mit dem Zug durch Europa

Schlagwort: Italien

Wie alles begann – Einmal um die Adria vor 10 Jahren

Heute berichte ich von meiner ersten großen Interrail-Reise, als ich vor 10 Jahren einmal um die Adria gereist bin. Ich habe dazu einmal das Foto-Archiv durchwühlt und Notizen von damals gelesen, um diese Reise zu rekonstruieren. Rückblickend ist es sehr interessant zu sehen, was sich seitdem im Schienennetz in Europa getan hat – sowohl positives als auch negatives. Viele der Verbindungen auf dem Balkan, mit denen wir damals gefahren sind, gibt es heute nicht mehr. Durch die Alpen hat sich das Zugreisen hingegen beschleunigt und auch die in- und outbound journey im Interrail Pass macht das Reisen heute komfortabler als damals.

Fahrstrecke der Interrailreise 2015
Fahrstrecke der Interrailreise 2015

Los ging es mit dem RE nach Stuttgart, wo der Hauptbahnhof damals eine riesige Baustelle war – so wie auch noch heute. Damals fanden wir eine große Baugrube vor, heute sind einige Teile des neuen Bahnhofs bereits fertiggestellt. Da man mit dem Interrail Ticket ausschließlich im Ausland fahren durfte, waren wir am ersten Tag mit dem Baden-Württemberg Ticket unterwegs. Den IC nach Zürich, heute für den Regionalverkehr innerhalb Deutschlands freigegeben, durften wir mit unserem Ticket nicht fahren. Also ging es anschließend nach Ulm und von dort aus mit dem RE nach Schaffhausen und Zürich.

Nach einem Aufenthalt von 2 Stunden in Zürich fuhren wir mit dem EC nach Mailand. Dort besuchten wir am folgenden Tag die EXPO15, eine riesige Messe, auf der sich die Länder der Welt vorstellen. Architektonisch waren einige „Pavillione“ sehr spannend, den genauen Sinn hinter der Expo habe ich aber ehrlicherweise nicht wirklich verstanden und verstehe ihn bis heute nicht so richtig. Es war aber auf jeden Fall eine spannende Veranstaltung.

Da die Hostels in Mailand aufgrund der Expo alle ausgebucht waren oder sehr teuer waren, fuhren wir nach zwei Nächten weiter. Unser nächster Stopp war Ancona, von wo aus unsere Fähre nach Griechenland losfuhr. Aus irgendeinem Grund fuhr die Fähre an diesem Tag erst mehrere Stunden später ab, sodass wir einen halben Tag am Porta Pia darauf warteten, dass die Fähre bereitsteht. Mit dem Interrail Ticket sollte die Fähre eigentlich inkludiert sein, am Ende bezahlten wir mit den ganzen Zuschlägen (Hochsaisonszuschlag, Treibstoffzuschlag, Hafenzuschlag) dann doch 42€. Die 22h auf der Fähre verbrachten wir auf dem Deck, nachts schliefen wir auf unseren Isomatten. Das klingt vielleicht ätzend, doch ich habe die Fährfahrt in guter Erinnerung. Es war sehr entspannt, wir spielten Karten und lernten eine Familie kennen, die uns einlud, auf dem Rückweg in Innsbruck bei ihnen Halt zu machen.

In Patras (Griechenland) verbrachten wir eine Nacht in einem Hostel, welches ich bis heute als das dreckigste Hostel in meinem Leben bezeichne. Die Bettlaken waren mal weiß, inzwischen waren sie aber gelb. In der Dusche wusste man nicht, ob die Fugen aus Beton, Holz oder Schimmel bestehen und der Durchlauferhitzer in der Duschkammer hatte keine Verkleidung mehr, die offenen Stromkabel hingen direkt neben der Duschbrause. Wir schliefen in unseren Schlafsäcken und verließen das Hostel am nächsten Morgen.

Von Patras nach Athen wird die Eisenbahn ausgebaut. Deswegen mussten wir mit einem Bus fahren, der allerdings von Trainose betrieben wurde und im Interrail Ticket inkludiert war. In Akrata stiegen wir aus und liefen zum Zeltplatz Akrata Beach Camping, wo wir für einige Tage blieben. Mittags wurde es seehr heiß und die Zirpen, welche auf allen Bäumen hockten, machten einen unglaublichen Krach, erst nachts wurde es wieder still. Während der Mittagshitze verbrachten wir die Zeit am Kiesstrand des Campingplatzes.

An einem Tag machten wir einen Tagesausflug nach Diakopto, um von dort aus mit der Schmalspurbahn nach Kalavryta zu fahren. In Diakopto sah der neue Bahnhof für die Strecke Patras – Athen eigentlich schon fertig aus, doch in der Realität fährt auch heute, 10 Jahre später, noch kein Zug bis Patras auf dieser Strecke. Das Sparprogramm, welches der Regierung von der EU aufgedrängt wurde, hat eine Fertigstellung immer wieder verhindert. Aktuell heißt es, dass die Strecke 2026 eröffnet wird, wir werden sehen.

Die schmale Bahnstrecke, welche das Vouraiko Tal entlangführt, war wunderschön. Oben angekommen machten wir eine kleine Wanderung und sahen uns in dem Ort um, welches leider eine dunkle Geschichte hat. Nazi-Deutschland hat während des zweiten Weltkrieges das ganze Dorf niedergebrannt und alle Männer hingerichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass das Terrorregime auch im Südosten Europas wütete. Wie gut, dass auch heute noch darauf mit Infotafeln aufmerksam gemacht wird.

Auf der Rückfahrt fuhren wir nur bis zum Mittelstation mit dem Zug und wollten den Rest zu Fuß wandern. Wir dachten, die Mittelstation wäre die erste Station vor Diakopto auf der Karte, doch es gibt Bahnhöfe, die nicht mehr angefahren werden. So war die Wanderstrecke nicht nur 5km lang, sondern 12km. Außerdem stellte sich heraus, dass es keinen Wanderweg gibt. Man konnte nur auf den Schienen weiter nach unten laufen, und das taten wir auch. Die Mittagssonne prallte uns auf den Kopf, unsere Wasservorräte neigten sich dem Ende zu. Als laut Fahrplan bald ein Zug wieder vorbeikommen sollte, machten wir im Fluss Pause um uns abzukühlen. Danach ging es weiter bergab, bis wir endlich in Diakopto ankamen. Im ersten Kiosk kauften wir mehrere Flaschen Wasser und jeder trank fast einen Liter davon.

Als nächste Station der Reise machten wir in Korinth Stopp. Bis Kiato mussten wir dafür den Bus nehmen, von dort aus fuhren, wie auch heute noch, Züge weiter nach Athen. Wir hatten alle frisch das Abi gemacht und mussten als Prüfungslektüre Homo Faber lesen, was unter anderem auf Akrokorinthos spielt. Dorthin wanderten wir und besuchten die Runie der Festung auf dem Berg. Im Bed&Breakfast hatten wir ein bombastisches Frühstück und Abendessen, da der Besitzer in einem Restaurant arbeitete und uns von allen Gerichten etwas am Abend mitgebracht hat.

