mit dem Zug durch Europa

Schlagwort: Erfahrungsbericht

Auf Landweg von Mitteleuropa in den Kaukasus

Im November 2025 fuhr ich auf Landweg bis in den Kaukasus. Die Strecke führte über den Balkan, einmal komplett durch die Türkei und schließlich nach Georgien und anschließend nach Armenien. Auf dem Hinweg und Rückweg fuhr ich dabei auf leicht abgeänderten Routen. Insgesamt verbrachte ich auf dieser Reise 10 Nächte in Liege- oder Schlafwägen, unter anderem waren das der Optima Express, der Doğu Ekspresi in der Türkei sowie der Nachtzug von Tiblisi nach Jerewan. Über jeden einzelnen dieser Züge würde es sich lohnen einen eigenen Bericht zu schreiben, ich versuche trotzdem die ganze Reise in einem Blogbeitrag zu behandeln.

Los ging es mit dem ICE Sprinter von Berlin Hbf nach München Hbf. Dieser benötigte aufgrund von Bauarbeiten schon laut Fahrplan 1,5h länger als normalerweise, da der Zug auf dem Weg von Halle nach Erfurt falsch abbog kam dazu noch eine Stunde Verspätung dazu – das hat schon mal gut angefangen. Zum Glück habe ich mir eine Verbindung mit einem geplanten Aufenthalt von 1,5h in München gebucht, sodass ich in München den Zug nach Villach Hbf trotzdem erreichte. Nach dem Einchecken am Terminal fuhr ich am Abend mit dem letzten Optima Express des Jahres in östlicher Richtung von Villach nach Edirne in der Türkei weiter.

Ich hatte ein Liegewagenabteil zusammen mit zwei älteren Herren. Viel Zeit verbrachte ich aber vor allem mit Cari und Matthias vom YouTube Kanal Easy German, die zufälligerweise im gleichen Zug waren. Ich bin nun in einem ihrer Videos zu sehen. Viel Zeit, um diese miteinander zu verbringen, hatten wir. Die Fahrt dauerte, verglichen mit der Fahrt von vor 2 Jahren, bei der ich 9 Stunden Verspätung hatte, dieses mal noch länger. Als wir am 3. Tag in Edirne ankamen, war es bereits dunkel. Nachdem wir Bargeld besorgt hatten ging es zum Busbahnhof und mit dem nächsten Bus nach Istanbul. Dort verabschiedeten wir uns und ich ging ins Hostel, in dem ich um 1 Uhr in der Nacht ankam.

Am nächsten Tag besichtigte ich Istanbul, eine Stadt von der ich immer wieder aufs neue begeistert bin. Mit meiner Kamera ausgestattet, gelangen mir einige gute Schnappschüsse. Am zweiten Tag in Istanbul ging es morgens zum Bahnhof Söğütlüçeşme, von dort mit dem Hochgeschwindigkeitszug YHT nach Konya. Dort verbrachte ich zwei Tage bei Freunden und besuchte unter anderem Çatalhöyük, der ältesten bekannten Großsiedlung der Menschheitsgeschichte. Die Ruinen sind fast 10.000 Jahre alt. Außerdem besuchte ich eine Vorstellung mit traditionellen Derwischen, die sich in Trance tanzten.

Für drei Tage fuhr ich anschließend nach Izmir. Das lag zwar nicht auf meinem Weg, dorthin gibt es aber gute Nachtzugverbindungen womit sich der Umweg nicht weit angefühlt hat. Und gut schlagen konnte ich, für um die 41 € hatte ich ein eigenes Schlafwagenabteil mit super bequemen Bett, Waschbecken und sogar einen Kühlschrank mit Minibar im Abteil. Sogar einen Speisewagen, in dem man sich Abendessen zubereiten lassen kann, gab es. In Izmir besichtigte ich am ersten Tag die Stadt, am zweiten Tag fuhr ich nach Çamlık, etwa eineinhalb Stunden südlich von Izmir. Dort gibt es das größte Dampflokmuseum in der Türkei, es gleicht aber mehr einem Park wie einem richtigen Museum. Sehenswert war es trotzdem. Auch verbrachte ich viel Zeit im gemütlichen Hostel, in dem ich zwei Jahre zuvor bereits gewesen bin.

Der nächste Nachtzug brachte mich von Izmir nach Ankara. Wieder hatte ich für unter 45 € ein Schlafwagenabteil für mich alleine. In Ankara hatte ich einige Stunden Aufenthalt, schloss mein Gepäck am Bahnhof ein und machte mich auf in die Kalesi, der Altstadt sowie der Anıtkabir, dem Mausoleum von Atatürk. Die Burg oberhalb der Kalesi war echt schön und es gibt einige tolle Antik-Läden dort. Mit dem Personenkult um den Staatsgründer kann ich nichts anfangen, die Anıtkabir einmal zu erleben kann ich dennoch jedem empfehlen.

Um halb 6 war es dann so weit: Auf Bahnsteig 1 am Bahnhof Ankara Gar rollte der Doğu Ekspresi ein, einer der legendärsten Züge überhaupt. Für die nächsten 26 Stunden war das mein Zuhause, im Liegewagen zusammen mit zwei Neuseeländern, welche die einzigen anderen Touristen im Zug waren. Die Liegen waren die bequemsten Liegen die ich jemals in einem Liegewagen erlebt habe. Es gab ein Bordrestaurant, welches bis tief in die Nacht und ab früh morgens Essen, Getränke und Snacks zu kleinen Preisen verkaufte, sowie bezaubernde Aussichten aus den Fenstern. Und das ganze zu einem Preis von ca. 25€. Wenn ich gerade nicht am Fotos machen, Reden, Essen oder Çay trinken war, las ich in meiner Reiselektüre. In Erzican und Erzurum konnte ich außerdem kurz auf den Bahnsteig aussteigen. Abends kam der Zug nach seinem langen Laufweg in Kars an.

Von Kars aus sind es keine 70 km bis zur Grenze nach Armenien. Doch die Grenze ist seit über 30 Jahren geschlossen, wer auf Landweg nach Armenien weiter will muss einen Umweg über Georgien nehmen. Nach Georgien gibt es seit einigen Jahren eine Eisenbahnlinie, auf dieser fahren aber noch immer keine Personenzüge. Von Kars aus gibt es aktuell auch leider keine direkte Busverbindung nach Georgien. Die einzige Busverbindung besteht aus einem Bus, welcher in Richtung Hopa am Schwarzen Meer fährt. Ganz in der Nähe liegt der Grenzübergang Sarp. Den direkteren Grenzübergang Turközü kann nur mit Trampen erreicht werden.

