindung gar keine Züge mehr.

Bei Einfahrt nach Sofia sahen wir bis zum Horrizont nur Müll, anschließend fuhr der Zug durch einen Art Slum, es sah furchtbar aus. Am Bahnhof wurden wir von einem Mann belästigt, der Geld von uns haben wollte und nicht locker ließ. Der erste Eindruck der Stadt war wirklich nicht gut – das änderte sich schlagartig, als wir eine unscheinbare Metalltür öffneten und im Innenhof des Hostels Mostels ankamen. Durch den „Bast Balkan Pass“, den wir in Trikala erhielten, bekamen wir einen 10% Discount und zahlten nur 8,10€ pro Nacht für ein tolles Hostel mit gratis Kaffee, gratis Frühstück, gratis Abendessen (!) und gratis WLAN. PCs zum surfen gab es auch, tatsächlich hatte keiner von uns eine Internetflat für das Ausland (Roming in der EU war sündhaft teuer) und wir waren immer offline unterwegs. Das Hostel veranstaltete auch unterschiedliche Aktivitäten.

An einem Tag machten wir einen Ausflug zu einem Wasserfall in den Bergen bei Sofia. Als der Bus, auf den wir warteten, eintraf, war dieser mit dem Satz „Für die Umwelt – fahr mit dem Bus“ beschriftet. Auch alle Sicherheitshinweise im Bus waren auf deutsch und weiteren westeuropäischen Sprachen, auf bulgarisch stand nichts. Hier landen also alle Busse, welche bei uns ausgemustert werden.

Die nächste Zugfahrt fand in Schlafwägen statt, auf denen an einigen Ecken noch das Logo der Deutschen Reichsbahn (aus der DDR) zu finden war. Es war der Nachtzug von Sofia nach Belgrad, welchen es inzwischen ebenfalls nicht mehr gibt. Angekommen sind wir im alten Bahnhof von Belgrad, der damals noch in Betrieb war. Heute befindet sich ein neuer Stadtteil auf dem Gleisvorfeld des damaligen Bahnhofs, auf dem bereits der Orient Express halt machte, und nur das Hauptgebäude hat überlebt. Obwohl die Reisedauer für die Strecke schon im Fahrplan lange angegeben war, hatten wir mehrere Stunden Verspätung, als wir in Belgrad ankamen. Auf der Reise mit dem Optima Express vor 2 Jahren war es nicht anders, die Strecken in Südserbien sind weiterhin in einem katastrophalen Zustand. Doch im Vergleich zu damals gibt es heute keine Zugverbindung mehr über diese Strecken.

In Belgrad verbrachten wir zwei Nächte in einem Hostel und besichtigten die Stadt. In diese Zeit fiel auch der Sieg der Nationalmannschaft in der Wasserball-WM, wo wir zufälligerweise auf eine große Feier mit den Spielern vor dem Parlamentsgebäude stießen. Ansonsten ist mir besonders das von der NATO zerstörte Armeegebäude mitten in der Stadt in Erinnerung geblieben. Mehrmals wurden wir von Einheimischen darauf hingewiesen, dass wir dies besichtigen sollen. Eine kritische Aufarbeitung der Jugoslawienkriege gab es in diesem Land bisher noch nicht.

Auch die nächste Zugverbindung, die wir damals nahmen, existiert heute nicht mehr, nämlich von Belgrad nach Zagreb. Wir stiegen allerdings in Slavonski Brod aus, eine Stadt im Osten Kroatiens. In Slavonski Brod gab es das anscheinend größte Freiluftgemälde der Welt, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass dieser Rekord heute noch gilt. Außerdem besuchten wir alte Militäranlagen aus der Zeit Österreich-Ungarns. Für einen Tag ging es auf die andere Seite der Save nach Bosnien-Herzegowina.

Unser nächster Stopp hieß Zagreb, wo viele Migranten sich am Bahnhof aufhielten und versuchten, weiter nach Norden oder Westen zu gelangen. 2015 war auch das Jahr der großen Fluchtbewegung von Syrien nach Europa, auf dem Balkan bekamen wir immer wieder etwas davon mit. In der wunderschönen Stadt blieben wir für zwei Nächte.

Danach ging es weiter nach Lubljana, eine Stadt, die mir besonders durch die vielen Fußgängerzonen und die tolle Innenstadt in Flussnähe im Kopf geblieben ist. Am Wochenende fand direkt am Fluss ein Markt statt, an dem man lokale kulinarische Highlights essen konnte.

Am Faaker See besuchten wir die Familie einer der Personen aus unserer Gruppe beim Familienurlaub. Unsere Zelte, welche wir seit Griechenland nicht mehr verwendeten, kamen hier wieder zum Einsatz. Dort stellte sich uns die Frage, wie unsere Route weiter in Richtung Deutschland verlaufen sollte. Ein Teil der Gruppe wollte nach Wien, ein Teil nach Venedig. Schlussendlich fragten wir uns: „Warum entweder oder, warum nicht beides?“ So kam es, dass wir erst nach Venedig und anschließend zurück nach Wien fuhren.

Venedig ist wunderschön, es ist kaum zu glauben, dass dieser Ort tatsächlich existiert. Deswegen kommen Millionen von Besuchern jedes Jahr – die Stadt leidet extrem unter Massentourismus. Durch alle Gassen muss man sich drücken, die Preise sind viel teurer als im Rest Italiens. Natürlich bringt der Spruch „Touris sind immer die anderen“ nichts. Ich habe für mich beschlossen, nicht mehr nach Venedig zurück zu kommen und nicht nochmal Teil des Problems zu sein. Aber ganz ehrlich: Für einen einmaligen Besuch lohnt es sich, es ist genauso schön wie man es sich vorstellt.

Nach Wien mussten wir die erste Strecke mit dem Bus fahren, Ersatzverkehr, da die Bahnstrecke für einige Tage gesperrt war. Ab Villach ging es über die Südbahn nach Wien. Dort stand für mich ein Wiener Schnitzel auf dem Programm. Ansonsten haben wir uns alle Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen, den Prater, Schloss Schönbrunn und wie sie alle heißen.

Nach zwei Nächsten in Wien ging es mit dem Railjet nach Tirol, nach Innsbruck. Die Familie, welche wir am dritten Tag unserer Reise auf der Fähre getroffen hatten, hat uns damals angeboten, im schönsten Garten der Stadt unser Zelt aufzuschlagen. Sie haben nicht übertrieben, auf dem Grundstück gab es einen natürlichen Wasserfall, einen Blick über die Stadt bis zur Schischanze, einen Pool – sie hatten nicht übertrieben. Wir verbrachten die Zeit mit Wandern zu Almhütten oder Kartenspielen im Garten.

Mit diesem tollen letzten Stopp beendeten wir unsere Tour, am 30. Tag des Interrail Tickets ging es zurück nach Deutschland.

Im Frühjahr von Deutschland bis nach Palermo

Im März 2025 ging es zum zweiten Mal für mich mit dem Zug nach Sizilien. Nachdem ich vor 3,5 Jahren im Osten der Insel war (siehe Beitrag hier), sollte es diesmal in den Westen der großen Mittelmeerinsel gehen.

Wohin die Reise genau gehen sollte, stand am ersten Tag tatsächlich noch gar nicht fest. Mit zwei Freunden und je einem 5-Tage-Interrail-Pass auf dem Handy fuhren wir am Ersten Tag über München mit dem Direktzug bis nach Bologna. Dort planten wir unsere weitere Route anhand der Wettervorhersage in verschiedenen Regionen des Landes.

Bologna ist eine wunderschöne Stadt, die besonders durch die vielen Arkaden heraussticht. Diese gibt es in nahezu allen Straßen der Stadt und sogar außerhalb der Stadt für 2km den Berg hinauf zum Santuario della Madonna di San Luca. Die vielen Türme in der Stadt und eine nie fertiggestellte Kathedrale sind weitere Highlights der Stadt. Außerdem ist es eine sehr fußgängerfreundliche Stadt, welche durch ein Tempo-30 Limit die Zahl der Verkehrstoten auf 0 im letzten Jahr senken konnte. Auch ein neues Tram-Netzwerk wird aktuell in Bologna gebaut, nachdem das alte Netz in den 60er Jahren stillgelegt wurde. Kurzgesagt: Bologna ist eine Stadt, von der viele Städte in Deutschland lernen können und in der Verkehrswende gelebt wird.

Nach zwei Tagen in Bologna fuhren wir mit einem Frecciarossa am Morgen bis nach Salerno, dem südlichsten Punkt des italienischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Dort und im schnuckeligen Städtchen Vietri sul Mare, das in wenigen Minuten mit der Regionalbahn von dort zu erreichen ist, verbrachten wir den Tag. Am Abend gab es natürlich eine fantastische Pizza zum Essen. Um kurz vor 23 Uhr stiegen wir in den Nachtzug nach Palermo. Für einen Interrail-Tag ist nur die Abfahrtszeit eines Zuges relevant, für die Strecke von Bologna bis nach Palermo mussten wir somit nur einen Tag aktivieren.