Danach ging es weiter nach Athen, der Hauptstadt Griechenlands. Das Parlamentsgebäude war damals in den deutschen Nachrichten oft zu sehen, die Schuldenkrise Griechenlands war im vollen Gange. Noch berühmter ist natürlich die Akropolis, welche wir ebenfalls besichtigten. Viel Zeit verbrachten wir dort oben allerdings nicht, die Stadt ist im August unglaublich heiß. Wir hatten jeden Tag fast 40°, besonders schlimm war es bei der Akropolis, da es nicht einen einzigen Baum dort oben gibt und durch die Steine überall die Luft noch weiter aufgeheizt wird. Wir machten die obligatorischen Bilder und gingen schleunigst wieder den Berg hinunter.

Der nächste Stopp hieß Meteora-Klöster. Da der Zug, welchen wir von Athen aus nehmen wollten, bereits voll war (man musste Sitzplätze reservieren, was nur am Bahnschalter möglich war), fuhren wir mit einem späteren Zug nach Paleofarsalos. Das ist ein kleiner Bahnhof, der gleichzeitig aber ein Drehkreuz im Schienennetz Griechenlands darstellt. Von hier aus muss man in die Züge umsteigen, welche nach Kalambaka fahren. Wir übernachteten in der Wartehalle des Bahnhofs, die erste Nacht seit einer Woche mit Klimaanlage. Mit dem ersten Zug ging es nach Trikala, wo wir im Hostel am frühen Morgen unser Gepäck abgaben. Danach ging es mit dem nächsten Zug weiter nach Kalambaka, wo wir zum ersten Kloster liefen und um Punkt 8 Uhr die ersten Gäste des Tages waren.

Die Meteora-Klöster befinden sich alle auf steilen Klippen und geben eine beeindruckende Kulisse. Wir besuchten zwei davon, bevor es wieder zurück nach Trikala ging. Dort machten wir am nächsten Tag eine weitere Wanderung, bevor es mit dem Zug nach Thessaloniki ging.

In Thessaloniki fuhren wir für einen Tag an einen Strand und besorgten uns ein Zugticket nach Sofia für den nächsten Tag. Am frühen Morgen fuhr der Zug los, auf den letzten Kilometern vor der bulgarischen Grenze nur in Schrittgeschwindigkeit aufgrund der maroden Strecke. Zwei Jahre später wurde deswegen nur ein Busservice für diese Strecke angeboten, wir fuhren noch durchgehend auf den Schienen. Inzwischen gibt es auf dieser Verbindung gar keine Züge mehr.

Bei Einfahrt nach Sofia sahen wir bis zum Horrizont nur Müll, anschließend fuhr der Zug durch einen Art Slum, es sah furchtbar aus. Am Bahnhof wurden wir von einem Mann belästigt, der Geld von uns haben wollte und nicht locker ließ. Der erste Eindruck der Stadt war wirklich nicht gut – das änderte sich schlagartig, als wir eine unscheinbare Metalltür öffneten und im Innenhof des Hostels Mostels ankamen. Durch den „Bast Balkan Pass“, den wir in Trikala erhielten, bekamen wir einen 10% Discount und zahlten nur 8,10€ pro Nacht für ein tolles Hostel mit gratis Kaffee, gratis Frühstück, gratis Abendessen (!) und gratis WLAN. PCs zum surfen gab es auch, tatsächlich hatte keiner von uns eine Internetflat für das Ausland (Roming in der EU war sündhaft teuer) und wir waren immer offline unterwegs. Das Hostel veranstaltete auch unterschiedliche Aktivitäten.

An einem Tag machten wir einen Ausflug zu einem Wasserfall in den Bergen bei Sofia. Als der Bus, auf den wir warteten, eintraf, war dieser mit dem Satz „Für die Umwelt – fahr mit dem Bus“ beschriftet. Auch alle Sicherheitshinweise im Bus waren auf deutsch und weiteren westeuropäischen Sprachen, auf bulgarisch stand nichts. Hier landen also alle Busse, welche bei uns ausgemustert werden.

Die nächste Zugfahrt fand in Schlafwägen statt, auf denen an einigen Ecken noch das Logo der Deutschen Reichsbahn (aus der DDR) zu finden war. Es war der Nachtzug von Sofia nach Belgrad, welchen es inzwischen ebenfalls nicht mehr gibt. Angekommen sind wir im alten Bahnhof von Belgrad, der damals noch in Betrieb war. Heute befindet sich ein neuer Stadtteil auf dem Gleisvorfeld des damaligen Bahnhofs, auf dem bereits der Orient Express halt machte, und nur das Hauptgebäude hat überlebt. Obwohl die Reisedauer für die Strecke schon im Fahrplan lange angegeben war, hatten wir mehrere Stunden Verspätung, als wir in Belgrad ankamen. Auf der Reise mit dem Optima Express vor 2 Jahren war es nicht anders, die Strecken in Südserbien sind weiterhin in einem katastrophalen Zustand. Doch im Vergleich zu damals gibt es heute keine Zugverbindung mehr über diese Strecken.

In Belgrad verbrachten wir zwei Nächte in einem Hostel und besichtigten die Stadt. In diese Zeit fiel auch der Sieg der Nationalmannschaft in der Wasserball-WM, wo wir zufälligerweise auf eine große Feier mit den Spielern vor dem Parlamentsgebäude stießen. Ansonsten ist mir besonders das von der NATO zerstörte Armeegebäude mitten in der Stadt in Erinnerung geblieben. Mehrmals wurden wir von Einheimischen darauf hingewiesen, dass wir dies besichtigen sollen. Eine kritische Aufarbeitung der Jugoslawienkriege gab es in diesem Land bisher noch nicht.

Auch die nächste Zugverbindung, die wir damals nahmen, existiert heute nicht mehr, nämlich von Belgrad nach Zagreb. Wir stiegen allerdings in Slavonski Brod aus, eine Stadt im Osten Kroatiens. In Slavonski Brod gab es das anscheinend größte Freiluftgemälde der Welt, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass dieser Rekord heute noch gilt. Außerdem besuchten wir alte Militäranlagen aus der Zeit Österreich-Ungarns. Für einen Tag ging es auf die andere Seite der Save nach Bosnien-Herzegowina.

Unser nächster Stopp hieß Zagreb, wo viele Migranten sich am Bahnhof aufhielten und versuchten, weiter nach Norden oder Westen zu gelangen. 2015 war auch das Jahr der großen Fluchtbewegung von Syrien nach Europa, auf dem Balkan bekamen wir immer wieder etwas davon mit. In der wunderschönen Stadt blieben wir für zwei Nächte.

Danach ging es weiter nach Lubljana, eine Stadt, die mir besonders durch die vielen Fußgängerzonen und die tolle Innenstadt in Flussnähe im Kopf geblieben ist. Am Wochenende fand direkt am Fluss ein Markt statt, an dem man lokale kulinarische Highlights essen konnte.

Am Faaker See besuchten wir die Familie einer der Personen aus unserer Gruppe beim Familienurlaub. Unsere Zelte, welche wir seit Griechenland nicht mehr verwendeten, kamen hier wieder zum Einsatz. Dort stellte sich uns die Frage, wie unsere Route weiter in Richtung Deutschland verlaufen sollte. Ein Teil der Gruppe wollte nach Wien, ein Teil nach Venedig. Schlussendlich fragten wir uns: „Warum entweder oder, warum nicht beides?“ So kam es, dass wir erst nach Venedig und anschließend zurück nach Wien fuhren.