Doch zuerst hatte ich noch einen Tag Aufenthalt in Kars, an dem ich die alte Hauptstadt Armeniens mit dem Namen „Ani“ besichtigen wollte. Nachdem mich Passanten auf die Frage nach Bussen dorthin immer wieder in andere Richtungen schickten beschloss ich, dorthin zu trampen. Bis zu einer Tankstelle außerhalb der Stadt ging das super schnell, direkt das dritte Auto hatte angehalten. Doch dann wollte mich für längere Zeit keiner mehr mitnehmen, bis nach 45 Minuten ein Farmer mit einem Kalb im Fußraum des Beifahrerplatzes anhielt. Aufgrund der geringen Erfolgsquote stieg ich oberhalb des Kalbs ein und der Fahrer brachte mich bis nach Ani, einem gleichnamigen Bauerndorf direkt vor der Ausgrabungsstätte.

Die Ruinenstadt liegt direkt an der Grenze zu Armenien, auf der anderen Flussseite konnte man eine armenische Siedlung sehen. Es gibt einige interessanten Gebäude, an einigen Stellen fanden Bauarbeiten statt. Sehr verstörend fand ich die Tatsache, dass auf allen Infotafeln in Ani nicht ein einziges mal das Wort „Armenien“ zu finden war, und das bei der ehemaligen Hauptstadt eben dieses Volkes. Der Genozid an den Armeniern ist weiterhin ein Tabuthema in der Türkei, weswegen über Armenien einfach geschwiegen wird. Das habe ich auch auf der Rückfahrt erlebt, bei der mich zwei Türkinnen nach Kars mitnahmen. Wir unterhielten uns freundlich und intensiv, doch als ich berichtete, dass ich nach Armenien reisen werde, herrschte schlagartig Stille im Auto.

Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Bus um 10 Uhr von Kars nach Hopa am Schwarzen Meer. Die Fahrt dauerte ca. 6,5 Stunden und kostete mich 650 Lira, also ca. 13€. In Hopa wird man direkt gegenüber der Minibus-Haltestelle herausgelassen, dort musste ich 60 Lira für den Minibus bis zum Grenzübergang Sarp bezahlen, was etwa 40 Minuten gedauert hat. Der Minibus fuhr die letzten Kilometer an einer nicht endenden Schlange an LKWs vorbei, die alle auf den Grenzübertritt warteten. Ohne Auto hat man die Grenzkontrolle dagegen schnell hinter sich, in 30 Minuten war ich auf der anderen Seite. Es ist aber ein langer Fußmarsch mit vielen Treppen, da alle Rolltreppen defekt waren. Direkt vor dem Ausgang des Grenzübergangs wartete gerade eine Marschrutka (die russische Bezeichnung für Minibus) nach Batumi, Kostenpunkt 2 Lari oder ca. 60 Cent. Es gibt viele Wechselstuben direkt an der Grenze, die Wechselkurse sind jedoch sehr schlecht. Ich habe hier nur etwas Geld für den Bus gewechselt.

In Batumi blieb ich zwei Nächte. Direkt am ersten Abend freute ich mich sehr über die georgische Küche, nachdem die türkische Küche in Ostanatolien als Vegetarier sehr eingeschränkt war. Am nächsten Tag besichtigte ich die Stadt mit den vielen Casinos und ihrer großen Strandpromenade. Tatsächlich hatte es Ende November an diesem Tag noch über 20 Grad. Ein großer Kontrast zu den -5 Grad in Kars nur einen Tag zuvor. Baden im Schwarzen Meer bin ich trotzdem nicht mehr gewesen.

Wieder ein Tag später fuhr ich morgens mit dem Bus zum etwas außerhalb der Stadt liegenden Bahnhof. Dort fuhr um 8 Uhr der Zug nach Tbilisi ab, Kostenpunkt etwa 12 €. Die Fahrtzeit betrug regulär 5:17 Stunden, ich kam allerdings mit etwas Verspätung an. Wie ich kurz vorm Schreiben dieses Blogbeitrags in den Nachrichten gelesen habe, sollte die Verbindung durch die Neubaustrecke Chašuri-Zestaponi nun stabiler sein und auch die Fahrzeit konnte Anfang 2026 auf unter 5 Stunden verkürzt werden. Doch ich fuhr im November noch über die nur im Schneckentempo befahrbare alte Trasse durch das Gebirge.

In Tbilisi hatte ich einen halben Tag Pause, wieder schloss ich mein Gepäck ein und machte mich mit der Kamera auf den Weg in die Altstadt, aß ausgiebig zu Mittag und machte tolle Bilder von der Stadt, die mir sehr gut gefiel. Am Abend ging es dann in den letzten Zug meiner Anreise, der Nachtzug von Tbilisi nach Jerewan. Dabei handelt es sich um einen Zug russischen Fabrikats. Es gibt 3 Kategorien: 2er Kabine, 4er Kabine und Platzkart. Bei Platzkart handelt es sich um einen Großraumwagen voll mit Betten. Ich entschied mich für die 4er Kabine, die ich mir mit einer weiteren Person teilte. Das Ticket in dieser Kategorie kostete mich um die 43 €. Jeder Wagen hat Heißwasserspender für Instant-Nudeln oder Tee sowie eine richtig große Dusche, wie ich es davor noch nie in einem Zug gesehen habe. Die Schienen wahren sehr wackelig, ich konnte trotzdem ganz gut schlafen. Auf georgischer Seite musste ich aussteigen um meinen Stempel im Pass zu bekommen, auf der armenischen Seite kamen die Grenzbeamten mit mobilen Geräten in den Zug.

Am frühen Morgen kam ich in Jerewan am wunderschönen Bahnhof an, an dem die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. An einigen Stellen sind Hammer und Sichel in den Ornamenten zu finden. Für die Metro wird eine Karte benötigt, welche nur mit einer armenischen Nummer aufzuladen ist. Zum Glück hat mir eine Einheimische Ihre Nummer gegeben, ich wüsste nicht wie ich sonst mit der Metro hätte fahren können. Mit der Metro fuhr ich also in die Innenstadt, wo ich in einem Café frühstückte. Nach einiger Zeit fuhr ich weiter zum Hostel, wo ich die nächste Woche verbringen werde. Ich bin in Jerewan für ein Erasmus Projekt zum kulturellen Austausch. Da dies ein Blog über das Zugreisen ist, werde ich hierzu nicht allzu viel schreiben. Es war aber auf jeden Fall eine tolle Zeit mit den Menschen aus verschiedensten Ländern. Auf dem Programm standen ein Besuch im Parlament sowie eine Diskussionsrunde mit einer Politikerin, Sightseeing, Teambuilding und vieles mehr.