Ich schlief gut und fest im Liegewagen, vom Verladen auf die Fähre und wieder herunter bekam ich diesmal nichts mit. Als ich am Morgen aufwachte, standen wir im Bahnhof von Capo d’Orlando. Leider ging es von hier auch nicht mehr weiter, da unser Zug aufgrund von Sturmböen nicht weiterfahren durfte. Nach einiger Zeit mussten wir in eine Regionalbahn umsteigen, die uns mit ca. 1,5 Stunden Verspätung nach Palermo brachte. Für die Unannehmlichkeiten bekamen wir von der Trenitalia eine Entschädigung von 25% auf unsere Reservierung, die über ein Onlineportal beantragt werden konnte. Sehr fair, wie ich finde.

Der Unterschied zwischen Bologna und Palermo könnte größer nicht sein. Auch wenn die Stadt ihr Mafia-Problem die letzten Jahre massiv zurückdrängen konnte, anscheinend ist es jetzt die sicherste Stadt Italiens, entsprechen einige Vorurteile weiterhin der Realität. So liegt abseits der Innenstadt sehr oft Müll in den Straßen, teils in horrenden Mengen. Als wir an der Küste entlang wanderten, türmte sich auch dort der Plastikmüll. Zum Fahrradfahren lädt die Stadt auch nicht gerade ein. Doch die Stadt hat auch ihre schönen Seiten. Da gibt es zum einen die gigantischen, teils hunderte von Jahren alten Gebäude in der Innenstadt. Und zum anderen viele kleine Gassen, und um jede Ecke neue Geschäfte und kleine Cafés, die entdeckt werden wollen. Alles in allem hat mich Palermo positiv überrascht, es ist definitiv sehenswert. Auch die Busfahrt zum Santuario di Santa Rosalia war ein Highlight, über viele Serpentinen geht es den Berg hinauf. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt, das Meer und die umliegenden Berge. Zum Santuario gibt es auch eine alte Straße, die inzwischen nur noch für Fußgänger und Fahrradfahrer freigegeben ist, auf der wir wieder den Berg herunterliefen.

Nach zwei Tagen in Palermo machten wir einen Tagesausflug nach Agrigento. Wir haben den Ort auswegwählt, da es dorthin eine gute Zugverbindung gibt und wir auf dem Rückweg im Inneren der Insel wandern gehen wollten. Über die Stadt haben wir uns sonst nicht weiter erkundigt. Doch bereits vor Ankunft war uns klar, dass dort heute irgendein Event stattfinden musste. Auf den letzten Stationen war der Zug brechend voll, und auch auf der Straße, die neben der Zugstrecke verlief, standen die Autos Schlange.

Agrigento ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Italiens, und wir hatten einen Tag erwischt, an dem es einen großen Umzug mit verschiedenen Trachtenvereinen aus verschiedenen Ländern durch die Stadt gab. Außerdem gab es viele Stände mit Essen oder kunsthandwerklichen Gegenständen – es war eine sehr willkommene Überraschung. Sogar ein Sonderzug auf der sich sonst nicht mehr im Betrieb befindlichen Strecke nach Porto Empedocle fuhr an diesem Tag, den wir aus Zeitgründen allerdings nicht nehmen konnten.

Auf dem Rückweg stiegen wir dann in Campofranco aus, dem Bahnhof, der uns bei der Hinfahrt zum Loswandern am meisten zugesagt hat. Zuerst besichtigten wir noch eine verlassene Fabrik direkt neben dem Bahnhof. Anschließend liefen wir von dort nach Sultera, einem Dorf, welches auf einem Berg thront und fast schon majestätisch wirkt – und die Aussicht von oben war auch wirklich spektakulär. Nach einiger Zeit ging es per Anhalter wieder zum Bahnhof und wir stiegen in der Abenddämmerung in den Zug zurück nach Palermo.

Nach einem weiteren Tag in Palermo fuhren wir wieder auf das Festland. Da ich einmal tagsüber erleben wollte, wie die Waggons auf die Fähren verladen werden, nahmen wir den IC um 07:05 Uhr am Morgen. Leider baute der Zug auf seiner Fahrt durch Sizilien eine Verspätung von einer Stunde auf, sodass Trenitalia entschied, die Waggons nicht mit der Fähre überzusetzen. Stattdessen mussten alle Passagiere in Messina aussteigen und eine Passagierfähre fuhr uns über die Meerenge nach Villa S. Giovanni. Dort fuhr der Zugteil aus Siracusa pünktlich ab, sodass wir auch pünktlich in Napoli Centrale ankamen. Mit einem Frecciarossa ging es von dort aus noch weiter bis nach Arezzo, wo wir nach fast 13 Stunden ankamen.

In der Toskana waren wir 3 Tage auf dem Franziskusweg wandern. Am ersten Tag mussten wir dazu noch mit einer Nebenbahn nach Pratoveccio Stia fahren. Bei der Trenitalia wurde an diesem Tag gestreikt. Da die Bahn von einem lokalen Bahnanbieter betrieben wird, betraf uns das zum Glück nicht. Von Stia aus ging es in 3 Tagesetappen bis zum Kloster La Verna. Die Laubbäume hatten noch keine Blätter, sodass die Landschaft sehr karg aussah. Die hügelige, teils auch felsige Landschaft war trotzdem spannend anzusehen und immer wieder tauchten wunderschöne, verschlafene Ortschaften in den Tälern auf. Wir waren nahezu die einzigen Wanderer, uns begegneten jeden Tag nur eine Handvoll Wanderer und auch die ersten beiden Unterkünfte waren fast leer.

Am letzten Tag unserer Wanderung ging es nach Bibbiena, von dort aus fuhren wir mit dem Zug wieder nach Arezzo, wo wir eine weitere Nacht übernachteten. Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Deutschland. Da wir mit dem langsameren, aber dafür auch gemütlicheren IC anstelle eines Frecciarossas nach Milano kamen und eine Umsteigeverbindung durch die Schweiz wählten, zahlten wir für den ganzen Tag nur 3€ an Reservierungsgebühren für unser Interrail Ticket. Im IC innerhalb der Schweiz, mit dem wir durch den Gotthard Basistunnel fuhren, gab es sogar Stühle im Speisewagen. Das hatte ich davor noch nie gesehen.

Mit dem Wetter hatten wir auf der Reise echt Glück. Am ersten Tag in Palermo hatten wir sagenundschreibende 28°, während in der Toskana Hochwasseralarm herrschte. Als wir einige Tage später in der Toskana waren, wanderten wir in einer dreitägigen Regenpause, direkt danach schwenkte das Wetter wieder auf Regen zurück. Hier hat sich das Interrailticket echt ausgezahlt, da wir spontan entscheiden konnten, wohin die Reise gehen soll. Auch von den Zügen durch Italien, nicht zuletzt die großartigen Nachtzüge, war ich wieder einmal begeistert. In Italien macht das Reisen einfach Spaß, zumindest wenn man nicht in der Hochsaison unterwegs ist.

Mit dem Nachtzug im Herbst nach Italien

Ende Oktober 2023 fuhr ich zusammen mit meinen Eltern nach Italien. Eine Nachtzugfahrt, ein Besuch von Pompei und eine Fahrt mit dem Bernina Express standen auf ihrer Bucket Liste, ich wurde damit beauftragt, daraus einen Urlaub zu planen. Wir entschieden uns für ein Interrailticket für drei Tage, an zwei weiteren Tagen fuhren wir mit Einzeltickets.

Am ersten Tag ging es für mich von Berlin aus Richtung Süden, wo ich in Crailsheim auf meine Eltern traf und wir gemeinsam weiter bis nach München fuhren. Dort aßen wir zu abend, bevor wir in den Nachtzug nach La Spezia einstiegen. Wir fuhren im Schlafwagen in einem Abteil für uns und mit einem eigenen Bad auf dem Abteil. Alles war sauber, das Bett war bereits bezogen und man konnte sich das Frühstück auf einem Flyer zusammenstellen sowie die Frühstückszeit für den nächsten Morgen wählen.

Als ich am nächsten Tag aufwachte, befand sich der Zug gerade irgendwo zwischen Milano und Genova. Ab Genova fuhr der Zug entland der ligurischen Küste, mit einem wunderschönen Blick auf das Meer. Der Höhepunkt der Zugfahrt war dann die letzte halbe Stunde, als der Zug durch die Cinque Terre fuhr, bevor er in La Spezia ankam. Die Cinque Terre, das sind fünf wunderschöne kleine Dörfer mit bunten Häusern an der ligurischen Küste, die alle ihren eigenen Bahnhof haben.