Venedig ist wunderschön, es ist kaum zu glauben, dass dieser Ort tatsächlich existiert. Deswegen kommen Millionen von Besuchern jedes Jahr – die Stadt leidet extrem unter Massentourismus. Durch alle Gassen muss man sich drücken, die Preise sind viel teurer als im Rest Italiens. Natürlich bringt der Spruch „Touris sind immer die anderen“ nichts. Ich habe für mich beschlossen, nicht mehr nach Venedig zurück zu kommen und nicht nochmal Teil des Problems zu sein. Aber ganz ehrlich: Für einen einmaligen Besuch lohnt es sich, es ist genauso schön wie man es sich vorstellt.

Nach Wien mussten wir die erste Strecke mit dem Bus fahren, Ersatzverkehr, da die Bahnstrecke für einige Tage gesperrt war. Ab Villach ging es über die Südbahn nach Wien. Dort stand für mich ein Wiener Schnitzel auf dem Programm. Ansonsten haben wir uns alle Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen, den Prater, Schloss Schönbrunn und wie sie alle heißen.

Nach zwei Nächsten in Wien ging es mit dem Railjet nach Tirol, nach Innsbruck. Die Familie, welche wir am dritten Tag unserer Reise auf der Fähre getroffen hatten, hat uns damals angeboten, im schönsten Garten der Stadt unser Zelt aufzuschlagen. Sie haben nicht übertrieben, auf dem Grundstück gab es einen natürlichen Wasserfall, einen Blick über die Stadt bis zur Schischanze, einen Pool – sie hatten nicht übertrieben. Wir verbrachten die Zeit mit Wandern zu Almhütten oder Kartenspielen im Garten.

Mit diesem tollen letzten Stopp beendeten wir unsere Tour, am 30. Tag des Interrail Tickets ging es zurück nach Deutschland.

Im Frühjahr von Deutschland bis nach Palermo

Im März 2025 ging es zum zweiten Mal für mich mit dem Zug nach Sizilien. Nachdem ich vor 3,5 Jahren im Osten der Insel war (siehe Beitrag hier), sollte es diesmal in den Westen der großen Mittelmeerinsel gehen.

Wohin die Reise genau gehen sollte, stand am ersten Tag tatsächlich noch gar nicht fest. Mit zwei Freunden und je einem 5-Tage-Interrail-Pass auf dem Handy fuhren wir am Ersten Tag über München mit dem Direktzug bis nach Bologna. Dort planten wir unsere weitere Route anhand der Wettervorhersage in verschiedenen Regionen des Landes.

Bologna ist eine wunderschöne Stadt, die besonders durch die vielen Arkaden heraussticht. Diese gibt es in nahezu allen Straßen der Stadt und sogar außerhalb der Stadt für 2km den Berg hinauf zum Santuario della Madonna di San Luca. Die vielen Türme in der Stadt und eine nie fertiggestellte Kathedrale sind weitere Highlights der Stadt. Außerdem ist es eine sehr fußgängerfreundliche Stadt, welche durch ein Tempo-30 Limit die Zahl der Verkehrstoten auf 0 im letzten Jahr senken konnte. Auch ein neues Tram-Netzwerk wird aktuell in Bologna gebaut, nachdem das alte Netz in den 60er Jahren stillgelegt wurde. Kurzgesagt: Bologna ist eine Stadt, von der viele Städte in Deutschland lernen können und in der Verkehrswende gelebt wird.

Nach zwei Tagen in Bologna fuhren wir mit einem Frecciarossa am Morgen bis nach Salerno, dem südlichsten Punkt des italienischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Dort und im schnuckeligen Städtchen Vietri sul Mare, das in wenigen Minuten mit der Regionalbahn von dort zu erreichen ist, verbrachten wir den Tag. Am Abend gab es natürlich eine fantastische Pizza zum Essen. Um kurz vor 23 Uhr stiegen wir in den Nachtzug nach Palermo. Für einen Interrail-Tag ist nur die Abfahrtszeit eines Zuges relevant, für die Strecke von Bologna bis nach Palermo mussten wir somit nur einen Tag aktivieren.

Ich schlief gut und fest im Liegewagen, vom Verladen auf die Fähre und wieder herunter bekam ich diesmal nichts mit. Als ich am Morgen aufwachte, standen wir im Bahnhof von Capo d’Orlando. Leider ging es von hier auch nicht mehr weiter, da unser Zug aufgrund von Sturmböen nicht weiterfahren durfte. Nach einiger Zeit mussten wir in eine Regionalbahn umsteigen, die uns mit ca. 1,5 Stunden Verspätung nach Palermo brachte. Für die Unannehmlichkeiten bekamen wir von der Trenitalia eine Entschädigung von 25% auf unsere Reservierung, die über ein Onlineportal beantragt werden konnte. Sehr fair, wie ich finde.

Der Unterschied zwischen Bologna und Palermo könnte größer nicht sein. Auch wenn die Stadt ihr Mafia-Problem die letzten Jahre massiv zurückdrängen konnte, anscheinend ist es jetzt die sicherste Stadt Italiens, entsprechen einige Vorurteile weiterhin der Realität. So liegt abseits der Innenstadt sehr oft Müll in den Straßen, teils in horrenden Mengen. Als wir an der Küste entlang wanderten, türmte sich auch dort der Plastikmüll. Zum Fahrradfahren lädt die Stadt auch nicht gerade ein. Doch die Stadt hat auch ihre schönen Seiten. Da gibt es zum einen die gigantischen, teils hunderte von Jahren alten Gebäude in der Innenstadt. Und zum anderen viele kleine Gassen, und um jede Ecke neue Geschäfte und kleine Cafés, die entdeckt werden wollen. Alles in allem hat mich Palermo positiv überrascht, es ist definitiv sehenswert. Auch die Busfahrt zum Santuario di Santa Rosalia war ein Highlight, über viele Serpentinen geht es den Berg hinauf. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt, das Meer und die umliegenden Berge. Zum Santuario gibt es auch eine alte Straße, die inzwischen nur noch für Fußgänger und Fahrradfahrer freigegeben ist, auf der wir wieder den Berg herunterliefen.

Nach zwei Tagen in Palermo machten wir einen Tagesausflug nach Agrigento. Wir haben den Ort auswegwählt, da es dorthin eine gute Zugverbindung gibt und wir auf dem Rückweg im Inneren der Insel wandern gehen wollten. Über die Stadt haben wir uns sonst nicht weiter erkundigt. Doch bereits vor Ankunft war uns klar, dass dort heute irgendein Event stattfinden musste. Auf den letzten Stationen war der Zug brechend voll, und auch auf der Straße, die neben der Zugstrecke verlief, standen die Autos Schlange.

Agrigento ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Italiens, und wir hatten einen Tag erwischt, an dem es einen großen Umzug mit verschiedenen Trachtenvereinen aus verschiedenen Ländern durch die Stadt gab. Außerdem gab es viele Stände mit Essen oder kunsthandwerklichen Gegenständen – es war eine sehr willkommene Überraschung. Sogar ein Sonderzug auf der sich sonst nicht mehr im Betrieb befindlichen Strecke nach Porto Empedocle fuhr an diesem Tag, den wir aus Zeitgründen allerdings nicht nehmen konnten.