Für den Heimweg verwendete ich grob die gleichen Verbindungen, jedoch mit einigen Abweichungen, weswegen ich die Heimreise hier ebenfalls beschreiben möchte. Zuerst ging es mit dem Nachtzug zurück nach Tbilisi, diesmal in der günstigsten Kategorie Platzkart was mich 33 € kostete. Da ich der einzige Passagier in dieser Kategorie und damit im ganzen Wagon war (im ganzen Zug waren es vielleicht 20 Passagiere), bot mir der Schaffner ein eigenes Abteil an. Da sagte ich natürlich nicht nein. In Tbilisi hatte ich diesmal 2 Tage, den ersten machte ich einen Ausflug nach Gori und besuchte dort das Stalin-Museum. Das Museum ist völlig skurril, hier hat sich seit der Sowjetunion nichts geändert und Stalin, der aus Gori stammt, wird glorifiziert. Nur ein kleiner Raum unter der Treppe beschäftigt sich damit, dass „nicht nur alles gut war“. Am zweiten Tag zeigte mir eine Teilnehmerin des Projekts aus Jerewan, die in Tbilisi wohnt, die Stadt aus Sicht einer Einwohnerin. Die Stadt machte auf den zweiten Blick einen noch besseren Eindruck wie beim ersten kurzen Besuch. Leckeres Essen, nette Cafés, tolle Architektur sowie Natur und Berge – diese Stadt hat alles.

Von Tbilisi nach Batumi fuhr ich wieder mit dem Zug und übernachtete dort. Am nächsten Morgen ging es mit der Marschrutka zur Grenze, anschließend mit dem Minibus nach Hopa. Doch diesmal fuhr ich von dort nicht mehr nach Kars zurück, sondern für 700 Lira nach Erzurum. Die Fahrtdauer nach Erzurum ist kürzer wie nach Kars, der Zug nach Ankara hält hier außerdem 4 Stunden später. Somit konnte ich mir einiges an Fahrtzeit einsparen. Der Bus bot außerdem viel mehr Beinfreiheit und es gab Tee und Wasser vom Busbegleiter (aber davon wusste ich vor der Fahrt noch nichts). Einziges Manko war, dass der Busbahnhof in Erzurum leider sehr weit weg von der Stadt ist, ich konnte keine Busverbindung finden und habe am Ende für die 15 Minuten Taxifahrt zur Innenstadt nochmal 450 Lira zahlen müssen.

Nach etwas Sightseeing am Abend und Morgen ging es nach einer Nacht in Erzurum mit dem Doğu Ekspresi um 12:14 Uhr zurück nach Ankara, wieder im Liegewagen. Diesmal war das Abteil voll besetzt, mit meinen Abteilkollegen konnte ich aufgrund einer Sprachbarriere nur mit Händen kommunizieren. Dafür sprach der Koch im Restaurantwagen fließend Deutsch, da er in Hanau aufgewachsen ist. Nach Ankunft in Ankara am Morgen kaufte ich mir am Fahrkartenschalter ein Ticket für den nächsten Zug nach Istanbul, der bereits 25 Minuten nach Ankunft der Doğu Ekspresi abfuhr. In Istanbul machte ich dann nochmals für eine Nacht Pause.

Nach einem weiteren Tag Sightseeing in Istanbul, diesmal in einer großen Gruppe mit anderen Reisenden vom Hostel, ging es abends mit dem Sofia Ekspresi nach Sofia. Tickets für diesen Zug kosten 38 € und können am Bahnhof Sirkeci in der Altstadt von Istanbul gekauft werden. Der Zug fährt in Halkalı los, dem Bahnhof am westlichen Ende der Marmaray Bahn welche durch Istanbul verläuft. Dort gibt es nur Snackautomaten, außerhalb gibt es zum Glück einen nur kurz entfernten Imbisswagen mit dem Namen „Vagon“, in dem ich noch etwas warmes zum Essen gefunden habe. Ich teilte mir den Liegewagen wieder nur mit einer Person. Getränke, Essen oder sonstige Annehmlichkeiten gibt es in diesem Zug nicht, der Zug kam dafür 1,5 h vor der Zeit im Fahrplan in Sofia an. Eine willkommene Abwechslung. In Sofia war ich zuletzt vor über 10 Jahren und es war interessant, Orte von damals wieder zu entdecken.

Ich hatte lange überlegt, ob ich die schienengebundene Verbindung über Bukarest nach Budapest wählen soll, oder die wesentlich schnellere Verbindung über Belgrad, bei der ich aber ein Stück mit dem Bus fahren muss. Letztendlich entschied ich mich für die Verbindung über Serbien, und so fuhr ich am nächsten Morgen um 9 Uhr am Busbahnhof los. An der Grenze mussten wir 1,5 h warten, bis unser Bus endlich passieren durfte. Doch in nur 6 Stunden waren wir in Belgrad, für 38 €. Hier übernachtete ich wieder für eine Nacht und verbrachte die Zeit mit Sightseeing sowie fotografieren von Brutalismus-Gebäuden in Novi Beograd, was ein Brutalismus-Paradies ist.

Um 11 Uhr fuhr ich auf der nach langen Verzögerungen seit Oktober eröffneten Strecke von Beograd bis nach Subotica. Dort hatte ich eine Stunde Aufenthalt, den ich in einem Café verbrachte. Mit der die Grenze überschreitenden Regionalbahn ging es anschließend nach Szeged in Ungarn. Von dort aus mit einem IC weiter nach Budapest. In Summe kostet diese Fahrt gerade einmal 22€, und das beim Kaufen der Tickets am Tag der Reise. Durch die Eröffnung der Strecke von Novi Sad nach Subotica hat sich bereits unglaublich viel verbessert, hoffentlich wird auch die direkte Verbindung von Subotica nach Budapest ebenfalls bald eröffnet.

Um 18:09 Uhr kam ich in Budapest-Nyugati an. In Szeged besorgte ich mir bereits Tickets für den Nachtzug nach Berlin, die mit 56€ im Liegewagen ebenfalls super günstig waren. Dieser fuhr um 19:30 Uhr am selben Bahnhof ab. Es war der 14. Dezember, der Tag des Fahrplanwechsels. Und so kam es, dass ich Berlin nicht über einen Umweg über den Ausenring, sondern über die neue Dresdner Bahn erreichte. Und wie es sich für die Deutsche Bahn gehört natürlich mit einer Verspätung von über einer Stunde.