Nach Einchecken im AirBnB ging es mit dem Zug nochmal eine Station zurück nach Riomaggiore. Von dort gibt es einen schönen Wanderweg nach Manarola, wo es das wohl bekannteste Postkartenmotiv der Cinque Terre gibt. Am nächsten Morgen fuhren wir nochmals in die Chinque Terre, nach Monterosso, bevor es mit einem Frecciabianca nach Rom weiterging.

In Rom besichtigten wir die typischen Sehenswürdigkeiten, auf die ich hier nicht weiter eingeben werde. Obwohl ich schon zweimal in Rom war, gab es immer noch viel Neues für mich zu besichtigen. Trotz der späten Jahreszeit waren immer noch sehr viele Touristen unterwegs, für das Kolosseum und das Forum Romanum musste man Tickets bereits einige Tage im Voraus buchen. Ein Geheimtipp ist der Parco degli Acquedotti, ein Park etwas außerhalb von Rom gelegen, in dem ein großes Stück eines antiken Aquädukts steht. Hier entzieht man sich dem Trubel im Stadtzentrum, trotzdem ist der Park gut mit der Metro erreichbar.

Für einen Tagesausflug ging es von Rom nach Napoli. Der Frecciarossa macht es möglich, der für die Strecke zwischen den beiden Städten gerade einmal 1 Stunde und 10 Minuten braucht. Nochmals weitere 50 Minuten braucht man mit der Regionalbahn, um nach Pompei zu kommen. Dort verbrachten wir mehrere Stunden in der beeindruckenden archäologischen Ausgrabungsstätte. Am Abend ging es dann noch auf den Montesanto und natürlich gab es zum Abendessen eine typisch neapolitanische Pizza. Mit dem letzten Zug ging es um 20:30 zurück nach Rom.

Nach zwei weiteren Tagen in Rom machten wir uns langsam zurück auf den Heimweg. Mit einem italo Zug, einem privatwirtschaftlichen Konkurrenten der staatlichen Trenitalia, ging es ohne Halt direkt von Rom nach Milano. Der Zug hat einen hohen Reisekomfort, einzig das Bordrestaurant habe ich vermisst. Die bereitgestellten Snackautomaten sind m.M.n. kein Ersatz für ein echtes Restaurant. Im Milano verbrachten wir einen halben Tag mit Sightseeing sowie eine Nacht im Hotel, bevor es am nächsten Tag weiterging.

Mit dem Zug ging es zuerst nach Tirano an der Schweizer Grenze. Die Zugfahrt geht auf langen Strecken entlang es Lago di Como, mit beeindruckendem Ausblick. Von Tirano aus fährt der Bernina Express bis nach Chur, wir bekamen aber eine Mail, dass dies heute aufgrund eines Steinschlags nicht der Fall ist. Wir hatten anfangs etwas Sorge, ob wir wie geplant am Abend in Chur ankommen, aber auf die Schweizer Bahnen ist Verlass. Es gab einen Ersatzverkehr bis in den Ort Poschiavo, dort fuhr dann nach normalem Fahrplan der Zug nach Chur ab.

Während es unten noch Spätsommer war, gab es auf dem Berninapass bereits eine geschlossene Schneedecke. Dazwischen hingen Laubbäume im Herbstlaub, es war eine unglaublich schöne Fahrt. Man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Angekommen in Chur, ging es mit einer Regionalbahn noch weiter nach Heerbrugg, von dort aus mit einem Bus nach Hohenems in Österreich.

Nach einer letzten Nacht in einem Hotel ging es am nächsten Morgen von Hohenems aus auf den Heimweg. Für mich bedeutete dies eine Fahrt nach Bregenz, anschließend mit dem aus Zürich kommenden EC nach München und zuletzt mit dem ICE zurück nach Berlin. Es war eine schöne und abwechslungsreiche Reise und ich konnte damit meinen Eltern das Zugreisen schmackhaft machen, immerhin war es der erste Nachtzug für meinen Vater und der erste Nachtzug meiner Mutter seit ihrer Jugend. Vielleicht inspiriert der Blogbeitrag ja auch dich dazu, eine Zugreise zu planen.

Wo Zugreisen kaum möglich ist: Auf abgefahrenen Gleisen durch den Balkan

Vor einigen Jahren traf ich einen jungen Tschechen im Zug durch Serbien, der mir ein Video von sich in einem völlig ramponierten Zug in Albanien zeigte. Seit dieser Begegnung hatte ich den Traum, dieses Abenteuer einmal selbst zu erleben.

Streckenverlauf der Reise. Rot: Eisenbahn, Grün: Bus
Streckenverlauf der Reise. Rot: Eisenbahn, Grün: Bus

Mitte August 2024 war es dann so weit. Neben Albanien wollte ich auch noch nach Nordmazedonien und Kosovo und dabei versuchen, so wenig wie nötig mit dem Bus zu fahren. Über die DB ergatterte ich mir für die erste Strecke ein unglaublich günstiges Ticket für 34,99€ von Berlin Hbf bis nach Győr in Ungarn. Die Verbindung bestand aus einem Railjet der ČD über Prag bis nach Wien, anschließend mit einem Railjet der ÖBB weiter bis nach Győr. Die Aussicht aus dem Fenster in Tschechien ist immer wieder beeindruckend, dauerhaft gibt es Berge im Hintergrund zu bestaunen. Und auch das kulinarische Angebot in beiden Railjets war hervorragend.

Von Győr aus fuhr ich mit einer Regionalbahn nach Tapolca und von dort weiter bis nach Révfülöp am Balaton, dem Plattensee. Dabei kam direkt Balkanstimmung auf, alte DB-Züge, die über abgefahrene Strecken stolpern, Bahnhöfe ohne Bahnsteige, und in Tapolca musste ich wieder aus meinem Zug aussteigen, da dieser einen Motorschaden hatte. Eine Ersatzlok wurde irgendwoher aufgetrieben und mit etwas Verspätung kam ich am späten Abend an.

Am Balaton verbrachte ich zwei Nächte im wunderschönen Hullam Hostel. Dort gibt es eine riesige Veranda, in der sich das komplette soziale Leben im Hostel abspielt, was es sehr einfach macht, andere Reisende zu treffen. An der Bar kann man zudem zu günstigen Preisen Snacks und Getränke kaufen.

Nach Albanien war es noch ein weiter Weg, deswegen verließ ich nach zwei Nächten das Hostel. Ich hatte einen ambitionierten Plan: Am Abend den Nachtzug von Belgrad in Serbien nach Bar in Montenegro erwischen. Für dieses Unterfangen war ich auf einen Bus zwischen Subotica und Novi Sad angewiesen, um diesen Bus zu bekommen darf der Zug nach Subotica nur wenig Verspätung haben. Zudem kann man für den Nachtzug nur Tickets in Serbien oder in Montenegro kaufen, ich musste also hoffen, dass noch Plätze verfügbar sind.

Mit einem IC ging es von Révfülöp bis nach Budapest-Kelenföld. In der ersten Stunde hielt der Zug an jeder Milchkanne um den Balaton an, danach fuhr er mit der für Ungarn sehr schnellen Geschwindigkeit von 120 km/h und wenigen Halten bis in die Hauptstadt. Mit dem Regionalzug G43 konnte ich von Kelenföld zum verrosteten Bahnhof Kőbánya-Kispest fahren, wo ich in den Zug nach Szeged im Süden Ungarns einstieg. Von dort fahren seit November 2023 wieder Züge nach Subotica, die aktuell einzige Zugverbindung vom Rest Europas nach Serbien.

Der Zug war gut gefüllt und es war schön zu sehen, dass viele Passagiere an den kleinen Bahnhöfen auf der Strecke aussteigen. Hier wurde ein attraktiver, grenzüberschreitender Nahverkehr geschaffen. Die Grenzkontrolle dauerte eine ganze Weile, aber lag in der vom Fahrplan vorgesehenen Zeit und es war beängstigend zu sehen, was Ungarn für einen massiven Grenzzaun nach Serbien gebaut hat. Am Bahnhof Subotica waren die Bauarbeiten der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Novi Sad in den letzten Zügen und man sah viele chinesische Arbeiter, die an den Gleisen und Bahnsteigen arbeiteten, das Projekt wird vom chinesischen Staat durchgeführt.

Bevor die Verbindung fertiggestellt ist, kommt man nur mit einer sehr langsamen Regionalbahn von Subotica über Sombor nach Novi Sad. Bei meinem straffen Zeitplan war das keine Option, deswegen lief ich 15 Minuten zum Busbahnhof und nahm den Bus nach Novi Sad (was tausendmal schneller ist als die Regionalbahn). Von dort aus fuhr ich auf dem ersten Abschnitt der neuen Hochgeschwindigkeitsbahn weiter nach Belgrad Central.