Auf dem Rückweg stiegen wir dann in Campofranco aus, dem Bahnhof, der uns bei der Hinfahrt zum Loswandern am meisten zugesagt hat. Zuerst besichtigten wir noch eine verlassene Fabrik direkt neben dem Bahnhof. Anschließend liefen wir von dort nach Sultera, einem Dorf, welches auf einem Berg thront und fast schon majestätisch wirkt – und die Aussicht von oben war auch wirklich spektakulär. Nach einiger Zeit ging es per Anhalter wieder zum Bahnhof und wir stiegen in der Abenddämmerung in den Zug zurück nach Palermo.

Nach einem weiteren Tag in Palermo fuhren wir wieder auf das Festland. Da ich einmal tagsüber erleben wollte, wie die Waggons auf die Fähren verladen werden, nahmen wir den IC um 07:05 Uhr am Morgen. Leider baute der Zug auf seiner Fahrt durch Sizilien eine Verspätung von einer Stunde auf, sodass Trenitalia entschied, die Waggons nicht mit der Fähre überzusetzen. Stattdessen mussten alle Passagiere in Messina aussteigen und eine Passagierfähre fuhr uns über die Meerenge nach Villa S. Giovanni. Dort fuhr der Zugteil aus Siracusa pünktlich ab, sodass wir auch pünktlich in Napoli Centrale ankamen. Mit einem Frecciarossa ging es von dort aus noch weiter bis nach Arezzo, wo wir nach fast 13 Stunden ankamen.

In der Toskana waren wir 3 Tage auf dem Franziskusweg wandern. Am ersten Tag mussten wir dazu noch mit einer Nebenbahn nach Pratoveccio Stia fahren. Bei der Trenitalia wurde an diesem Tag gestreikt. Da die Bahn von einem lokalen Bahnanbieter betrieben wird, betraf uns das zum Glück nicht. Von Stia aus ging es in 3 Tagesetappen bis zum Kloster La Verna. Die Laubbäume hatten noch keine Blätter, sodass die Landschaft sehr karg aussah. Die hügelige, teils auch felsige Landschaft war trotzdem spannend anzusehen und immer wieder tauchten wunderschöne, verschlafene Ortschaften in den Tälern auf. Wir waren nahezu die einzigen Wanderer, uns begegneten jeden Tag nur eine Handvoll Wanderer und auch die ersten beiden Unterkünfte waren fast leer.

Am letzten Tag unserer Wanderung ging es nach Bibbiena, von dort aus fuhren wir mit dem Zug wieder nach Arezzo, wo wir eine weitere Nacht übernachteten. Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Deutschland. Da wir mit dem langsameren, aber dafür auch gemütlicheren IC anstelle eines Frecciarossas nach Milano kamen und eine Umsteigeverbindung durch die Schweiz wählten, zahlten wir für den ganzen Tag nur 3€ an Reservierungsgebühren für unser Interrail Ticket. Im IC innerhalb der Schweiz, mit dem wir durch den Gotthard Basistunnel fuhren, gab es sogar Stühle im Speisewagen. Das hatte ich davor noch nie gesehen.

Mit dem Wetter hatten wir auf der Reise echt Glück. Am ersten Tag in Palermo hatten wir sagenundschreibende 28°, während in der Toskana Hochwasseralarm herrschte. Als wir einige Tage später in der Toskana waren, wanderten wir in einer dreitägigen Regenpause, direkt danach schwenkte das Wetter wieder auf Regen zurück. Hier hat sich das Interrailticket echt ausgezahlt, da wir spontan entscheiden konnten, wohin die Reise gehen soll. Auch von den Zügen durch Italien, nicht zuletzt die großartigen Nachtzüge, war ich wieder einmal begeistert. In Italien macht das Reisen einfach Spaß, zumindest wenn man nicht in der Hochsaison unterwegs ist.

Mit dem Nachtzug im Herbst nach Italien

Ende Oktober 2023 fuhr ich zusammen mit meinen Eltern nach Italien. Eine Nachtzugfahrt, ein Besuch von Pompei und eine Fahrt mit dem Bernina Express standen auf ihrer Bucket Liste, ich wurde damit beauftragt, daraus einen Urlaub zu planen. Wir entschieden uns für ein Interrailticket für drei Tage, an zwei weiteren Tagen fuhren wir mit Einzeltickets.

Am ersten Tag ging es für mich von Berlin aus Richtung Süden, wo ich in Crailsheim auf meine Eltern traf und wir gemeinsam weiter bis nach München fuhren. Dort aßen wir zu abend, bevor wir in den Nachtzug nach La Spezia einstiegen. Wir fuhren im Schlafwagen in einem Abteil für uns und mit einem eigenen Bad auf dem Abteil. Alles war sauber, das Bett war bereits bezogen und man konnte sich das Frühstück auf einem Flyer zusammenstellen sowie die Frühstückszeit für den nächsten Morgen wählen.

Als ich am nächsten Tag aufwachte, befand sich der Zug gerade irgendwo zwischen Milano und Genova. Ab Genova fuhr der Zug entland der ligurischen Küste, mit einem wunderschönen Blick auf das Meer. Der Höhepunkt der Zugfahrt war dann die letzte halbe Stunde, als der Zug durch die Cinque Terre fuhr, bevor er in La Spezia ankam. Die Cinque Terre, das sind fünf wunderschöne kleine Dörfer mit bunten Häusern an der ligurischen Küste, die alle ihren eigenen Bahnhof haben.

Nach Einchecken im AirBnB ging es mit dem Zug nochmal eine Station zurück nach Riomaggiore. Von dort gibt es einen schönen Wanderweg nach Manarola, wo es das wohl bekannteste Postkartenmotiv der Cinque Terre gibt. Am nächsten Morgen fuhren wir nochmals in die Chinque Terre, nach Monterosso, bevor es mit einem Frecciabianca nach Rom weiterging.

In Rom besichtigten wir die typischen Sehenswürdigkeiten, auf die ich hier nicht weiter eingeben werde. Obwohl ich schon zweimal in Rom war, gab es immer noch viel Neues für mich zu besichtigen. Trotz der späten Jahreszeit waren immer noch sehr viele Touristen unterwegs, für das Kolosseum und das Forum Romanum musste man Tickets bereits einige Tage im Voraus buchen. Ein Geheimtipp ist der Parco degli Acquedotti, ein Park etwas außerhalb von Rom gelegen, in dem ein großes Stück eines antiken Aquädukts steht. Hier entzieht man sich dem Trubel im Stadtzentrum, trotzdem ist der Park gut mit der Metro erreichbar.

Für einen Tagesausflug ging es von Rom nach Napoli. Der Frecciarossa macht es möglich, der für die Strecke zwischen den beiden Städten gerade einmal 1 Stunde und 10 Minuten braucht. Nochmals weitere 50 Minuten braucht man mit der Regionalbahn, um nach Pompei zu kommen. Dort verbrachten wir mehrere Stunden in der beeindruckenden archäologischen Ausgrabungsstätte. Am Abend ging es dann noch auf den Montesanto und natürlich gab es zum Abendessen eine typisch neapolitanische Pizza. Mit dem letzten Zug ging es um 20:30 zurück nach Rom.