Nach 10 Übernachtungen im Zug und über 12.500 km die ich zurückgelegt habe kam ich wieder in Berlin an. Was eine Reise! Während für alle anderen Teilnehmer des Erasmus+ Projekts dieses Projekt ein alleinstehendes Event war, war es für mich nur ein Teil eines größeren Abenteuers. Und ich habe es sowas von genossen. Reisen außerhalb der Haupturlaubszeit ist einfach toll, ich fand in allen Hostels ein Bett ohne zuvor reservieren zu müssen und auch viele der Zugtickets habe ich direkt am Abfahrtstag erst gekauft, eine Flexibilität die man im Sommer bei vollen Zügen und Hostels nicht hat.

Ich hoffe ich konnte auch dich für eine Zugreise begeistern, sei es an einen Ort in der Nähe oder doch bis in den Kaukasus.

Wie alles begann – Einmal um die Adria vor 10 Jahren

Heute berichte ich von meiner ersten großen Interrail-Reise, als ich vor 10 Jahren einmal um die Adria gereist bin. Ich habe dazu einmal das Foto-Archiv durchwühlt und Notizen von damals gelesen, um diese Reise zu rekonstruieren. Rückblickend ist es sehr interessant zu sehen, was sich seitdem im Schienennetz in Europa getan hat – sowohl positives als auch negatives. Viele der Verbindungen auf dem Balkan, mit denen wir damals gefahren sind, gibt es heute nicht mehr. Durch die Alpen hat sich das Zugreisen hingegen beschleunigt und auch die in- und outbound journey im Interrail Pass macht das Reisen heute komfortabler als damals.

Fahrstrecke der Interrailreise 2015
Fahrstrecke der Interrailreise 2015

Los ging es mit dem RE nach Stuttgart, wo der Hauptbahnhof damals eine riesige Baustelle war – so wie auch noch heute. Damals fanden wir eine große Baugrube vor, heute sind einige Teile des neuen Bahnhofs bereits fertiggestellt. Da man mit dem Interrail Ticket ausschließlich im Ausland fahren durfte, waren wir am ersten Tag mit dem Baden-Württemberg Ticket unterwegs. Den IC nach Zürich, heute für den Regionalverkehr innerhalb Deutschlands freigegeben, durften wir mit unserem Ticket nicht fahren. Also ging es anschließend nach Ulm und von dort aus mit dem RE nach Schaffhausen und Zürich.

Nach einem Aufenthalt von 2 Stunden in Zürich fuhren wir mit dem EC nach Mailand. Dort besuchten wir am folgenden Tag die EXPO15, eine riesige Messe, auf der sich die Länder der Welt vorstellen. Architektonisch waren einige „Pavillione“ sehr spannend, den genauen Sinn hinter der Expo habe ich aber ehrlicherweise nicht wirklich verstanden und verstehe ihn bis heute nicht so richtig. Es war aber auf jeden Fall eine spannende Veranstaltung.

Da die Hostels in Mailand aufgrund der Expo alle ausgebucht waren oder sehr teuer waren, fuhren wir nach zwei Nächten weiter. Unser nächster Stopp war Ancona, von wo aus unsere Fähre nach Griechenland losfuhr. Aus irgendeinem Grund fuhr die Fähre an diesem Tag erst mehrere Stunden später ab, sodass wir einen halben Tag am Porta Pia darauf warteten, dass die Fähre bereitsteht. Mit dem Interrail Ticket sollte die Fähre eigentlich inkludiert sein, am Ende bezahlten wir mit den ganzen Zuschlägen (Hochsaisonszuschlag, Treibstoffzuschlag, Hafenzuschlag) dann doch 42€. Die 22h auf der Fähre verbrachten wir auf dem Deck, nachts schliefen wir auf unseren Isomatten. Das klingt vielleicht ätzend, doch ich habe die Fährfahrt in guter Erinnerung. Es war sehr entspannt, wir spielten Karten und lernten eine Familie kennen, die uns einlud, auf dem Rückweg in Innsbruck bei ihnen Halt zu machen.

In Patras (Griechenland) verbrachten wir eine Nacht in einem Hostel, welches ich bis heute als das dreckigste Hostel in meinem Leben bezeichne. Die Bettlaken waren mal weiß, inzwischen waren sie aber gelb. In der Dusche wusste man nicht, ob die Fugen aus Beton, Holz oder Schimmel bestehen und der Durchlauferhitzer in der Duschkammer hatte keine Verkleidung mehr, die offenen Stromkabel hingen direkt neben der Duschbrause. Wir schliefen in unseren Schlafsäcken und verließen das Hostel am nächsten Morgen.

Von Patras nach Athen wird die Eisenbahn ausgebaut. Deswegen mussten wir mit einem Bus fahren, der allerdings von Trainose betrieben wurde und im Interrail Ticket inkludiert war. In Akrata stiegen wir aus und liefen zum Zeltplatz Akrata Beach Camping, wo wir für einige Tage blieben. Mittags wurde es seehr heiß und die Zirpen, welche auf allen Bäumen hockten, machten einen unglaublichen Krach, erst nachts wurde es wieder still. Während der Mittagshitze verbrachten wir die Zeit am Kiesstrand des Campingplatzes.

An einem Tag machten wir einen Tagesausflug nach Diakopto, um von dort aus mit der Schmalspurbahn nach Kalavryta zu fahren. In Diakopto sah der neue Bahnhof für die Strecke Patras – Athen eigentlich schon fertig aus, doch in der Realität fährt auch heute, 10 Jahre später, noch kein Zug bis Patras auf dieser Strecke. Das Sparprogramm, welches der Regierung von der EU aufgedrängt wurde, hat eine Fertigstellung immer wieder verhindert. Aktuell heißt es, dass die Strecke 2026 eröffnet wird, wir werden sehen.

Die schmale Bahnstrecke, welche das Vouraiko Tal entlangführt, war wunderschön. Oben angekommen machten wir eine kleine Wanderung und sahen uns in dem Ort um, welches leider eine dunkle Geschichte hat. Nazi-Deutschland hat während des zweiten Weltkrieges das ganze Dorf niedergebrannt und alle Männer hingerichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass das Terrorregime auch im Südosten Europas wütete. Wie gut, dass auch heute noch darauf mit Infotafeln aufmerksam gemacht wird.