In Belgrad Central war ich das letzte Mal 2 Jahre zuvor. Nachdem sich jahrelang nichts getan hatte und vor 2 Jahren der Eingang zum Bahnhof aussah wie ein Eingang zu einer U-Bahn-Station, ist das Empfangsgebäude inzwischen fertiggestellt. Alles ist herausgeputzt, schicke Architektur und nette Geschäfte. Das zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick stellt man fest, dass für die Instandhaltung keinerlei Geld ausgegeben wird. Wie Toiletten nach einem Jahr so ranzig aussehen können, ist mir ein Rätsel, Toilettenpapier und Papierhandtücher sind natürlich auch nicht vorhanden. Vieles in diesem Bahnhof wirkt auch nicht durchdacht, mal sehen, wie sich dieser Bahnhof in den nächsten Jahren entwickelt.

Für den Lovćen, den Nachtzug nach Bar, gab es in dieser Nacht leider nur noch Sitzplätze. Für die nächsten beiden Tage waren gar keine Tickets mehr zu bekommen, deswegen entschied ich mich dafür, ein Ticket für die Holzklasse zu kaufen. Die Nacht war natürlich nicht angenehm, ich konnte kaum schlafen. Das Licht war die ganze Nacht über an, im Waggon wurde geraucht und die Einheimischen feierten lautstark den Beginn ihres Badeurlaubs. Doch irgendwie war es auch cool, dies einmal miterlebt zu haben.

Die Aussicht auf das Gebirge bei Sonnenaufgang war unglaublich, ich stand Ewigkeiten morgens am Fenster (natürlich eins zum Aufschieben). Angekommen in Bar machte ich dort einen Tag Pause und besichtigte mit Leuten, die ich im Hostel kennengelernt hatte, Bars Altstadt Stari Bar.

Am Tag darauf hatte ich das Ziel, nach Durrës in Albanien zu gelangen. Nachdem ich vor zwei Jahren den Bus über die Grenze genommen hatte, versuchte ich es dieses Jahr mit Trampen. Das funktionierte auch ganz gut, nach drei Mitfahrgelegenheiten kam ich in Shkodra an. Die ethnischen Konflikte in dieser Region kamen bei den Fahrten aber sehr klar zum Ausdruck, was ich dort hören musste, würde bei uns zur Volksverhetzung zählen. Von Shkodra nahm ich einen Bus nach Durrës und wartete dort einen Tag bei 37 Grad und 95% Luftfeuchtigkeit auf den Zug der Züge, den Grund, warum ich diese Reise angetreten war.

Am Bahnhof Plazh in Durrës fährt am Freitag, Samstag und Sonntag ein Zug nach Elbasan, am Samstag und Sonntag kann man zudem umsteigen in eine Stichstrecke nach Lushnje. Dieser Streckenabschnitt wurde erst wenigen Wochen bevor ich dort war wieder in Betrieb genommen. Der „Bahnhof“ besteht aus maroden Gleisen und einem Baucontainer, in dem Tickets verkauft werden. Das Ticket hat ca. 1,20€ gekostet.

Die Diesellok tschechischer Bauart mit den alten DR/DB Wägen stand bereits zur Abfahrt bereit. Da die Wägen einst voller Graffiti waren, wurden diese mit roter Farbe überpinselt. Auf den Fensterscheiben sieht man hingegen weiterhin die Kunstwerke der Graffitikünstler, außer natürlich bei den Fenstern, die keine Fensterscheibe mehr haben. An einigen Stellen gab der Boden nach, die Inneneinrichtung war auf Funktionalität reduziert. Pünktlich um 14:00 Uhr fuhr der Zug los. Alles wackelte, während der Zug mit Schrittgeschwindigkeit durch die Vorstadt schlich. Fast durchgehend dröhnte die Lokpfeife, um Straßenhunde oder Menschen zu verjagen oder Autofahrer bei Bahnübergängen zu warnen. Schilf, Äste und Sträucher, die in die Fahrbahn hingen, schlugen in die offenen Fenster, man musste Acht geben, um nicht von einem Ast erwischt zu werden. Als der Zug in den Tunnel fuhr, legte eine Schaffnerin eine Taschenlampe in den Mittelgang, um wenigstens etwas Licht im Waggon zu haben, Strom gab es natürlich nicht.

Immer wieder hielt der Zug an und weitere Passagiere stiegen in den Zug. Als ich pünktlich in Grogozhinë ankam und umsteigen musste, war der Zug gut gefüllt. Am zweiten Bahnsteig stand mein Zug nach Lushnje bereit. Ich war der einzige Passagier der umstieg, insgesamt waren in diesem Zug nur 6 Passagiere. Der Zug war fast identisch mit dem vorherigen. Die Waggons waren in etwas besserem Zustand, dafür die Lokomotive in schlechterem. Nach 45 Minuten in diesem Zug kam ich in Lushnje an. Ein Traum von mir ging in Erfüllung und die Fahrt war genauso abenteuerlich, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ein Kuriosum in Europa, das ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann.

Ich ging davon aus, dass es von Lushnje nach Berat bestimmt Busse gibt. Immerhin führt die einzige Straße nach Berat durch Lushnje oder an Lushne vorbei. Ich fragte mehrere Einheimische, alle sagten mir andere Positionen, wo der Bus denn abfahren sollte. Nachdem ich eine Stunde hin und her gelaufen bin, gab ich auf und streckte wieder meinen Daumen am Straßenrand hinaus, um nach Berat zu gelangen.

In Berat blieb ich für zwei Nächte. Es ist eine richtig schöne Stadt in den Bergen, ein komplett anderes Stadtbild als in Durrës. Auch die Temperaturen waren hier wieder angenehm, ohne die unerträgliche Luftfeuchtigkeit. Weiter hinten im Tal gibt es beeindruckende Canyons, leider war die Tour für den nächsten Tag, die ich dorthin gefunden habe, bereits ausgebucht, weswegen ich den Tag mit Wandern um Berat verbrachte.

Um 4:30 am Morgen fährt ein Bus direkt von Berat nach Korça. Das hielt ich für die beste Möglichkeit, um in den Süden von Nordmazedonien zu gelangen. Vom Bus aus sah man über lange Abschnitte die alte Eisenbahnstrecke von Elbasan nach Pogradec, über die schon lange kein Zug mehr gefahren ist. Sehr schade, auf den vielen Brücken gäbe es bestimmt eine bombastische Aussicht. Aber auch vom Bus aus war diese beeindruckend. Von oben in den Bergen hatte man das erste Mal Sicht auf den Ohrid See, bevor man lange an diesem entlangfuhr.

In Korça stellte ich fest, dass es zwar viele Busverbindungen nach Griechenland gibt, aber keine nach Mazedonien. Das Trampen war ich inzwischen ja schon gewohnt. Diesmal war es aber echt schwierig, zur Grenze Gorica – Stenje fuhr nur vielleicht alle 5 Minuten ein Auto. Es dauerte eine ganze Weile, bis mich doch ein Transporter mitnahm. Dieser fuhr direkt bis nach Bitola, die Stadt, in die ich wollte. Was für ein großer Glückstreffer. Ich verbrachte den Nachmittag in Bitola mit Sightseeing und in Cafés. Abends um 18:23 Uhr fuhr mein Zug von Bitola nach Skopje. Es handelt sich um den ersten Zug der chinesischen Firma CRRC in Europa und dieser macht einen ganz guten Eindruck, vergleichbar mir S-Bahnen oder Regionalbahnen in Deutschland. Das Problem sind die Schienen, die in vielen Abschnitte nur Geschwindigkeiten von 30 km/h zulassen. Mit über einer halben Stunde Verspätung kam ich so nach 4 Stunden in Skopje an, für eine Strecke von 180 km.

Der Bahnhof von Skopje ist unglaublich hässlich. Wie auch viele anderen Gebäude in der Stadt, wurde dieser nach dem Erdbeben 1963 im brutalistischen Stil gebaut. Zudem verkommt er seit Jahren, Rolltreppen funktionieren nicht mehr, die Deckenverkleidung fehlt an vielen Stellen und es ist unglaublich schmutzig. Das Licht im Bahnhof ist außerdem sehr gedimmt, das bietet gleichzeitig aber auch eine ganz eigene Atmosphäre. Auch die vielen weiteren brutalistischen Bauten in der Stadt sind sehenswert.

Neben dem Brutalismus gibt es aber auch das neue Skopje, das Project 2014. Die Regierung hat viel Geld ausgegeben, um ein neues Stadtzentrum mit historisch aussehenden Gebäuden und vor allem ganz, ganz vielen Statuen zu erstellen. Auch wenn es viel Kritik an diesem Projekt gab, das Stadtzentrum ist heute eine große Fußgängerzone, in der viele Leute flanieren. Vor dem Projekt schoben sich hier Blechlawinen durch die Straßen. Ich war von Skopje sehr überrascht und kann es als Städtetrip sehr empfehlen, gerade da es so einzigartig ist.