Nach zwei weiteren Tagen in Rom machten wir uns langsam zurück auf den Heimweg. Mit einem italo Zug, einem privatwirtschaftlichen Konkurrenten der staatlichen Trenitalia, ging es ohne Halt direkt von Rom nach Milano. Der Zug hat einen hohen Reisekomfort, einzig das Bordrestaurant habe ich vermisst. Die bereitgestellten Snackautomaten sind m.M.n. kein Ersatz für ein echtes Restaurant. Im Milano verbrachten wir einen halben Tag mit Sightseeing sowie eine Nacht im Hotel, bevor es am nächsten Tag weiterging.

Mit dem Zug ging es zuerst nach Tirano an der Schweizer Grenze. Die Zugfahrt geht auf langen Strecken entlang es Lago di Como, mit beeindruckendem Ausblick. Von Tirano aus fährt der Bernina Express bis nach Chur, wir bekamen aber eine Mail, dass dies heute aufgrund eines Steinschlags nicht der Fall ist. Wir hatten anfangs etwas Sorge, ob wir wie geplant am Abend in Chur ankommen, aber auf die Schweizer Bahnen ist Verlass. Es gab einen Ersatzverkehr bis in den Ort Poschiavo, dort fuhr dann nach normalem Fahrplan der Zug nach Chur ab.

Während es unten noch Spätsommer war, gab es auf dem Berninapass bereits eine geschlossene Schneedecke. Dazwischen hingen Laubbäume im Herbstlaub, es war eine unglaublich schöne Fahrt. Man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Angekommen in Chur, ging es mit einer Regionalbahn noch weiter nach Heerbrugg, von dort aus mit einem Bus nach Hohenems in Österreich.

Nach einer letzten Nacht in einem Hotel ging es am nächsten Morgen von Hohenems aus auf den Heimweg. Für mich bedeutete dies eine Fahrt nach Bregenz, anschließend mit dem aus Zürich kommenden EC nach München und zuletzt mit dem ICE zurück nach Berlin. Es war eine schöne und abwechslungsreiche Reise und ich konnte damit meinen Eltern das Zugreisen schmackhaft machen, immerhin war es der erste Nachtzug für meinen Vater und der erste Nachtzug meiner Mutter seit ihrer Jugend. Vielleicht inspiriert der Blogbeitrag ja auch dich dazu, eine Zugreise zu planen.

Mit dem Zug auf die Fähre: Urlaub in Sizilien

Eine der verrücktesten Zugverbindungen Europas muss die Verbindung nach Sizilien sein. Hier wird der Zug nämlich an der Fußspitze Italiens auf eine Fähre geladen, um die Meerenge von Messina zu passieren. Doch der Reihe nach.

Im Oktober 2021 verbrachte ich meinen Urlaub in Italien. Mit einem 4-Tage-Interrailticket ging es am ersten Tag von Stuttgart Hbf um 8:29 Uhr über die Gäubahn nach Zürich. Angekommen in Zürich, hatten wir 10 Minuten Umsteigezeit, um den EC um 11:33 Uhr nach Milano zu erwischen. Unser Zug hatte in Deutschland zum Glück keine Verspätung aufgebaut, sodass wir pünktlich ankamen und den doch sehr knappen Umstieg meisterten, der Schweizer Pünktlichkeit sei Dank.

Die Schweiz ist ein traumhaftes Eisenbahnland, beim Blick aus dem Fenster kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Entlang des Zürichsees schlängelt sich die Bahnstrecke, mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Vor dem Gotthard-Basis-Tunnel beschleunigt der Zug, bis er wie in einem magischen Portal verschwindet. 16 Minuten ist es dunkel vor dem Fenster, dann ist der längste Eisenbahntunnel der Welt mit 57km Länge durchquert und man befindet sich auf der Südseite der Alpen.

Pünktlich kamen wir in Milano Centrale um 15:17 Uhr an und hatten hier nochmal eine Stunde Aufenthalt, bevor wir mit dem Frecciarossa 5 Stunden lang nach Napoli Centrale fuhren, unserem ersten Stopp der Reise.

Schrill, eng, dreckig, chaotisch – so könnte man Napoli zusammenfassen. Doch gleichzeitig hat die Stadt auch einen ganz eigenen Charme. Hier ist nichts herauspoliert, sondern alles ist echt. Und die Geschichte, von der Zeit der alten Griechen über die Römer, den Kirchenstaat bis zum heutigen Italien, ist überall zu spüren. Mit hat die Stadt sehr gut gefallen, die Meinungen gehen hier allerdings auseinander.

Am ersten Tag besichtigten wir Pompeii, was ungefähr eine Stunde entfernt von Napoli liegt. Die Ausgrabungsstätte ist wohl die berühmteste römische überhaupt, da bis auf die Dächer der Gebäude die komplette Stadt noch enthalten ist. Mosaike, Wandgemälde, Putz – vieles wirkt, als wäre es gestern noch belebt gewesen. Das Gelände ist riesig und man kann hier ohne Probleme einen halben Tag verbringen.

Am zweiten Tag erkundeten wir die Stadt, besuchten Museen, machten eine Tour durch antike Tunnel unterhalb der Stadt und aßen natürlich Pizza. Die typische Pizza ist hier die Pizza Marinara, eine Pizza ohne Käse, nur mit Tomatensauce und etwas Knoblauchöl. Klingt sehr unspektakulär, schmeckt aber bombastisch.

Am nächsten Tag in Napoli wollten wir den Vesuv, der nur wenige Kilometer neben der Stadt thront, besteigen. Dazu ging es mit der Metro nach Ottaviano. Das richtige Ticket und die richtige Bahn zu finden, war dabei alles andere als einfach, mit verschiedenen Tickets, Zuganbietern und Schranken vor den Gleisen ist es am besten, einfach Leute anzusprechen und nach der Richtung und dem richtigen Ticketautomaten zu fragen.

Auf OpenStreetMaps haben wir einen Wanderweg ab Ottaviano bis zum Gipfel des Vesuvs gefunden. Dieser ist sehr wenig besucht, den ganzen Tag über begegneten wir genau einer weiteren Person auf dem Vesuv. Die Aussicht war wunderschön, ganz hoch zum Krater kamen wir aber nicht, da hierfür Eintritt verlangt wird. Abends stiegen wir wieder ab und fuhren mit der Metro zurück zur Unterkunft, wo wir uns richteten, um dann unseren Nachtzug zu erwischen.

Um 22:36 Uhr ging es los in Napoli Centrale, auf dem Weg vom Vesuv zum Ätna. Wir hatten eine Liegewagenkabine zu dritt, aufgrund der Corona-Pandemie konnte man im Jahr 2021 nur private Kabinen für Gruppen von bis zu 4 Personen buchen. Als wir einstiegen, hat es draußen genieselt und es war dunkel. Nachts wachte ich während des Rangierens auf die Fähre kurz auf. Ich sah vor dem Fenster, wie unser Waggon auf die Fähre rangiert wurde und dort festgemacht wurde. Das Klackern der Schienen verwandelte sich während der Überfahrt zu einem Schaukeln und dem dumpfen Geräusch eines Schiffsmotors. Auf Sizilien angekommen, wurde der Waggon wieder aus der Fähre geschoben. Theoretisch hätte ich während des Geschehens weiterschlafen können, doch ich wollte in dieser Nacht das Geschehen verfolgen.