Auf der Rückfahrt fuhren wir nur bis zum Mittelstation mit dem Zug und wollten den Rest zu Fuß wandern. Wir dachten, die Mittelstation wäre die erste Station vor Diakopto auf der Karte, doch es gibt Bahnhöfe, die nicht mehr angefahren werden. So war die Wanderstrecke nicht nur 5km lang, sondern 12km. Außerdem stellte sich heraus, dass es keinen Wanderweg gibt. Man konnte nur auf den Schienen weiter nach unten laufen, und das taten wir auch. Die Mittagssonne prallte uns auf den Kopf, unsere Wasservorräte neigten sich dem Ende zu. Als laut Fahrplan bald ein Zug wieder vorbeikommen sollte, machten wir im Fluss Pause um uns abzukühlen. Danach ging es weiter bergab, bis wir endlich in Diakopto ankamen. Im ersten Kiosk kauften wir mehrere Flaschen Wasser und jeder trank fast einen Liter davon.

Als nächste Station der Reise machten wir in Korinth Stopp. Bis Kiato mussten wir dafür den Bus nehmen, von dort aus fuhren, wie auch heute noch, Züge weiter nach Athen. Wir hatten alle frisch das Abi gemacht und mussten als Prüfungslektüre Homo Faber lesen, was unter anderem auf Akrokorinthos spielt. Dorthin wanderten wir und besuchten die Runie der Festung auf dem Berg. Im Bed&Breakfast hatten wir ein bombastisches Frühstück und Abendessen, da der Besitzer in einem Restaurant arbeitete und uns von allen Gerichten etwas am Abend mitgebracht hat.

Danach ging es weiter nach Athen, der Hauptstadt Griechenlands. Das Parlamentsgebäude war damals in den deutschen Nachrichten oft zu sehen, die Schuldenkrise Griechenlands war im vollen Gange. Noch berühmter ist natürlich die Akropolis, welche wir ebenfalls besichtigten. Viel Zeit verbrachten wir dort oben allerdings nicht, die Stadt ist im August unglaublich heiß. Wir hatten jeden Tag fast 40°, besonders schlimm war es bei der Akropolis, da es nicht einen einzigen Baum dort oben gibt und durch die Steine überall die Luft noch weiter aufgeheizt wird. Wir machten die obligatorischen Bilder und gingen schleunigst wieder den Berg hinunter.

Der nächste Stopp hieß Meteora-Klöster. Da der Zug, welchen wir von Athen aus nehmen wollten, bereits voll war (man musste Sitzplätze reservieren, was nur am Bahnschalter möglich war), fuhren wir mit einem späteren Zug nach Paleofarsalos. Das ist ein kleiner Bahnhof, der gleichzeitig aber ein Drehkreuz im Schienennetz Griechenlands darstellt. Von hier aus muss man in die Züge umsteigen, welche nach Kalambaka fahren. Wir übernachteten in der Wartehalle des Bahnhofs, die erste Nacht seit einer Woche mit Klimaanlage. Mit dem ersten Zug ging es nach Trikala, wo wir im Hostel am frühen Morgen unser Gepäck abgaben. Danach ging es mit dem nächsten Zug weiter nach Kalambaka, wo wir zum ersten Kloster liefen und um Punkt 8 Uhr die ersten Gäste des Tages waren.

Die Meteora-Klöster befinden sich alle auf steilen Klippen und geben eine beeindruckende Kulisse. Wir besuchten zwei davon, bevor es wieder zurück nach Trikala ging. Dort machten wir am nächsten Tag eine weitere Wanderung, bevor es mit dem Zug nach Thessaloniki ging.

In Thessaloniki fuhren wir für einen Tag an einen Strand und besorgten uns ein Zugticket nach Sofia für den nächsten Tag. Am frühen Morgen fuhr der Zug los, auf den letzten Kilometern vor der bulgarischen Grenze nur in Schrittgeschwindigkeit aufgrund der maroden Strecke. Zwei Jahre später wurde deswegen nur ein Busservice für diese Strecke angeboten, wir fuhren noch durchgehend auf den Schienen. Inzwischen gibt es auf dieser Verbindung gar keine Züge mehr.

Bei Einfahrt nach Sofia sahen wir bis zum Horrizont nur Müll, anschließend fuhr der Zug durch einen Art Slum, es sah furchtbar aus. Am Bahnhof wurden wir von einem Mann belästigt, der Geld von uns haben wollte und nicht locker ließ. Der erste Eindruck der Stadt war wirklich nicht gut – das änderte sich schlagartig, als wir eine unscheinbare Metalltür öffneten und im Innenhof des Hostels Mostels ankamen. Durch den „Bast Balkan Pass“, den wir in Trikala erhielten, bekamen wir einen 10% Discount und zahlten nur 8,10€ pro Nacht für ein tolles Hostel mit gratis Kaffee, gratis Frühstück, gratis Abendessen (!) und gratis WLAN. PCs zum surfen gab es auch, tatsächlich hatte keiner von uns eine Internetflat für das Ausland (Roming in der EU war sündhaft teuer) und wir waren immer offline unterwegs. Das Hostel veranstaltete auch unterschiedliche Aktivitäten.

An einem Tag machten wir einen Ausflug zu einem Wasserfall in den Bergen bei Sofia. Als der Bus, auf den wir warteten, eintraf, war dieser mit dem Satz „Für die Umwelt – fahr mit dem Bus“ beschriftet. Auch alle Sicherheitshinweise im Bus waren auf deutsch und weiteren westeuropäischen Sprachen, auf bulgarisch stand nichts. Hier landen also alle Busse, welche bei uns ausgemustert werden.

Die nächste Zugfahrt fand in Schlafwägen statt, auf denen an einigen Ecken noch das Logo der Deutschen Reichsbahn (aus der DDR) zu finden war. Es war der Nachtzug von Sofia nach Belgrad, welchen es inzwischen ebenfalls nicht mehr gibt. Angekommen sind wir im alten Bahnhof von Belgrad, der damals noch in Betrieb war. Heute befindet sich ein neuer Stadtteil auf dem Gleisvorfeld des damaligen Bahnhofs, auf dem bereits der Orient Express halt machte, und nur das Hauptgebäude hat überlebt. Obwohl die Reisedauer für die Strecke schon im Fahrplan lange angegeben war, hatten wir mehrere Stunden Verspätung, als wir in Belgrad ankamen. Auf der Reise mit dem Optima Express vor 2 Jahren war es nicht anders, die Strecken in Südserbien sind weiterhin in einem katastrophalen Zustand. Doch im Vergleich zu damals gibt es heute keine Zugverbindung mehr über diese Strecken.