Von Skopje nach Pristina wurde am 9. März 2020 der Bahnbetrieb nach vielen Jahren wieder aufgenommen, nur um 4 Tage später wegen Covid-19 wieder eingestellt zu werden. Seitdem wurde der Personenverkehr auf dieser Strecke nicht wieder aufgenommen. Somit war ich gezwungen einen Bus zu nehmen, der zugegebenermaßen sehr komfortabel und schnell war. Die Autobahninfrastruktur zwischen den beiden Städten ist beeindruckend, hier wurde die letzten Jahre sehr viel Geld investiert. Sehr schade ist hingegen der Blick auf die alten Schienen neben der Autobahn, die nicht mehr verwendet werden.

Über Pristina habe ich leider nicht viel Gutes zu berichten, ich habe die Stadt als furchtbar autozentriert wahrgenommen. Überall stehen und fahren Autos, überall gibt es Autolärm. Es gibt nur eine einzige Fußgängerzone, diese ist am Abend natürlich völlig überlaufen. Als Positives muss man sagen, dass man sehr gut sehr günstig und urig essen kann. Die Nationalbibliothek ist außerdem architektonisch interessant und kurios ist die Bill Clinton Statue.

Am zweiten Morgen in Pristina ging es weiter, diesmal wieder mit dem Zug. Im Kosovo gibt es aktuell nur eine einzige Eisenbahnverbindung, von Pristina nach Peja. Der Bahnhof von Pristina, der Hauptstadt des Kosovos, ist kleiner als die meisten Provinzbahnhöfe in Deutschland. Die Zuggarnitur bestand wie auch schon in Albanien aus einer einst tschechischen Diesellokomotive mit zwei ex-DB Wagons. Hier hatte die Lok aber eine schicke rote Lackierung und die sehr beeindruckenden Graffitis auf den Wagons wurde nicht überpinselt. Die Scheiben waren hier auch in allen Fenstern vorhanden, wenn auch oft mit Sprüngen und übermalt. Sogar elektrisches Licht im Tunnel gab es. Mit deutschen Standards vergleichbar ist der Zug trotzdem lange nicht gewesen.

Nach zwei Stunden kam ich in Peja an und verbrachte dort einige Zeit in einem Café und mit Besichtigung der Innenstadt mit dem bombastischen Bergpanorama. Dann brachte mich ein Bus über die Grenze nach Montenegro, wo ich in Berane ausstieg. Der Busfahrer war super, während 5 Leute auf der Straße mir ein Taxi andrehen wollten, sagte er mir wo ich warten muss um einen Bus Richtung Bijelo Polje zu bekommen. Der nächste Busfahrer war auch super, er fuhr nicht direkt bis Bijelo Polje sondern bot mir an mitzufahren bis die Abzweigung dorthin kommt. Ich fuhr dann sogar noch ein bisschen weiter, bis ich in der Nähe des Bahnhofs Ravna Rijeka ausstieg. Das ist ein Bahnhof mitten im Wald, zu dem nur ein Trampelpfad führt. Ich war etwas skeptisch, ob ein Zug hier wirklich anhält, das war zum Glück der Fall und der Zug brachte mich bis zur Grenzstadt Bijelo Polje.

Von hier aus fuhr ich mit dem Nachtzug Lovćen wieder zurück nach Belgrad. Diesmal hatte ich ein Liegeplatz im 6er-Abteil, das Ticket dafür habe ich mir nach Ankunft in Bar gekauft. Eine sehr angenehme Nacht, kein Vergleich zu den Strapazen auf dem Hinweg. Mit wie üblich etwas Verspätung kam der Zug in Belgrad an, wo ich den nächsten SOKO-Zug nach Novi Sad nahm. Da es zeitlich passte, entschied ich mich den langsamen Zug von Novi Sad nach Subotica über Sabor zu nehmen. Es hat Ewigkeiten gedauert, mit 40 Minuten Verspätung und somit 4 Stunden und 40 Minuten Fahrzeit für die 163 km lange Strecke kam ich in Subotica an. Ich habe gerade noch den Zug über die Grenze nach Ungarn bekommen.

Auf der anderen Seite der Grenze in Szeged wollte ich mir ein Ticket für den Nachtzug von Budapest nach Berlin kaufen, doch es gab wieder einmal nur noch Sitzplätze. Das wollte ich mir nicht noch einmal antun, somit entschied ich mich eine Nacht in Budapest zu verbringen. Für den Direktzug am Tag von Budapest nach Berlin gab es noch wenige Tickets in der 1. Klasse. Während die DB dafür über 250€ verlangte, wollte die MAV nur 119,50€. Da sagte ich zu und saß das erste Mal in meinem Leben in der 1. Klasse, in einem Zug der 12 Stunden durch Mitteleuropa fährt und ein hervorragendes Bordbistro hatte. Sehr erschöpft und voll von neuen Impressionen kam ich abends in Berlin an.

Mit dem Zug auf die Fähre: Urlaub in Sizilien

Eine der verrücktesten Zugverbindungen Europas muss die Verbindung nach Sizilien sein. Hier wird der Zug nämlich an der Fußspitze Italiens auf eine Fähre geladen, um die Meerenge von Messina zu passieren. Doch der Reihe nach.

Im Oktober 2021 verbrachte ich meinen Urlaub in Italien. Mit einem 4-Tage-Interrailticket ging es am ersten Tag von Stuttgart Hbf um 8:29 Uhr über die Gäubahn nach Zürich. Angekommen in Zürich, hatten wir 10 Minuten Umsteigezeit, um den EC um 11:33 Uhr nach Milano zu erwischen. Unser Zug hatte in Deutschland zum Glück keine Verspätung aufgebaut, sodass wir pünktlich ankamen und den doch sehr knappen Umstieg meisterten, der Schweizer Pünktlichkeit sei Dank.

Die Schweiz ist ein traumhaftes Eisenbahnland, beim Blick aus dem Fenster kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Entlang des Zürichsees schlängelt sich die Bahnstrecke, mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Vor dem Gotthard-Basis-Tunnel beschleunigt der Zug, bis er wie in einem magischen Portal verschwindet. 16 Minuten ist es dunkel vor dem Fenster, dann ist der längste Eisenbahntunnel der Welt mit 57km Länge durchquert und man befindet sich auf der Südseite der Alpen.

Pünktlich kamen wir in Milano Centrale um 15:17 Uhr an und hatten hier nochmal eine Stunde Aufenthalt, bevor wir mit dem Frecciarossa 5 Stunden lang nach Napoli Centrale fuhren, unserem ersten Stopp der Reise.

Schrill, eng, dreckig, chaotisch – so könnte man Napoli zusammenfassen. Doch gleichzeitig hat die Stadt auch einen ganz eigenen Charme. Hier ist nichts herauspoliert, sondern alles ist echt. Und die Geschichte, von der Zeit der alten Griechen über die Römer, den Kirchenstaat bis zum heutigen Italien, ist überall zu spüren. Mit hat die Stadt sehr gut gefallen, die Meinungen gehen hier allerdings auseinander.

Am ersten Tag besichtigten wir Pompeii, was ungefähr eine Stunde entfernt von Napoli liegt. Die Ausgrabungsstätte ist wohl die berühmteste römische überhaupt, da bis auf die Dächer der Gebäude die komplette Stadt noch enthalten ist. Mosaike, Wandgemälde, Putz – vieles wirkt, als wäre es gestern noch belebt gewesen. Das Gelände ist riesig und man kann hier ohne Probleme einen halben Tag verbringen.

Am zweiten Tag erkundeten wir die Stadt, besuchten Museen, machten eine Tour durch antike Tunnel unterhalb der Stadt und aßen natürlich Pizza. Die typische Pizza ist hier die Pizza Marinara, eine Pizza ohne Käse, nur mit Tomatensauce und etwas Knoblauchöl. Klingt sehr unspektakulär, schmeckt aber bombastisch.

Am nächsten Tag in Napoli wollten wir den Vesuv, der nur wenige Kilometer neben der Stadt thront, besteigen. Dazu ging es mit der Metro nach Ottaviano. Das richtige Ticket und die richtige Bahn zu finden, war dabei alles andere als einfach, mit verschiedenen Tickets, Zuganbietern und Schranken vor den Gleisen ist es am besten, einfach Leute anzusprechen und nach der Richtung und dem richtigen Ticketautomaten zu fragen.

Auf OpenStreetMaps haben wir einen Wanderweg ab Ottaviano bis zum Gipfel des Vesuvs gefunden. Dieser ist sehr wenig besucht, den ganzen Tag über begegneten wir genau einer weiteren Person auf dem Vesuv. Die Aussicht war wunderschön, ganz hoch zum Krater kamen wir aber nicht, da hierfür Eintritt verlangt wird. Abends stiegen wir wieder ab und fuhren mit der Metro zurück zur Unterkunft, wo wir uns richteten, um dann unseren Nachtzug zu erwischen.