Als wir am nächsten Morgen die Jalousie öffneten, konnten wir den Ausblick, der sich uns bot, kaum fassen. Wir schauten auf das offene Meer, auf einen wolkenfreien Himmel, und einen Ätna im Hintergrund, der gerade Asche in die Luft pustete. Es war unglaublich.

Nach kurzer Zeit kamen wir bereits um 7:45 Uhr in Catania Centrale an. Wir gingen zur Unterkunft und informierten uns über Touren auf den Ätna in der Stadt, außerdem schwammen wir im Meer. Am nächsten Morgen ging es mit einem Tourguide zum Ätna. Drei Stunden lang wanderten wir in der schwarzen Asche, die Landschaft mit den vielen verschiedenen Vulkankratern sieht aus wie auf dem Mond. Am späten Nachmittag waren wir wieder in Catania und fuhren weiter nach Taormina, zum wohl am schönsten gelegenen Bahnhof der Welt.

Taormina ist der Inbegriff eines italienischen Küstendorfes. Das Dorf streckt sich den Hügel entlang, der Bahnhof liegt unterhalb direkt am Meer gelegen. Das lockt natürlich viele Touristen an, deswegen sind die Preise hier auch teurer als in anderen Regionen in Sizilien. Ein Besuch lohnt sich trotzdem.

Noch einen Tag später fuhren wir mit der Schmalspurbahn Circumetnea einmal um den Ätna. Neben dem regulären Bahnhof Giarre-Riposto befindet sich der erste Bahnhof dieser Bahn. Dort muss man auch das Ticket für die Strecke kaufen. Die Dieseltriebzüge dürften um die 50 Jahre alt sein und die Anzahl der Passagiere war im ersten Abschnitt der Strecke bis Randazzo sehr überschaubar. Von der Bahn aus hat man durchgehend einen tollen Ausblick auf den Ätna sowie auf die Pistazienfelder, die sich am Fuße des Vulkans befinden.

Von Randazzo aus fahren Züge weiter nach Catania. Wir entschieden uns, eine Wanderung bis zum nächsten Bahnhof in unsere Richtung zu machen, den Bahnhof Gurrida. Anfangs liefen wir noch auf befestigten Straßen, irgendwann verwandelten sich diese zu Trampelpfaden, und am Ende mussten wir auf den Schienen laufen, da es keinen Weg zu diesem Bahnhof gibt. Der Bahnhof lag mitten im Nirgendwo, am Horizont war eine Fabrik zu sehen, sonst nichts. Trotzdem hielt der Zug wie im Fahrplan vorgesehen pünktlich an und wir stiegen ein. Einige Stationen vor Catania verwandelt sich die historische Bahn in eine Metro, als sie in Biancavilla mehrere Stationen unterirdisch bediente. In Catania fährt die Bahn nicht mehr bis zum Bahnhof Catania Centrale, sondern man muss in die Metro umsteigen. Das ist im Ticket inklusive, die Aussicht ist im Untergrund erwartungsgemäß nicht vergleichbar mit dem Ausblick auf den Ätna.

UPDATE 2024: Die Route des Circumetnea wurde weiter verkürzt und reicht nun nur noch nach Paternò. Die Metro von Catania soll bis hierhin verlängert werden, bis dies der Fall ist, verkehrt ein Bus-Ersatzverkehr zwischen dort und Catania.

Weiter ging es am gleichen Abend noch nach Siracusa, einer Stadt im Südosten der Insel mit einer wunderschönen Altstadt. Nach einer Nacht in unserer Herberge verbrachten wir hier den folgenden Tag, bevor unsere Zeit in Sizilien vorbei war und es von Siracusa nach Rom mit dem Nachtzug zurück ging. Es ist die gleiche Verbindung wie auf der Hinfahrt, nur diesmal komplett von der ersten bis zur letzten Haltestelle.

Angekommen in Rom, verbrachten wir hier weitere drei komplette Tage, um die Stadt zu besichtigen. Das reicht natürlich nicht aus, man könnte tagelang die Stadt besichtigen und immer noch etwas neues entdecken. An jeder Ecke warten antike Gebäude und Ruinen, was man in der Schule über die römische Geschichte lernte, befindet sich auf einmal direkt vor einem. Es ist unvorstellbar, dass vor knapp 2000 Jahren in dieser Stadt bereits 1 Million Leute lebten.

Irgendwann geht jeder Urlaub zu Ende, und so fuhren wir nach 3 Tagen in Rom wieder zurück nach Stuttgart über dieselbe Route, mit der wir auch nach Italien gekommen sind. Zuerst mit dem Frecciarossa nach Milano, dann mit dem EC nach Zürich und zuletzt mit IC nach Stuttgart. Was man doch nicht alles in 12 Tagen erleben kann!

Sizilien bietet sich als Urlaubsdestination im Oktober sehr gut an. Man entflieht dem Herbst in Deutschland, hat aber auch keine extreme Hitze wie im Hochsommer auf Sizilien (im Hochsommer des Jahres gab es auf Sizilien einen neuen Hitzerekord von 48,8°C). Die Anreise mit dem Zug ist unkompliziert möglich und unterscheidet sich in diesem Punkt erheblich von anderen Inseln, die so weit im Süden liegen.

Durch die Tage in Napoli auf der Hinfahrt und Rom auf der Rückfahrt war die An- und Abreise in je einem Tag gut zu bewerkstelligen, die Fahrt nach Sizilien passiert über Nacht und man „verliert“ sozusagen keine Zeit innerhalb des Urlaubszeitraums für die Reise nach Sizilien und zurück. Wer doch nachts wach wird, erlebt das bizarre Schauspiel des Verladens eines Zuges auf eine Fähre. Die Circumetnea Bahn ist eine langsame Nebenstrecke, die Kombination aus Bahn und Vulkan in Europa gibt es in dieser Form auch nur auf Sizilien.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag für Italien als Eisenbahnland begeistern und vielleicht eine Inspirationen für den nächsten Urlaub liefern.

3 Monate durch Europa – Teil 2: Italien, Balkan und Spanien

Im Jahr 2022 war ich für 3 Monate mit dem Zug in Europa unterwegs. Über die erste Hälfte dieser Reise, in der es einmal um die Ostsee ging, habe ich bereits einen Blogbeitrag geschrieben. In diesem Beitrag geht es um den weiteren Verlauf der Reise.

Eine Woche wanderte ich mit zwei Freunden auf dem Schluchtensteig im Süden des Schwarzwaldes. Die Anreise mit Zug und Bus nach Stühlingen funktionierte gut, ausgestattet mit Zelt, Schlafsack und Campingkocher liefen wir jeden Tag um die 20 Kilometer und schliefen nachts auf einem Campingplatz oder im Wald. Besonders die Wutach Schlucht ziemlich am Anfang der Strecke war sehr beeindruckend, auch der Schluchsee gehörte zu den Highlights.

Nach der Wanderwoche verbrachte ich wenige Tage bei meinen Eltern in Süddeutschland. Ich konnte hier einmal für Südeuropa umpacken und auf einen kleinen Rucksack umsteigen. Nach einigen Tagen ging es weiter, zum Wandern auf den Säntis in der Schweiz. Wir waren eine Freundesgruppe, die zusammen den Gipfel erklommen haben. Während der Rest der Gruppe am Abend zurück nach Deutschland fuhr, ging es für mich mit dem Zug weiter nach Chur.