In Belgrad verbrachten wir zwei Nächte in einem Hostel und besichtigten die Stadt. In diese Zeit fiel auch der Sieg der Nationalmannschaft in der Wasserball-WM, wo wir zufälligerweise auf eine große Feier mit den Spielern vor dem Parlamentsgebäude stießen. Ansonsten ist mir besonders das von der NATO zerstörte Armeegebäude mitten in der Stadt in Erinnerung geblieben. Mehrmals wurden wir von Einheimischen darauf hingewiesen, dass wir dies besichtigen sollen. Eine kritische Aufarbeitung der Jugoslawienkriege gab es in diesem Land bisher noch nicht.

Auch die nächste Zugverbindung, die wir damals nahmen, existiert heute nicht mehr, nämlich von Belgrad nach Zagreb. Wir stiegen allerdings in Slavonski Brod aus, eine Stadt im Osten Kroatiens. In Slavonski Brod gab es das anscheinend größte Freiluftgemälde der Welt, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass dieser Rekord heute noch gilt. Außerdem besuchten wir alte Militäranlagen aus der Zeit Österreich-Ungarns. Für einen Tag ging es auf die andere Seite der Save nach Bosnien-Herzegowina.

Unser nächster Stopp hieß Zagreb, wo viele Migranten sich am Bahnhof aufhielten und versuchten, weiter nach Norden oder Westen zu gelangen. 2015 war auch das Jahr der großen Fluchtbewegung von Syrien nach Europa, auf dem Balkan bekamen wir immer wieder etwas davon mit. In der wunderschönen Stadt blieben wir für zwei Nächte.

Danach ging es weiter nach Lubljana, eine Stadt, die mir besonders durch die vielen Fußgängerzonen und die tolle Innenstadt in Flussnähe im Kopf geblieben ist. Am Wochenende fand direkt am Fluss ein Markt statt, an dem man lokale kulinarische Highlights essen konnte.

Am Faaker See besuchten wir die Familie einer der Personen aus unserer Gruppe beim Familienurlaub. Unsere Zelte, welche wir seit Griechenland nicht mehr verwendeten, kamen hier wieder zum Einsatz. Dort stellte sich uns die Frage, wie unsere Route weiter in Richtung Deutschland verlaufen sollte. Ein Teil der Gruppe wollte nach Wien, ein Teil nach Venedig. Schlussendlich fragten wir uns: „Warum entweder oder, warum nicht beides?“ So kam es, dass wir erst nach Venedig und anschließend zurück nach Wien fuhren.

Venedig ist wunderschön, es ist kaum zu glauben, dass dieser Ort tatsächlich existiert. Deswegen kommen Millionen von Besuchern jedes Jahr – die Stadt leidet extrem unter Massentourismus. Durch alle Gassen muss man sich drücken, die Preise sind viel teurer als im Rest Italiens. Natürlich bringt der Spruch „Touris sind immer die anderen“ nichts. Ich habe für mich beschlossen, nicht mehr nach Venedig zurück zu kommen und nicht nochmal Teil des Problems zu sein. Aber ganz ehrlich: Für einen einmaligen Besuch lohnt es sich, es ist genauso schön wie man es sich vorstellt.

Nach Wien mussten wir die erste Strecke mit dem Bus fahren, Ersatzverkehr, da die Bahnstrecke für einige Tage gesperrt war. Ab Villach ging es über die Südbahn nach Wien. Dort stand für mich ein Wiener Schnitzel auf dem Programm. Ansonsten haben wir uns alle Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen, den Prater, Schloss Schönbrunn und wie sie alle heißen.

Nach zwei Nächsten in Wien ging es mit dem Railjet nach Tirol, nach Innsbruck. Die Familie, welche wir am dritten Tag unserer Reise auf der Fähre getroffen hatten, hat uns damals angeboten, im schönsten Garten der Stadt unser Zelt aufzuschlagen. Sie haben nicht übertrieben, auf dem Grundstück gab es einen natürlichen Wasserfall, einen Blick über die Stadt bis zur Schischanze, einen Pool – sie hatten nicht übertrieben. Wir verbrachten die Zeit mit Wandern zu Almhütten oder Kartenspielen im Garten.

Mit diesem tollen letzten Stopp beendeten wir unsere Tour, am 30. Tag des Interrail Tickets ging es zurück nach Deutschland.

Im Frühjahr von Deutschland bis nach Palermo

Im März 2025 ging es zum zweiten Mal für mich mit dem Zug nach Sizilien. Nachdem ich vor 3,5 Jahren im Osten der Insel war (siehe Beitrag hier), sollte es diesmal in den Westen der großen Mittelmeerinsel gehen.

Wohin die Reise genau gehen sollte, stand am ersten Tag tatsächlich noch gar nicht fest. Mit zwei Freunden und je einem 5-Tage-Interrail-Pass auf dem Handy fuhren wir am Ersten Tag über München mit dem Direktzug bis nach Bologna. Dort planten wir unsere weitere Route anhand der Wettervorhersage in verschiedenen Regionen des Landes.

Bologna ist eine wunderschöne Stadt, die besonders durch die vielen Arkaden heraussticht. Diese gibt es in nahezu allen Straßen der Stadt und sogar außerhalb der Stadt für 2km den Berg hinauf zum Santuario della Madonna di San Luca. Die vielen Türme in der Stadt und eine nie fertiggestellte Kathedrale sind weitere Highlights der Stadt. Außerdem ist es eine sehr fußgängerfreundliche Stadt, welche durch ein Tempo-30 Limit die Zahl der Verkehrstoten auf 0 im letzten Jahr senken konnte. Auch ein neues Tram-Netzwerk wird aktuell in Bologna gebaut, nachdem das alte Netz in den 60er Jahren stillgelegt wurde. Kurzgesagt: Bologna ist eine Stadt, von der viele Städte in Deutschland lernen können und in der Verkehrswende gelebt wird.

Nach zwei Tagen in Bologna fuhren wir mit einem Frecciarossa am Morgen bis nach Salerno, dem südlichsten Punkt des italienischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Dort und im schnuckeligen Städtchen Vietri sul Mare, das in wenigen Minuten mit der Regionalbahn von dort zu erreichen ist, verbrachten wir den Tag. Am Abend gab es natürlich eine fantastische Pizza zum Essen. Um kurz vor 23 Uhr stiegen wir in den Nachtzug nach Palermo. Für einen Interrail-Tag ist nur die Abfahrtszeit eines Zuges relevant, für die Strecke von Bologna bis nach Palermo mussten wir somit nur einen Tag aktivieren.