Um 22:36 Uhr ging es los in Napoli Centrale, auf dem Weg vom Vesuv zum Ätna. Wir hatten eine Liegewagenkabine zu dritt, aufgrund der Corona-Pandemie konnte man im Jahr 2021 nur private Kabinen für Gruppen von bis zu 4 Personen buchen. Als wir einstiegen, hat es draußen genieselt und es war dunkel. Nachts wachte ich während des Rangierens auf die Fähre kurz auf. Ich sah vor dem Fenster, wie unser Waggon auf die Fähre rangiert wurde und dort festgemacht wurde. Das Klackern der Schienen verwandelte sich während der Überfahrt zu einem Schaukeln und dem dumpfen Geräusch eines Schiffsmotors. Auf Sizilien angekommen, wurde der Waggon wieder aus der Fähre geschoben. Theoretisch hätte ich während des Geschehens weiterschlafen können, doch ich wollte in dieser Nacht das Geschehen verfolgen.

Als wir am nächsten Morgen die Jalousie öffneten, konnten wir den Ausblick, der sich uns bot, kaum fassen. Wir schauten auf das offene Meer, auf einen wolkenfreien Himmel, und einen Ätna im Hintergrund, der gerade Asche in die Luft pustete. Es war unglaublich.

Nach kurzer Zeit kamen wir bereits um 7:45 Uhr in Catania Centrale an. Wir gingen zur Unterkunft und informierten uns über Touren auf den Ätna in der Stadt, außerdem schwammen wir im Meer. Am nächsten Morgen ging es mit einem Tourguide zum Ätna. Drei Stunden lang wanderten wir in der schwarzen Asche, die Landschaft mit den vielen verschiedenen Vulkankratern sieht aus wie auf dem Mond. Am späten Nachmittag waren wir wieder in Catania und fuhren weiter nach Taormina, zum wohl am schönsten gelegenen Bahnhof der Welt.

Taormina ist der Inbegriff eines italienischen Küstendorfes. Das Dorf streckt sich den Hügel entlang, der Bahnhof liegt unterhalb direkt am Meer gelegen. Das lockt natürlich viele Touristen an, deswegen sind die Preise hier auch teurer als in anderen Regionen in Sizilien. Ein Besuch lohnt sich trotzdem.

Noch einen Tag später fuhren wir mit der Schmalspurbahn Circumetnea einmal um den Ätna. Neben dem regulären Bahnhof Giarre-Riposto befindet sich der erste Bahnhof dieser Bahn. Dort muss man auch das Ticket für die Strecke kaufen. Die Dieseltriebzüge dürften um die 50 Jahre alt sein und die Anzahl der Passagiere war im ersten Abschnitt der Strecke bis Randazzo sehr überschaubar. Von der Bahn aus hat man durchgehend einen tollen Ausblick auf den Ätna sowie auf die Pistazienfelder, die sich am Fuße des Vulkans befinden.

Von Randazzo aus fahren Züge weiter nach Catania. Wir entschieden uns, eine Wanderung bis zum nächsten Bahnhof in unsere Richtung zu machen, den Bahnhof Gurrida. Anfangs liefen wir noch auf befestigten Straßen, irgendwann verwandelten sich diese zu Trampelpfaden, und am Ende mussten wir auf den Schienen laufen, da es keinen Weg zu diesem Bahnhof gibt. Der Bahnhof lag mitten im Nirgendwo, am Horizont war eine Fabrik zu sehen, sonst nichts. Trotzdem hielt der Zug wie im Fahrplan vorgesehen pünktlich an und wir stiegen ein. Einige Stationen vor Catania verwandelt sich die historische Bahn in eine Metro, als sie in Biancavilla mehrere Stationen unterirdisch bediente. In Catania fährt die Bahn nicht mehr bis zum Bahnhof Catania Centrale, sondern man muss in die Metro umsteigen. Das ist im Ticket inklusive, die Aussicht ist im Untergrund erwartungsgemäß nicht vergleichbar mit dem Ausblick auf den Ätna.

UPDATE 2024: Die Route des Circumetnea wurde weiter verkürzt und reicht nun nur noch nach Paternò. Die Metro von Catania soll bis hierhin verlängert werden, bis dies der Fall ist, verkehrt ein Bus-Ersatzverkehr zwischen dort und Catania.

Weiter ging es am gleichen Abend noch nach Siracusa, einer Stadt im Südosten der Insel mit einer wunderschönen Altstadt. Nach einer Nacht in unserer Herberge verbrachten wir hier den folgenden Tag, bevor unsere Zeit in Sizilien vorbei war und es von Siracusa nach Rom mit dem Nachtzug zurück ging. Es ist die gleiche Verbindung wie auf der Hinfahrt, nur diesmal komplett von der ersten bis zur letzten Haltestelle.

Angekommen in Rom, verbrachten wir hier weitere drei komplette Tage, um die Stadt zu besichtigen. Das reicht natürlich nicht aus, man könnte tagelang die Stadt besichtigen und immer noch etwas neues entdecken. An jeder Ecke warten antike Gebäude und Ruinen, was man in der Schule über die römische Geschichte lernte, befindet sich auf einmal direkt vor einem. Es ist unvorstellbar, dass vor knapp 2000 Jahren in dieser Stadt bereits 1 Million Leute lebten.

Irgendwann geht jeder Urlaub zu Ende, und so fuhren wir nach 3 Tagen in Rom wieder zurück nach Stuttgart über dieselbe Route, mit der wir auch nach Italien gekommen sind. Zuerst mit dem Frecciarossa nach Milano, dann mit dem EC nach Zürich und zuletzt mit IC nach Stuttgart. Was man doch nicht alles in 12 Tagen erleben kann!

Sizilien bietet sich als Urlaubsdestination im Oktober sehr gut an. Man entflieht dem Herbst in Deutschland, hat aber auch keine extreme Hitze wie im Hochsommer auf Sizilien (im Hochsommer des Jahres gab es auf Sizilien einen neuen Hitzerekord von 48,8°C). Die Anreise mit dem Zug ist unkompliziert möglich und unterscheidet sich in diesem Punkt erheblich von anderen Inseln, die so weit im Süden liegen.

Durch die Tage in Napoli auf der Hinfahrt und Rom auf der Rückfahrt war die An- und Abreise in je einem Tag gut zu bewerkstelligen, die Fahrt nach Sizilien passiert über Nacht und man „verliert“ sozusagen keine Zeit innerhalb des Urlaubszeitraums für die Reise nach Sizilien und zurück. Wer doch nachts wach wird, erlebt das bizarre Schauspiel des Verladens eines Zuges auf eine Fähre. Die Circumetnea Bahn ist eine langsame Nebenstrecke, die Kombination aus Bahn und Vulkan in Europa gibt es in dieser Form auch nur auf Sizilien.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag für Italien als Eisenbahnland begeistern und vielleicht eine Inspirationen für den nächsten Urlaub liefern.

Für wenig Geld nach Barcelona und Mallorca

Das Hochgeschwindigkeitsnetz in Frankreich zwingt einen fast immer dazu, für eine Reise durch das Land einen Halt in Paris einzulegen. So auch im Frühjahr 2022, als ich für eine Woche nach Barcelona und mit der Fähre weiter nach Mallorca fuhr. Auf dem gleichen Weg ging es einige Tage später zurück nach Deutschland.

Mit dem Direktzug ging es von Stuttgart Hbf nach Paris Gar de l’Est. Anstatt eines TGV von Paris nach Barcelona entschieden wir uns, einen Nachtzug in die Pyrenäen zu nehmen. Dies ist nicht nur ein großes Abenteuer, sondern außerdem unglaublich günstig, dazu später mehr. So verbrachten wir den Tag in Paris, um uns einige Dinge in dieser wunderschönen Stadt anzusehen. Mit dem Nachtzug ging es um 21:12 Uhr vom Bahnhof Paris Austerlitz im Liegewagen nach Latour De Carol – Enveitg. In diesem Zug gibt es wie in vielen Nachtzugverbindungen mehrere Waggons mit unterschiedlichen Zielen, die in der Nacht geteilt werden. Wer bei den Rangierarbeiten nicht aufwacht, bekommt davon aber nichts mit. Unser Zugteil bestand aus nur 3 Waggons, einem Liegewagen mit 6-Bett Abteilen, einem Liegewagen mit 4-Bett Abteilen und einem Sitzplatzwagen.