Am darauffolgenden Tag ging es mit dem Bernina Express von Chur nach Tirano, auf der höchstgelegenen Eisenbahnstrecke über die Alpen. Die Strecke bietet Blicke auf Gletscher und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Fahrt im Panoramawagen mit riesigen Fensterscheiben und einer Dose Lindt-Schokolade als Präsent kostet mit dem Interrail Ticket lediglich einen Aufpreis von 28 CHF, die Fahrt im regulären Wagen ist sogar ohne Aufpreis antretbar. Ich entschied mich für den Panoramawagen. Für Fotografien ist der reguläre Wagen besser geeignet, da hier die Fenster geöffnet werden können, das ist im Panoramawagen nur im Zwischenwagenbereich möglich. Comfort und Ausblick ist logischerweise im Panoramawagen besser.

Abends ging es noch mit einem Ersatzbus nach Colico und von dort mit dem Zug weiter nach Milano. Dort legte ich nur eine Nacht ein, am nächsten Tag ging es mit dem Frecciarossa weiter nach Florenz. Der Zug braucht für die Strecke weniger als 2,5 Stunden, eigentlich besteht die Strecke fast nur aus Tunneln oder Brücken. In Florenz traf ich mich mit einer Freundin, welche dort gerade Urlaub machte. Ich war 9 Jahre zuvor schon einmal in Florenz und es war spannend, die Orte von damals wieder zu entdecken. Übernachtet habe ich in einem Hostel in Pisa, am nächsten Morgen ging es über die Cinque Terre weiter nach Levanto, wo ich den Tag wieder mit der Freundin verbrachte.

Den darauffolgenden Tag wollte ich eigentlich in Pisa verbringen, die Staffelpreise des Hostels sorgten aber dafür, dass ich über 80€ für die nächste Nacht für ein Bett in einem 8-Bett Schlafsaal hätte zahlen müssen. Leider ist Italien im Hochsommer kein Reiseland für Spontanreisende. Das nächstbeste Hostel mit bezahlbaren Preisen lag in Rom, also fuhr ich mit einem Regionalzug entlang der Küste nach Roma Termini. Immerhin hatte ich zwei Stunden vor Abfahrt des Zuges etwas Zeit, mir Pisa anzusehen. In Rom wollte ich diesmal auf jeden Fall das Koloseum besichtigen, das letzte Mal kam ich fünf Minuten zu spät an und es war bereits geschlossen. Das tat ich auch, außerdem freundete ich mich mit einer Gruppe von Australiern an, mit denen ich stundenlang im gemütlichen Garten des Hostels verbrachte.

Der nächste Ort war Salerno, der südlichste Punkt des Hochgeschwindigkeitsnetzes der italienischen Bahn. Hinter Neapel gibt es eine spektakuläre Sicht auf den Vesuv, der neben der Strecke emporragt. Das Hostel in Salerno war wieder übertrieben teuer und auch sehr dubios, man konnte nur in bar oder per Paypal for Friends bezahlen und am Eingangstor war nirgends zu erkennen, dass sich dahinter ein Hostel befindet. Ich habe mich unter den Gästen umgehört, abgesehen von mir schien das die wenigsten zu stören. Verglichen mit den Preisen, welche man in Positano für eine Nacht bezahlt, war das Hostel wiederum auch günstig. Nach Positano fuhr ich für einen Tag mit der Fähre. Das Dorf ist unglaublich schön, es ist der Inbegriff eines italienischen Küstendorfs und ich würde es als „Cinque Terre in noch schöner“ bezeichnen. Es war aber auch sehr überlaufen und unglaublich warm, nahezu 40 Grad. Ich machte eine Wanderung den Berg hinauf und kam völlig verschwitzt oben an. Auch der kleine öffentliche Sandstrand, für den man keinen Eintritt bezahlen musste, war italientypisch sehr schmutzig, während ein Großteil des Strandes in Privatbesitz ist. Salerno selbst hat Ähnlichkeiten mit Neapel, nur dass die Straßen hier etwas breiter sind und die Häuser etwas größer. Es gibt viele kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants.

Ich hatte zwar eine tolle Zeit in Italien, aber das Land war mir im Hochsommer zu teuer und ich war von den Touristenmassen genervt. Deswegen wurde es Zeit zum Weiterreisen. Nach zwei Tagen in Salerno und Umgebung ging es weiter nach Bari, noch weiter im Süden an der Adriaküste. Ich habe mir ein Ticket für eine Fähre nach Bar in Montenegro gebucht.

Genauso korrupt und dubios wie das Hostel in Salerno, erlebte ich leider auch den Fährhafen in Bari. Es gab einen Shuttelbus zum Tickethäuschen, welches nur mit diesem Bus oder mit dem Auto zu erreichen war. Der Bus war viel zu klein und es versammelte sich eine große Menschentraube, die darauf wartete, dass der Bus wieder ankommt. Zusätzlich gab es einen stämmigen Mann, der dafür sorgte, dass nur Leute, die ihm davor einen Euro gegeben hatten, in den Bus einsteigen konnten. Natürlich standen Taxifahrer neben dem Geschehen, die für die fünf Minuten Fahrzeit einen viel zu teuren Preis verlangte. Beschwerde beim Sicherheitspersonal war erfolglos, alle waren in diese Machenschaften eingeweiht. Zusammen mit anderen Interrail Reisenden, welche ich in dem Getümmel kennengelernt hatte, schafften wir es, durch geschicktes Stehen beim Öffnen der Türe den stämmigen Mann zur Seite zu drücken und zur Fähre zurück zu gelangen. Die Fährfahrt war leider auch nicht viel besser, die Sitze waren super unbequem und ich konnte in der Nacht kaum schlafen. Der Aufpreis für eine Kabine hätte sich an dieser Stelle gelohnt.

Angekommen in Montenegro, waren die Strapazen schnell vergessen. Im Polizeirevier am Hafen bekam ich einen Stempel in meinen Reisepass, etwas, was in Europa immer schwieriger wird (was auch gut ist, ich liebe das Schengen Abkommen). Das Hostel für 12€ die Nacht war super, die Besitzerin ließ sich viel Zeit, mir alle Sehenswürdigkeiten auf einer Karte zu zeigen und die anderen Reisenden in diesem Hostel waren allesamt sympathisch und wir unternahmen jeden Tag etwas gemeinsam. Einen Tag wanderten wir zu einem Wasserfall, unter dem man baden konnte und wo es direkt daneben eine gemütliche Bar für 2€ die Flasche Bier gab, wohlgemerkt mitten in der Natur. Einen Tag ging es in die wunderschöne Altstadt von Bar, welche etwas abgelegen weiter oben am Berg liegt. Und mit dem Zug fuhren wir einen Tag nach Virpazar, wo wir per Anhalter zu einem abgelegenen Badesee gelangten und abends wieder mit dem Zug zurückfuhren.