Ich schlief gut und fest im Liegewagen, vom Verladen auf die Fähre und wieder herunter bekam ich diesmal nichts mit. Als ich am Morgen aufwachte, standen wir im Bahnhof von Capo d’Orlando. Leider ging es von hier auch nicht mehr weiter, da unser Zug aufgrund von Sturmböen nicht weiterfahren durfte. Nach einiger Zeit mussten wir in eine Regionalbahn umsteigen, die uns mit ca. 1,5 Stunden Verspätung nach Palermo brachte. Für die Unannehmlichkeiten bekamen wir von der Trenitalia eine Entschädigung von 25% auf unsere Reservierung, die über ein Onlineportal beantragt werden konnte. Sehr fair, wie ich finde.

Der Unterschied zwischen Bologna und Palermo könnte größer nicht sein. Auch wenn die Stadt ihr Mafia-Problem die letzten Jahre massiv zurückdrängen konnte, anscheinend ist es jetzt die sicherste Stadt Italiens, entsprechen einige Vorurteile weiterhin der Realität. So liegt abseits der Innenstadt sehr oft Müll in den Straßen, teils in horrenden Mengen. Als wir an der Küste entlang wanderten, türmte sich auch dort der Plastikmüll. Zum Fahrradfahren lädt die Stadt auch nicht gerade ein. Doch die Stadt hat auch ihre schönen Seiten. Da gibt es zum einen die gigantischen, teils hunderte von Jahren alten Gebäude in der Innenstadt. Und zum anderen viele kleine Gassen, und um jede Ecke neue Geschäfte und kleine Cafés, die entdeckt werden wollen. Alles in allem hat mich Palermo positiv überrascht, es ist definitiv sehenswert. Auch die Busfahrt zum Santuario di Santa Rosalia war ein Highlight, über viele Serpentinen geht es den Berg hinauf. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt, das Meer und die umliegenden Berge. Zum Santuario gibt es auch eine alte Straße, die inzwischen nur noch für Fußgänger und Fahrradfahrer freigegeben ist, auf der wir wieder den Berg herunterliefen.

Nach zwei Tagen in Palermo machten wir einen Tagesausflug nach Agrigento. Wir haben den Ort auswegwählt, da es dorthin eine gute Zugverbindung gibt und wir auf dem Rückweg im Inneren der Insel wandern gehen wollten. Über die Stadt haben wir uns sonst nicht weiter erkundigt. Doch bereits vor Ankunft war uns klar, dass dort heute irgendein Event stattfinden musste. Auf den letzten Stationen war der Zug brechend voll, und auch auf der Straße, die neben der Zugstrecke verlief, standen die Autos Schlange.

Agrigento ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Italiens, und wir hatten einen Tag erwischt, an dem es einen großen Umzug mit verschiedenen Trachtenvereinen aus verschiedenen Ländern durch die Stadt gab. Außerdem gab es viele Stände mit Essen oder kunsthandwerklichen Gegenständen – es war eine sehr willkommene Überraschung. Sogar ein Sonderzug auf der sich sonst nicht mehr im Betrieb befindlichen Strecke nach Porto Empedocle fuhr an diesem Tag, den wir aus Zeitgründen allerdings nicht nehmen konnten.

Auf dem Rückweg stiegen wir dann in Campofranco aus, dem Bahnhof, der uns bei der Hinfahrt zum Loswandern am meisten zugesagt hat. Zuerst besichtigten wir noch eine verlassene Fabrik direkt neben dem Bahnhof. Anschließend liefen wir von dort nach Sultera, einem Dorf, welches auf einem Berg thront und fast schon majestätisch wirkt – und die Aussicht von oben war auch wirklich spektakulär. Nach einiger Zeit ging es per Anhalter wieder zum Bahnhof und wir stiegen in der Abenddämmerung in den Zug zurück nach Palermo.

Nach einem weiteren Tag in Palermo fuhren wir wieder auf das Festland. Da ich einmal tagsüber erleben wollte, wie die Waggons auf die Fähren verladen werden, nahmen wir den IC um 07:05 Uhr am Morgen. Leider baute der Zug auf seiner Fahrt durch Sizilien eine Verspätung von einer Stunde auf, sodass Trenitalia entschied, die Waggons nicht mit der Fähre überzusetzen. Stattdessen mussten alle Passagiere in Messina aussteigen und eine Passagierfähre fuhr uns über die Meerenge nach Villa S. Giovanni. Dort fuhr der Zugteil aus Siracusa pünktlich ab, sodass wir auch pünktlich in Napoli Centrale ankamen. Mit einem Frecciarossa ging es von dort aus noch weiter bis nach Arezzo, wo wir nach fast 13 Stunden ankamen.

In der Toskana waren wir 3 Tage auf dem Franziskusweg wandern. Am ersten Tag mussten wir dazu noch mit einer Nebenbahn nach Pratoveccio Stia fahren. Bei der Trenitalia wurde an diesem Tag gestreikt. Da die Bahn von einem lokalen Bahnanbieter betrieben wird, betraf uns das zum Glück nicht. Von Stia aus ging es in 3 Tagesetappen bis zum Kloster La Verna. Die Laubbäume hatten noch keine Blätter, sodass die Landschaft sehr karg aussah. Die hügelige, teils auch felsige Landschaft war trotzdem spannend anzusehen und immer wieder tauchten wunderschöne, verschlafene Ortschaften in den Tälern auf. Wir waren nahezu die einzigen Wanderer, uns begegneten jeden Tag nur eine Handvoll Wanderer und auch die ersten beiden Unterkünfte waren fast leer.

Am letzten Tag unserer Wanderung ging es nach Bibbiena, von dort aus fuhren wir mit dem Zug wieder nach Arezzo, wo wir eine weitere Nacht übernachteten. Am nächsten Tag ging es dann zurück nach Deutschland. Da wir mit dem langsameren, aber dafür auch gemütlicheren IC anstelle eines Frecciarossas nach Milano kamen und eine Umsteigeverbindung durch die Schweiz wählten, zahlten wir für den ganzen Tag nur 3€ an Reservierungsgebühren für unser Interrail Ticket. Im IC innerhalb der Schweiz, mit dem wir durch den Gotthard Basistunnel fuhren, gab es sogar Stühle im Speisewagen. Das hatte ich davor noch nie gesehen.