Als ich am Morgen aufwachte, schneite es draußen vor dem Fenster. Ich zog mir warme Klamotten an und setzte mich in den Sitzplatzwagen, der fast leer war. Am Bahnhof Andorre – l’Hospitalet, nicht weit von der Grenze des Zwergstaats Andorra entfernt, gab es eine geschlossene Schneedecke. So hatte ich mir meinen Mallorca-Urlaub nicht vorgestellt, die Aussicht im engen Tal entlang eines Flusses aber war spektakulär. Eine halbe Stunde später kamen wir in Latour De Carol – Enveitg an. Es ist der Grenzort zwischen Spanien und Frankreich, das große Bahnhofsgebäude deutet auf die einst große Bedeutung des Bahnhofs hin, von der heute nicht mehr viel geblieben ist. Es gibt im Bahnhof ein Gleis in iberischer Breitspur, der Schienenspurweite, welche in Spanien und Portugal verwendet wird. An diesem Stand auch schon ein Zug bereit, welcher ca. 1h nach Ankunft des Nachtzuges aus Paris nach Barcelona fährt. Tickets für diesen Zug werden nicht am Bahnschalter verkauft, sondern beim Schaffner im Zug. Die Zeit bis zur Abfahrt vertrieben wir uns mit einem Spaziergang im Dorf.

Für die Fahrt nach Barcelona braucht die Regionalbahn fast 4 Stunden. Das ist natürlich nochmals eine lange Zeit, was an den vielen Kehren und engen Kurven der Strecke liegt. Diese führt nämlich komplett durch die Pyrenäen. Großartige Aussichten gibt es somit fast durchgehend. Wem die Aussicht aus diesem Zug nicht genügt, kann nach 55 Minuten Fahrtzeit in Ribes-Enllac aussteigen. Von dort aus gibt es eine Zahnradbahn in das Bergdorf Núria. Wir haben uns aber dagegen entschieden und fuhren direkt bis Barcelona.

Kommen wir zu den Kosten für diese Strecke. Den Platz im Liegewagen gibt es bereits für 29€ bei der SNCF. Der Regionalzug nach Barcelona-Sants hat 12€ gekostet und von Stuttgart Hbf nach Paris l’Est haben wir das Ticket über die DB für 37,40€ bekommen. Zählt man das Metro-Ticket in Paris dazu, kommt man auf Kosten von ca. 80€ für die Strecke von Stuttgart nach Barcelona. Auch kurzfristig sind oft noch günstige Fahrkarten für die Verbindung nach Latour de Carol beziehbar, während die TGVs direkt nach Barcelona teilweise über 200€ für ein Ticket kosten.

Zurück zur Reise. Die nächste Nacht verachten wir in Barcelona, wo wir außerdem den gesamten kommenden Tag mit Sightseeing verbrachten. Am zweiten Abend in Barcelona ging es zum Fährhafen. Um 23 Uhr fuhr hier eigentlich unsere Fähre nach Palma de Mallorca ab. Tatsächlich wurde es eine Stunde später, bis wir wirklich auf das Schiff durften. Wir hatten zu dritt eine Kabine mit eigenem Bad. Eigentlich viel zu schade für die kurze Überfahrt, denn um 5:30 Uhr wurden wir durch die Lautsprecherdurchsage geweckt, dass es Frühstück im Restaurant gibt. Wir verzichteten darauf und versuchten nochmal ein bisschen zu schlafen, bevor wir den Sonnenaufgang auf dem Deck genossen. Um 6:30 Uhr sind wir in den Hafen von Palma eingefahren.

In Mallorca blieben wir sechs Tage in einer Ferienwohnung ca. 1h entfernt von Palma. Die Insel hat abseits des Ballermanns echt viele schöne Ecken zu bieten, besonders im Nordwesten, wo es Berge gibt. Ein besonderes Highlight war eine Fahrt im Trén de Sóller. Dabei handelt es sich um eine historische Elektrolokomotive, welche von Palma aus in die Stadt Sóller durch das Gebirge fährt. Die Bahn ist komplett in Holz verkleidet und wurde wunderschön instand gesetzt. Auf einer Anhöhe gibt es einen kurzen Fotohalt mit Blick auf Sóller, bevor der Zug sich durch viele Kehrschleifen den Weg nach unten bahnt. In Sóller kann man mit einer historischen Straßenbahn, welche ähnlich schön die der Trén de Sóller ist, nach Puerto de Sóller weiterfahren. Die Tickets sind zwar teuer, die Fahrt hat sich aber definitiv gelohnt. Nur ein Tipp: Im Tunnel kann es sehr kühl werden, deswegen empfehle ich, während der Tunneldurchfahrt nicht auf den Plattformen der Waggons zu stehen. Ich habe mit dabei eine Mandelentzündung zugezogen.

Die Rückfahrt verlief über die gleiche Strecke. Die Fähre zurück nach Barcelona fährt tagsüber, für diese Verbindung lohnt sich eine Kabine auf jeden Fall nicht. Die Überfahrt dauert nur 6 Stunden und es gibt viele Sitzplatzgelegenheiten an mehreren Orten im Schiff. Etwas stressig wurde die Fahrt von Barcelona-Sants nach La Tor de Querol-Enveig, wie der Ort auf Katalanisch heißt. Abfahrt sollte um 14:31 Uhr sein, Ankunft um 17:51. Das hätte uns gut 1,5h Puffer bis zum Nachtzug nach Paris gegeben, der um 19:25 losfuhr. Der Zug fuhr aber bereits mit über einer Stunde Verspätung in Barcelona ab. Zusätzlich hieß es dann von der Schaffnerin, dass dieser Zug außerplanmäßig eine Station früher aufhört und nicht über die Grenze nach Frankreich fährt. Uns wurde aber versprochen, dass wir ein Taxi nehmen können und die Kosten hierfür der Zuganbieter übernimmt. Das war auch tatsächlich so und wir kamen 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges in Latour de Carol (oder La Tor de Querol) an. Zum Einkaufen reichte die Zeit leider nicht mehr, es gab keine Essensmöglichkeiten direkt am Bahnhof und auch im Zug verkaufte man kein Essen oder Getränke. Deswegen kamen wir sehr hungrig am nächsten Morgen in Paris an. Tipp für das nächste Mal: Essen bereits in Barcelona kaufen.

Links:

Mit dem Zug nach Marokko

Im März 2023 bin ich zusammen mit einem Freund von Deutschland aus nach Marokko gefahren. Bis nach Südspanien fuhren wir mit dem Zug, anschließend ging es mit der Fähre auf den afrikanischen Kontinent. Der Rückweg erfolgte ebenso mit dem Zug, diesmal jedoch über eine andere Route.

Reiseroute von Berlin bis nach Marokko und zurück

Von Berlin aus ging es zuerst nach Stuttgart Hbf, wo um 14:52 Uhr der ICE pünktlich in Richtung Paris Est losfuhr. Nach nur etwas mehr als drei Stunden kam der Zug in Paris Est um 18:05 Uhr an. Es ist immer wieder faszinierend, wie der ICE3 in Frankreich ohne einmal zu bremsen mit 320 km/h von Straßburg nach Paris donnert.

Im Paris ging es mit der Metro zum Bahnhof Gare d´Austerlitz. Die Metro Tickets müssen am Automaten gekauft werden, vor diesen Automaten gibt es immer lange Schlangen. Hier definitiv viel Zeit einplanen. Von Gare d´Austerlitz aus fährt jede Nacht ein Nachtzug nach Latour de Carol in den Pyrenäen an der Grenze zu Spanien. Von dort aus gibt es eine Regionalbahn bis nach Barcelona Sants, eine superschöne und günstige Verbindung von Paris nach Barcelona.

Zumindest ist das der Fall, wenn in Frankreich gerade nicht gestreikt wird. Eigentlich dachten wir, dass wir von diesem Streik nicht betroffen sind, da erst am nächsten Tag gestreikt wurde. Da der Nachtzug aber auch nach 0 Uhr fährt, ist dieser auch ausgefallen, wie wir erst am Bahnhof mitbekamen. Uns blieb nichts anderes übrig, als einen Flixbus über Nacht nach Barcelona zu nehmen. Dieser war sehr unkomfortabel, besonders wenn man sich bereits auf Liegewägen für die Nacht eingestellt hat. Immerhin hatten wir durch den Flixbus mehr Zeit in Barcelona, da dieser schneller als die Verbindung mit dem Zug durch die Pyrenäen ist.

Von Barcelona Sants aus ging es weiter Richtung Málaga, ganz im Süden von Spanien. Es gibt jeden Tag einen Direktzug, der von Barcelona bis nach Málaga 6,5 Stunden benötigt. Abgesehen von diesem Zug gibt es auch Verbindungen, bei denen man in Madrid umsteigen muss. Diese sind teilweise sogar noch schneller. In Málaga legten wir einen Tag Pause ein, bevor es nach Marokko weitergehen sollte. Die Nacht davor konnten wir im Bus kaum schlafen, die Nacht darauf dann auf der Fähre zu verbringen hielten wir für keine gute Idee.