Züge in Montenegro sind etwas Einmaliges, das Wagenmaterial ist bereits viele Jahrzehnte alt und voller Graffiti, von außen geben sie kein gutes Bild ab. Innen drin gibt es aber bequeme Sessel, von der Gemütlichkeit her kann da kein aktueller Zug mithalten.

Nach drei Nächten in Bar fuhr ich mit einem Bus über die Grenze nach Shkodra in Albanien. Ich liebe dieses Land, welches bis 1990 vom Rest der Welt völlig abgeschieden war und erst in den letzten Jahren sich geöffnet hat. Was mich so fasziniert ist, dass alles funktionabel ist. Damit meine ich, dass ein Auto hier nicht schick aussehen soll oder kein Kratzer haben soll, sondern ein Auto soll fahren. Und das gleiche gilt für alle andere Bereiche genauso. Die Menschen machen einen sehr zufriedenen Eindruck, ich unterhielt mich lange mit einem Gemüsehändler, der viele Jahre in Deutschland gearbeitet hatte, nun aber wieder zurück in sein Heimatland gekommen ist. Er erzählte mir, dass er zwar hier weniger Geld hat, aber glücklicher ist. Als ich ein Eis kaufte und nicht passend bezahlen konnte, gab die Verkäuferin mir das Eis einfach günstiger, bevor sie sich den Aufwand machen musste, mir Wechselgeld zu geben. So etwas wäre in Deutschland undenkbar.

Mein Hostelbesitzer lieh mir sein bestes Fahrrad aus, es gab nur noch einen funktionierenden Gang und eine halbwegs funktionierende Bremse, das Hinterrad hatte einen Achter und stieß bei jeder Umdrehung an den Rahmen, der Sattel knickte bei falscher Gewichtsverlagerung nach vorne. Mit diesem Rad fuhr ich durch den chaotischen Straßenverkehr dieser Stadt. Wem das abenteuerlich vorkommt, ich sah einen Vater auf einem Fahrrad, dessen Tochter auf dem Gepäckträger stand und sich an seinen Schultern festhielt. Nach zwei Tagen in Shkodra, in denen ich unter anderem auch die Burg besichtigte, ging es wieder zurück nach Montenegro. Für die Busse konnte man keine Tickets vorab kaufen, ich kam 30 Minuten vor Abfahrt an, aber der Bus war schon voll. Also trampte ich über die Grenze, was wunderbar funktionierte. An einem weiteren Abend im Hostel in Bar ging ich mit anderen Reisenden nochmal zu einem Strand wandern und hatte einen sehr schönen letzten Abend am Meer.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Zug nach Belgrad, über eine der schönsten Bahnstrecken Europas. Eigentlich sollte der Zug einen Barwagen führen, als ich am Bahnhof eintraf sah ich, dass dies nicht der Fall war. Im Bahnhof konnte ich mir schnell noch ein belegtes Brötchen kaufen. Im Zug traf ich zu meiner Überraschung zwei der Reisenden, die ich in Bari am Fährhafen getroffen hatte, wieder. Wir verbrachten die Zugfahrt zusammen, zum Beispiel mit Karten spielen. Über Stunden hinweg schlängelt sich der Zug langsam durch das Gebirge. Am Grenzbahnhof nach Serbien kam ein Mann mit einer Tasche hinein, der „Piwa, Woda, Sok, Piwa, Woda, Sok“ ruf. In meinem Kopf ratterte es, bis ich mit meinen minimalen Russischkenntnissen verstand, was der Mann verkaufte: Wir kauften ihm drei Bier ab. Später stieg ein Mann ein, der seinen Gaskocher im Gang aufstellte und Kaffee kochte, den er ebenfalls unter den Fahrgästen verkaufte. Auch ohne Barwagen wurde man so teilweise mit Getränken versorgt.

In Belgrad blieb ich nur eine Nacht, es war bereits spät abends, als ich im Hostel ankam. Früh am nächsten Morgen stand ich auf, um mit dem Zug nach Budapest zu fahren, etwas was im Jahr 2022 nahezu unmöglich war. Serbiens Bahninfrastruktur ist völlig überaltert, die Regierung hat nun angefangen, die Schienen zu ersetzen. Während der Zeit sind viele Eisenbahnkorridore komplett gesperrt. Zuerst ging es mit dem neuen Schnellzug von Belgrad nach Novi Sad, dem einzigen fertigen Teilstück der neuen Infrastruktur. In Novi Sad ging es vom Rangierbahnhof aus über vier Stunden hinweg nach Subotica, im Zug waren eigentlich nur Interrail Reisende, die mindestens genauso verrückt waren wie ich. Hier lernte ich auch die bisher einzige Person kennen, die in Albanien bereits mit dem Zug gefahren ist. Dann ging es 10 Minuten lang mit einem Shuttlezug über die Grenze nach Ungarn, dann mit einem Ersatzbus nach Szeged und von dort konnte man einen Zug nach Budapest nehmen. Das Ganze dauerte ungefähr 10 Stunden, aber es funktionierte. In Budapest kaufte ich mit am Bahnhof noch ein Ticket für den Nachtzug nach Berlin, der 30 Minuten später losfahren sollte.

In Berlin war ich vor allem, um eine Wohnung in meinem neuen Wohnort zu finden. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Zusage für das Studium an der htw Berlin, aber der Wohnungsmarkt ist in dieser Stadt leider sehr angespannt. Mit etwas Glück schaffte ich es, eine Wohnung in diesen Tagen in Berlin zu finden. Der zweite Grund für die lange Fahrt nach Berlin war ein Konzert, für das ich mir vor 1,5 Jahren ein Ticket gekauft hatte. Das Konzert musste wegen Unwetter leider abgesagt werden, zufälligerweise war meine Schwester am gleichen Abend auch in Berlin für ein anderes Konzert, welches ebenfalls ausfiel. Gemeinsam verbrachten wir den Abend in Bars, um über den Frust hinweg zu kommen.

Nach den Tagen in Berlin ging es für einige Tage nochmals zu meinen Eltern, wo ich einige organisatorische Dinge erledigen musste und mich mit alten Freunden traf. Mein Interrail Ticket war noch eine Woche gültig, und so beschloss ich, nochmals loszufahren. Mit dem 9€ Ticket fuhr ich nach Strasbourg, von dort aus mit dem TGV nach Paris. Hier verbrachte ich einige Tage bei einer Reisebekanntschaft, welche ich in Bar in Montenegro kennengelernt hatte. Danach ging es mit einem weiteren TGV bis nach Hendaye, an der Grenze zu Spanien. Dort verbrachte ich die letzten Tage der Reise mit der Freundin, mit der ich auch die ersten Tage der Reise in Schweden verbrachte. Ich versuchte das erste Mal in meinem Leben zu surfen (wenig erfolgreich) und wir waren ein Tag in San Sebastian auf der spanischen Seite. Dorthin fährt eine Schmalspurbahn direkt vom Vorplatz des Bahnhofs in Hendaye. Leider ist dies der einzige grenzüberschreitende Verkehr in dieser Gegend, obwohl die Infrastruktur eigentlich da wäre und in Irún, nur wenige Kilometer entfernt, Züge nach Madrid abfahren.

Zurück ging es wieder über Paris und Strasbourg, diesmal alles an einem einzigen Tag. Alles in allem waren die Tage an der Atlantikküste ein sehr schöner Abschluss dieses Lebensabschnitts.

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