Mit dem Wetter hatten wir auf der Reise echt Glück. Am ersten Tag in Palermo hatten wir sagenundschreibende 28°, während in der Toskana Hochwasseralarm herrschte. Als wir einige Tage später in der Toskana waren, wanderten wir in einer dreitägigen Regenpause, direkt danach schwenkte das Wetter wieder auf Regen zurück. Hier hat sich das Interrailticket echt ausgezahlt, da wir spontan entscheiden konnten, wohin die Reise gehen soll. Auch von den Zügen durch Italien, nicht zuletzt die großartigen Nachtzüge, war ich wieder einmal begeistert. In Italien macht das Reisen einfach Spaß, zumindest wenn man nicht in der Hochsaison unterwegs ist.

Mit dem Nachtzug im Herbst nach Italien

Ende Oktober 2023 fuhr ich zusammen mit meinen Eltern nach Italien. Eine Nachtzugfahrt, ein Besuch von Pompei und eine Fahrt mit dem Bernina Express standen auf ihrer Bucket Liste, ich wurde damit beauftragt, daraus einen Urlaub zu planen. Wir entschieden uns für ein Interrailticket für drei Tage, an zwei weiteren Tagen fuhren wir mit Einzeltickets.

Am ersten Tag ging es für mich von Berlin aus Richtung Süden, wo ich in Crailsheim auf meine Eltern traf und wir gemeinsam weiter bis nach München fuhren. Dort aßen wir zu abend, bevor wir in den Nachtzug nach La Spezia einstiegen. Wir fuhren im Schlafwagen in einem Abteil für uns und mit einem eigenen Bad auf dem Abteil. Alles war sauber, das Bett war bereits bezogen und man konnte sich das Frühstück auf einem Flyer zusammenstellen sowie die Frühstückszeit für den nächsten Morgen wählen.

Als ich am nächsten Tag aufwachte, befand sich der Zug gerade irgendwo zwischen Milano und Genova. Ab Genova fuhr der Zug entland der ligurischen Küste, mit einem wunderschönen Blick auf das Meer. Der Höhepunkt der Zugfahrt war dann die letzte halbe Stunde, als der Zug durch die Cinque Terre fuhr, bevor er in La Spezia ankam. Die Cinque Terre, das sind fünf wunderschöne kleine Dörfer mit bunten Häusern an der ligurischen Küste, die alle ihren eigenen Bahnhof haben.

Nach Einchecken im AirBnB ging es mit dem Zug nochmal eine Station zurück nach Riomaggiore. Von dort gibt es einen schönen Wanderweg nach Manarola, wo es das wohl bekannteste Postkartenmotiv der Cinque Terre gibt. Am nächsten Morgen fuhren wir nochmals in die Chinque Terre, nach Monterosso, bevor es mit einem Frecciabianca nach Rom weiterging.

In Rom besichtigten wir die typischen Sehenswürdigkeiten, auf die ich hier nicht weiter eingeben werde. Obwohl ich schon zweimal in Rom war, gab es immer noch viel Neues für mich zu besichtigen. Trotz der späten Jahreszeit waren immer noch sehr viele Touristen unterwegs, für das Kolosseum und das Forum Romanum musste man Tickets bereits einige Tage im Voraus buchen. Ein Geheimtipp ist der Parco degli Acquedotti, ein Park etwas außerhalb von Rom gelegen, in dem ein großes Stück eines antiken Aquädukts steht. Hier entzieht man sich dem Trubel im Stadtzentrum, trotzdem ist der Park gut mit der Metro erreichbar.

Für einen Tagesausflug ging es von Rom nach Napoli. Der Frecciarossa macht es möglich, der für die Strecke zwischen den beiden Städten gerade einmal 1 Stunde und 10 Minuten braucht. Nochmals weitere 50 Minuten braucht man mit der Regionalbahn, um nach Pompei zu kommen. Dort verbrachten wir mehrere Stunden in der beeindruckenden archäologischen Ausgrabungsstätte. Am Abend ging es dann noch auf den Montesanto und natürlich gab es zum Abendessen eine typisch neapolitanische Pizza. Mit dem letzten Zug ging es um 20:30 zurück nach Rom.

Nach zwei weiteren Tagen in Rom machten wir uns langsam zurück auf den Heimweg. Mit einem italo Zug, einem privatwirtschaftlichen Konkurrenten der staatlichen Trenitalia, ging es ohne Halt direkt von Rom nach Milano. Der Zug hat einen hohen Reisekomfort, einzig das Bordrestaurant habe ich vermisst. Die bereitgestellten Snackautomaten sind m.M.n. kein Ersatz für ein echtes Restaurant. Im Milano verbrachten wir einen halben Tag mit Sightseeing sowie eine Nacht im Hotel, bevor es am nächsten Tag weiterging.

Mit dem Zug ging es zuerst nach Tirano an der Schweizer Grenze. Die Zugfahrt geht auf langen Strecken entlang es Lago di Como, mit beeindruckendem Ausblick. Von Tirano aus fährt der Bernina Express bis nach Chur, wir bekamen aber eine Mail, dass dies heute aufgrund eines Steinschlags nicht der Fall ist. Wir hatten anfangs etwas Sorge, ob wir wie geplant am Abend in Chur ankommen, aber auf die Schweizer Bahnen ist Verlass. Es gab einen Ersatzverkehr bis in den Ort Poschiavo, dort fuhr dann nach normalem Fahrplan der Zug nach Chur ab.

Während es unten noch Spätsommer war, gab es auf dem Berninapass bereits eine geschlossene Schneedecke. Dazwischen hingen Laubbäume im Herbstlaub, es war eine unglaublich schöne Fahrt. Man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Angekommen in Chur, ging es mit einer Regionalbahn noch weiter nach Heerbrugg, von dort aus mit einem Bus nach Hohenems in Österreich.

Nach einer letzten Nacht in einem Hotel ging es am nächsten Morgen von Hohenems aus auf den Heimweg. Für mich bedeutete dies eine Fahrt nach Bregenz, anschließend mit dem aus Zürich kommenden EC nach München und zuletzt mit dem ICE zurück nach Berlin. Es war eine schöne und abwechslungsreiche Reise und ich konnte damit meinen Eltern das Zugreisen schmackhaft machen, immerhin war es der erste Nachtzug für meinen Vater und der erste Nachtzug meiner Mutter seit ihrer Jugend. Vielleicht inspiriert der Blogbeitrag ja auch dich dazu, eine Zugreise zu planen.

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