Den Pausentag in Málaga verbrachten wir damit, mit dem Zug zum Caminito del Rey zu fahren und auf diesem zu wandern. Dies ist ein Wanderweg in einer Schlucht nordwestlich von Málaga, welcher Anfang der Zweitausender als gefährlichster Wanderweg der Welt Schlagzeilen gemacht hat. Inzwischen ist der Wanderweg gesichert und bietet spektakuläre Aussichten. Es gibt eine wunderschöne Zugstrecke, die direkt durch die atemberaubende Schlucht führt. Die Haltestelle für den Caminito del Rey heißt El Corro, wer aus dem Zugfenster die Schlucht bestaunen möchte, muss noch eine Station weiter nach Bobadila fahren.

Die Fähre von Málaga nach Melilla, einer spanischen Exklave auf dem afrikanischen Kontinent, fährt jeden Abend. Tickets kann man sich am Fährterminal kaufen. Es gibt Schlafkabinen oder Pullman Seats zur Auswahl, aufgrund des beschränkten Geldbeutels entschieden wir uns für die Sitze und hatten zugegebenermaßen eine weitere Nacht mit sehr wenig Schlaf hinter uns, als wir morgens ankamen.

In Melilla angekommen, liefen wir zu Fuß zum Grenzübergang. Der Weg bis dorthin dauerte vielleicht 40 Minuten, man läuft größtenteils am Strand entlang. Die Aus- und Einreise ging relativ flott, es gab außer uns kaum jemanden, der die Grenze zu Fuß passierte. Angekommen auf der marokkanischen Seite, erwartete uns ein völlig anderes Stadtbild. Es waren viel mehr Menschen zu sehen und alle Gebäude waren merkbar in einem schlechteren Zustand. Zu Fuß ging es dann nochmal etwa 40 Minuten bis zum Bahnhof Beni Nsar Ville, wo um 9:25 Uhr ein Zug nach Fès fuhrt. Die Landschaft veränderte sich auf der Zugfahrt dauernd, war man zwischendurch in einer Wüste, in der man kein grün mehr bis zum Horizont gesehen hat, gab es kurz vor Fès wieder dunkelgrüne Wiesen. Auch äußerlich war dies eine der schönsten Lokomotiven, mit denen ich bisher gefahren bin, seht selbst.

In Fès blieben wir einige Tage und verloren uns in den unzähligen schmalen Gassen der Medina. Anschließend ging es mit dem Bus nach Merzouga, wo sich die größte Sandwüste Marokkos befindet. Als ich nachts den bombastischen Sternenhimmel in der Sahara erblickte, konnte ich es nicht glauben, dass wir nur mit Zug und Fähre hierher gekommen waren. Auf einmal erscheint die Sahara gar nicht mehr so weit entfernt von zuhause, es liegen nur einige Tage Fahrzeit dazwischen. Was mir zuvor auch nicht bewusst war ist, dass die Sahara nur zu einem sehr kleinen Teil aus einer Sandwüste besteht. Ein Großteil ist eine Steinwüste, die sah man auch über Stunden hinweg auf der Busfahrt nach Merzouga.

Auf dem Weg von Merzouga nach Marrakech machten wir halt im Dadestal, einem grünen Tal inmitten einer trockenen Gebirgslandschaft. Es ist ein wesentlich weniger touristisch erschlossenes Gebiet, in dem man bizarre Felsformationen bestaunen kann und welches sich sehr gut zum Wandern eignet. Nach einigen Tagen dort ging es mit dem Bus weiter nach Marrakech, wo wir nur einige Stunden verbrachten.

Von Marrakech, dem südlichsten Punkt des marokanischen Schienennetzes, fuhren wir mit dem Nachtzug nach Tanger. Online kann man für diesen Zug nur Tickets in der 2. oder 1. Klasse kaufen, es gibt aber auch einen Liegewagen. Die Tickets für den Liegewagen kosten ca. 37€ und man kann diese nur am Bahnschalter kaufen. Die Nachfrage danach scheint nicht allzu groß zu sein, wir konnten direkt vor Abfahrt noch Tickets kaufen und es waren viele Pritschen noch frei. Es handelt sich um einen Waggon mit komfortablen 4er-Kabinen. Die vielen Sitzwägen waren hingegen alle gut ausgebucht, diese sind auch nochmal einiges günstiger.

Von Tanger ging es mit einem Sammeltaxi nochmal für einige Tage nach Chefchaouen, einer Stadt mitten im Rif Gebirge. Hier bekamen wir nochmal einen ganz anderen Blick auf Marokko, alles ist saftig grün, was mit den hellblauen Häusern in der Stadt einen wunderschönen Kontrast ergibt. Die Kleinstadt war sehr entspannt, kein Vergleich zum chaotischen und schrillen Marrakech.

Zurück nach Spanien ging es auf dem Rückweg über eine andere Strecke. Von Tanger Med, einem Hafen ca. 40 Kilometer von Tanger entfernt, gibt es regelmäßig Fähren nach Algeciras, einer spanischen Stadt direkt neben Gibraltar. Die Überfahrt dauert nur 1,5h und ist damit wesentlich schneller als die Verbindung von Málaga nach Melilla. Von Algeciras gibt es mehrere Zugverbindungen Richtung Madrid, darunter auch eine Direktverbindung. Bei dieser Verbindung muss das Fahrgestell der Waggons auf der Strecke getauscht werden, da in Spanien abgesehen von den Hochgeschwindigkeitsstrecken die Schienen eine andere Spurweite haben als bei uns.

Im März war es noch nicht möglich, online Reservierungen in Spanien für Reisende mit einem Interrail Ticket vorzunehmen. Als wir in Algeciras ankamen und am Bahnschalter nachfragten, waren alle Züge für diesen und den nächsten Tag ausgebucht, wir mussten aber zwingend vor dem nächsten Streik durch Frankreich gefahren sein und hatten deswegen keine Zeit für einen ungeplanten, längeren Aufenthalt in Algeciras. Nach etwas Suchen bekamen wir am Bahnschalter Reservierungen für einen AVE von Sevilla nach Madrid und für einen Zug von Madrid nach Irún an der französischen Grenze für den nächsten Tag. Nach Sevilla mussten wir am Abend mit dem Bus fahren, hatten dafür am nächsten Morgen auch noch etwas Zeit uns diese wunderschöne Stadt anzusehen. So hatte die ungünstige Reservierungssituation auch seine gute Seite.

Ohne einen einzigen Halt fuhren wir von Sevilla mit einem AVE bis nach Madrid Puerta De Atocha. Von dort aus ging es mit der Metro zum Bahnhof Madrid Chamarin, wo unser Zug nach Irún abfuhr. Um 23 Uhr kamen wir in Irún an und hatten dort Zeit bis um 4:51 Uhr, wo der erste Zug in Henday auf der französischen Seite weiterfuhr. Die Nacht verbrachten wir, indem wir in einer Bar Billiard spielten, danach einen großen Strandspaziergang unternahmen und versuchten zu schlafen. Es sind in dieser Nacht auch noch weitere Personen an der Grenze zwischen Spanien und Frankreich hängen geblieben und wir kamen mit mehreren ins Gespräch. Es war sehr spannend zu erfahren, wie und warum jeder einzelne von uns hier gelandet war.

An die Zugfahrt nach Bordeaux und weiter Paris habe ich nur wenig Erinnerungen, die meiste Zeit habe ich wohl geschlafen. Von Paris aus fuhr ich noch weiter nach Belgien und in die Niederlande, um Freunde zu besuchen, anschließend ging es für mich von Amsterdam zurück nach Berlin.

Auch wenn die Fahrt durch Frankreich auf dem Hinweg sowie die Nacht an der Grenze zu Frankreich auf dem Heimweg an den Kräften gezehrt haben, war es ein wunderschöner und sehr abwechslungsreicher Urlaub. Es fühlt sich vor Ort einfach anders an, wenn man einen stundenlangen Anfahrtsweg hatte und sah, wie die Landschaft langsam von einer Vegetationszone zur anderen wechselte. Genau das ist es, was mich an langen Zugreisen so fasziniert.

Konnte ich euch inspirieren, eine ähnliche Reise nach Marokko zu unternehmen? Dann gibt es hier noch einige Updates zur aktuellen Routensituation.

Update zur Strecke (Stand 2023):

  • Reservierungen für Züge in Spanien können inzwischen über die Interrail Seite gebucht werden.
  • Der Direktzug von Barcelona nach Málaga fährt nun früh morgens, es ist nicht möglich den Zug von Frankreich aus kommend zu erreichen. Stattdessen kann eine Verbindung über Madrid gewählt werden.
  • Die Fähre von Málaga nach Melilla fährt nicht mehr über Nacht, sondern kommt am späten Abend in Melilla an.

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